Predigt am Heiligen Abend 24.12.2020

24. Dezember 2020 von Kristina Kühnbaum-Schmidt

Um 16.00 Uhr im Schweriner Dom - und im digitalen Gottesdienst der Nordkirche auf YouTube

I

Ach, was für ein Weihnachten. So viele Seufzer liegen über diesen Weihnachtstagen. Die Seufzer derer, die um Gestorbene trauern, um vertraute und liebe Menschen, die nicht mehr mit ihnen Weihnachten feiern. Die Seufzer derer, die den Heiligen Abend nicht im Familienkreis verbringen und sich davor fürchten, in diesen Tagen allein zu sein. Die Seufzer derer, die in Krankenhäusern und Pflegeheimen um Menschenleben kämpfen, liebevoll und mit all ihrer Kraft an der Seite derer, die sie jetzt brauchen. Die Seufzer derer, die erschöpft sind und doch nicht zur Ruhe kommen vor lauter Sorge: um ihre Gesundheit und die ihrer Liebsten, um ihren Arbeitsplatz, und darum, wie es weitergehen wird: mit den alt gewordenen Eltern, den Kindern zu Hause im Lockdown, der Schule, dem Studium und all den Plänen, die in Frage gestellt sind.

Ach, so viele Seufzer liegen über diesen Weihnachtstagen. In einem Jahr, das angefüllt ist mit immer neuen Herausforderungen, Entscheidungen, Fragen: Wen können wir treffen? Worauf verzichte ich? Was verschieben wir lieber? Ein Jahr, angefüllt auch mit Veränderungen, mit so vielem, was es neu zu lernen gab und worauf es sich einzustellen galt. Viele Veränderungen, viele Entscheidungen. Deshalb sagen viele in diesem Jahr: Weihnachten ist so ganz anders.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich dem zustimmen mag. Ja, wir feiern anders. Ja, wir sind unter anderen Bedingungen zusammen. Auch heute, auch hier in der Kirche, oder bei Ihnen zu Hause. Aber in allem, was anders ist, kommt eines ganz vertraut und selbstverständlich daher. In allem, was sich ändert und in Bewegung ist, ist eines verlässlich da - wie ein Fels in der Brandung: Die Botschaft von Weihnachten, die Botschaft des Heiligen Abends: „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.“

II

Das ist die Nachricht des Tages, ersehnt und erhofft: Eine Nachricht, die man sich nicht selber sagen kann. Eine himmlische Botschaft aus rettenden Worten: „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.“

Der Heiland - ein altes Wort ist das. Es bezeichnet die Hoffnung auf einen, der die Wunden und Verletzungen in unserem Leben heilt, die Spaltungen in der Gesellschaft überwindet und in allen Polarisierungen Brücken baut, neues Verstehen schafft, Gemeinschaft und Solidarität. Wie aber soll das gehen?

Es fängt damit an, dass Gott ein Mensch wird, ein neugeborenes Kind und sich so in die Hände der Menschen begibt. Sich uns anvertraut. Und gerade so unsere Liebe, unsere Fürsorge, unsere einander umhüllende Verantwortung weckt. Das Christuskind lässt uns wie in einem Spiegel sehen, was nicht nur für dieses und andere Kinder, sondern was für uns alle gilt, jeden Tag unseres Lebens: Wir können nur leben, indem wir uns täglich in die Hände anderer Menschen begeben, uns einander anvertrauen. Und uns darauf verlassen, dass wir alle mit diesem Vertrauen sorgsam und verantwortungsvoll umgehen. Dass wir uns gegenseitig kein Leid zufügen, sondern uns helfen und retten. Dass wir einander in Angst und Gefahr beistehen und sagen: Hab keine Angst, denn was auch geschieht - da bin ja noch ich, da sind ja noch wir.

Und selbst da, wo wir Menschen an Grenzen stoßen, wo wir unsere Fürsorge verweigern, Vertrauen missbrauchen, aneinander schuldig werden, wo wir Verantwortung füreinander ablehnen, wo Hass und Gewalt statt Liebe Raum greifen - da steht Gott im neugeborenen Christuskind mit seinem Leben dafür ein, Leid zu beenden, Schuld zu vergeben und dem Tod eine Grenze zu setzen durch neues Leben in Christus. Denn unablässig arbeitet Gott daran, alles, wirklich alles Böse mit Gutem zu überwinden. Zum Zeichen dafür wird Gott ein Kind - schenkt unserer bedrohten und verletzlichen Welt, schenkt uns bedrohten und verletzlichen Menschen ein neues Leben, neue Hoffnung, eine rettende Botschaft.

III

„Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.“

Das Christuskind ist Gottes Zeichen, dass er diese Welt, dass er uns Menschen nicht verloren gibt. Sondern im Gegenteil: Gott setzt auf uns. Vertraut sich uns an. Begibt sich in unsere Hände. Deshalb heißt die Botschaft dieses Heiligen Abends: Gott ist für uns da. Gott gibt uns, gibt diese Welt nicht verloren - und deshalb: Gebt auch ihr diese Welt, gebt auch ihr einander nicht verloren. Seid auch ihr füreinander da: Mit Güte und Wohlwollen. Mit Liebe und Fürsorge. Umhüllt euch mit Barmherzigkeit.

Und weil es Weihnachten ist: Lasst uns einander in diesem so besonderen Jahr reich beschenken. Mit einer Gabe, die wir großzügig geben, und für die wir nichts zurückverlangen. Keine Gegenleistung. Diese Gabe, die jede und jeder von uns schenken kann, die wir einander schenken und die uns alle miteinander, als Gesellschaft, reich machen und stärken wird,  gerade jetzt, in schweren Zeiten, sie heißt: Verantwortung füreinander. Verantwortung füreinander, aus der heraus wir uns selbst beschränken. Uns nicht alle Freiheiten nehmen, sondern um der anderen willen verzichten. Für eine Weile. Auf Kontakte, wo es nicht sein muss. Auf Besserwisserei, weil wir vieles doch auch nicht besser wissen. Weniger nehmen, und dafür mehr geben: Zeit für ein Telefonat. Oder für einen langen Brief. Ein offenes Ohr und ein offenes Herz.

Das ist Verantwortung, die unseren Blick weitet. Weg von dem, was man jetzt und hier für sich selbst sofort und unbedingt will. Weg von einer Fixierung auf die Gegenwart, auf das Hier und Jetzt. Verantwortliches Denken und Handeln, das uns auch helfen wird, unser Handeln mehr als bisher von der Zukunft her zu bestimmen. Von Gottes Zukunft her. Damit alle Menschen als Gottes geliebte Geschöpfe in Würde leben können. Damit wir unsere Welt, Gottes Schöpfung, behüten und bewahren und dem Klimawandel entschlossen entgegenwirken. Und Wege für ein Miteinander suchen, das wachsende soziale Spaltungen und politische Polarisierungen überwindet.

IV

Lasst uns einander an diesem Weihnachten reich beschenken: mit gegenseitiger Verantwortung - füreinander und unsere Welt, bestimmt von der Zukunft her, die Gott für uns Menschen will: Friede auf Erden, Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit.

Ja, über diesen Weihnachtstagen liegen viele Seufzer. In sie hinein kommt Gott zur Welt. Und er umhüllt uns mit seiner Zukunft und seiner wahrhaft himmlischen Botschaft: „Fürchtet euch nicht. Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.“

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