Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt

Predigt an Christi Himmelfahrt an der Steinmühle zu Carpin

18. Mai 2023 von Kristina Kühnbaum-Schmidt

Predigttext: Apg 1,3—4.7.8 und Lks 24,50b—53

Gottesdienst unter der Weite des Himmels, aufatmen, singen, beten, gemeinsam zusammen sein. Egal, wie das Wetter ist. Das tut gut, das ist eine wunderbare Tradition, das bringt Menschen zusammen. So wie heute morgen hier bei Ihnen! 

Hier unter der Weite des Himmels hören wir heute morgen eine Frage, die in der Bibel gestellt wird: „Was steht ihr und guckt zum Himmel?“ - Sie erinnert uns: Himmelfahrt meint nicht: Schade, dass Christus weg ist. Sondern ganz im Gegenteil -  Himmelfahrt meint: Wie gut, wie schön, dass Christus da ist. Dass er überall ist. Überall da, wo Menschen zusammenkommen, die an ihn glauben. Sei es in Kirchen oder Gemeindehäusern, sei es an Küchentischen, in Festzelten oder unter freiem Himmel. Wo Menschen zusammenkommen, die an ihn glauben, ist er da. Auch jetzt und hier. Mitten unter uns.

Überall soll seine frohe Botschaft gesagt werden

Himmelfahrt meint deshalb auch: Alles - die ganze Welt - gehört zu seinem Einflussbereich. Und überall soll seine frohe Botschaft gesagt werden: Die frohe Botschaft, dass Frieden sein soll. Die frohe Botschaft, dass Liebe die einzige Macht ist, die wirklich zählt. Genau diese Botschaft verbindet uns. Sie macht aus vielen Einzelnen, die je ganz eigene Interessen haben, eine Gemeinschaft. Und so aus einem Geist, dem Geist der Liebe und Barmherzigkeit lebt. Nicht alle auf die gleiche Weise, aber alle immer wieder in Beziehung genau darauf.

Himmelfahrt ist ein Tag, der uns wie alle christlichen Feiertage - und wie alle Sonntage - eine willkommene und heilsame Unterbrechung verschafft von den Zwängen unseres Alltags. Und Sie haben dafür diesen wunderschönen Ort gefunden: hier, im Müritz-Nationalpark an der Steinmühle, einem idyllischen Fleckchen Erde zwischen Wäldern und dem Grünower See. Hier feiern Sie seit vielen Jahren Ihren Gottesdienst unter freiem Himmel, als Fest mit Kindern, Vätern, Müttern, Großeltern, Freundinnen und Freunden. Als Gemeinschaft, die durch Singen, Feiern und füreinander Beten miteinander verbunden ist.

Wo Menschen Gottes Wort hören, miteinander feiern und füreinander da sind, da berühren sich Himmel und Erde

Als Christenmenschen teilen wir die christlichen Feiertage als freie Tage mit allen, die in diesem Land leben. Und freie, gemeinsame Zeiten brauchen wir als ganze Gesellschaft. Zeit zum Gespräch über die Grenzen unserer alltäglichen Bubbles hinweg. Zeit für gemeinsames Feiern, für erzählen und Lachen, für gemeinsames Essen. Zeit, um miteinander zu teilen, was unser Leben leicht und froh und was es schwer und traurig macht. Zeit, um zusammen zu sein. Zeit, die uns neu spüren lässt: wir gehören zusammen. Wir brauchen einander. Das macht auch Himmelfahrt zu einer nahezu himmlischen Erfahrung! Wo Menschen Gottes Wort hören, miteinander feiern und füreinander da sind, da berühren sich Himmel und Erde. Ja, so kann das Leben auch sein, nämlich himmlisch, schon auf Erden!

Christus ist da - mitten unter uns und überall. Im Himmel und auf Erden. Worte, die wir im Mai 2023 im Zusammenhang vieler Worte und Nachrichten hören, die uns beschäftigen und bewegen: Krieg gegen die Ukraine, Bürgerkriege in anderen Ländern wie im Sudan, Menschen auf der Flucht, Naturkatastrophen wie im Kongo. Aber auch unser im Vergleich dazu sehr sichere und geschützte Alltag, unsere Zukunft bewegt uns. Die Zukunft der Dörfer und Städte und Kirchengemeinden in unserer Region, die Themen des Klimawandels, und ganz persönliche Fragen aus unserem Alltag rund um Familie, Freunde, Arbeit, Gesundheit.

Für alle diese Bereiche gilt, so die Botschaft der Bibel, dass sie zum Einflussbereich von Jesus Christus gehören. Wo aber, wenn nicht weit weg im Himmel, wenn nicht irgendwo in den Wolken, wo ist Christus inmitten dieser Welt, inmitten unserer Fragen?

Wir entdecken Christus wenn wir uns anschauen

Wir entdecken Christus nicht, wenn wir in die Wolken schauen. Sondern wir entdecken ihn, wenn wir uns anschauen. Uns hier an der Steinmühle. Uns hier in den Gemeinden, in unseren Dörfern und Städten, uns Menschen in der ganzen Welt. Wir entdecken Christus, wenn wir einander anschauen. Wir entdecken Christus, wenn wir sehen, welche Not, welche Angst, welche Sorge den oder die andere drückt. Wir sind ganz nah bei Christus, wenn uns all das nicht unbeeindruckt lässt. Sondern wenn wir tun, was wir tun können, um in seinem Geist der Liebe, des Friedens und der Barmherzigkeit zu leben. Manche helfen anderen ganz praktisch, mit kleinen Hilfen im Alltag - bringen etwas vom Einkauf mit, übernehmen eine Autofahrt zum Arztbesuch. Andere treten dafür ein, dass Menschen, die vor Krieg, Armut und Gewalt in unserem Land Zuflucht suchen, hier ein neues, sichereres Zuhause finden.

Diese Liebe, diese Barmherzigkeit - aus ihnen besteht die Macht, die Christus auf Erden hat. Sie sind der Einfluss, den Gott ausübt. Darin besteht Gottes Herrschaft: Dass wir, dass Menschen überall auf der Welt sich anstiften und verändern lassen von seiner frohen Botschaft des Friedens, der Liebe und der Gerechtigkeit.

Verantwortungsvolles Handeln muss immer verbunden sein mit Liebe, Gerechtigkeit, Frieden und Barmherzigkeit

Alles, was auf Erden geschieht, liegt im Einflussbereich Gottes. Und wie Gott die Welt beeinflusst, ist nicht zu denken ohne die Liebe und Barmherzigkeit, die Jesus uns vorgelebt und gezeigt hat. Zugespitzt könnte man sagen: Himmelfahrt regt auch an, darüber nachzudenken, wie verantwortungsvolles Regieren geht. Verantwortungsvolles Handeln, auch Regierungs- und Leitungshandeln, muss immer verbunden sein mit Liebe, Gerechtigkeit, Frieden und Barmherzigkeit.

2020 haben Sie sich hier aus vier Kirchgemeinden zu einer Kirchengemeinde Wanzka zusammengeschlossen. Darin: viele Dörfer, viele schöne Kirchen, viele Pfarrhäuser, Wälder und Felder; aber auch viele weite Wege. Das alles zu unterhalten und am Leben zu halten, kostet sie als Kirchengemeinde viel Kraft; Aber es gelingt, sich zusammenzutun, und christliches Leben hier an der Müritz, neu zu denken, nämlich gemeinsam. Und den Glauben so zu leben, wie es zu den Menschen hier und zu ihren Kräften und Möglichkeiten passt. Danke dafür und für alles, was Sie für die Weitergabe des Glaubens in dieser Region tun!

Himmel und Erde berühren sich, wo wir im Geist Jesu miteinander leben, zusammen feiern und einander helfen. Ich wünsche uns deshalb einen Himmelfahrtstag, an dem wir spüren: Christus ist da, drinnen und draußen, in unseren Kirchen und Häusern, in unsern Herzen und im Freien – auch da, wo wir ihn vielleicht gar nicht vermuten.

Christus ist da. Da, wo zwei oder drei in seinem Namen zusammen sind, da, wo wir heute aus dieser Region beisammen sind. Auch hier und heute, mitten unter uns. Und keine Macht dieser Welt kann uns von der Macht seiner Liebe und seiner Barmherzigkeit trennen. Ist das nicht himmlisch?

Amen.

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