01. Februar in der Auferstehungskirche Lübeck

Predigt im Liveline-Gottesdienst

01. Februar 2026 von Kristina Kühnbaum-Schmidt

Etwas Neues beginnt - liveline-Gottesdienst an einem neuen Ort. Ganz schön aufregend ist das. Denn neue Anfänge haben es in sich. Trotz aller Vorbereitung weiß man nicht genau, wie es wirklich wird. Wird alles klappen? Was wird anders?

Veränderungen kann man noch so gut planen – am Ende geht es darum, loszugehen. Aufzubrechen, ohne genau zu wissen, was kommt. Es braucht Mut, neue Wege zu gehen. Ihr vom liveline-Team habt diesen Mut gezeigt. Das finde ich großartig - herzlich Danke dafür! Heute gehen wir gemeinsam die nächsten Schritte. Darüber freue ich mich sehr.

Neuanfänge beschäftigen viele Menschen, besonders zu Beginn eines neuen Jahres. Manche üben neue Gewohnheiten. Gesünder leben, mehr Bewegung, weniger Zucker, kein Alkohol, oder weniger Zeit auf dem smartphone. Dabei merkt man schnell: Neue Gewohnheiten brauchen Zeit. Ein neuer Anfang lässt sich nicht einfach herbeizaubern. Oft gibt es eine Übergangszeit: Das Alte ist noch spürbar, das Neue noch unklar. Man ist so ein bisschen „dazwischen“.

Veränderungen lassen sich ganz gut aushalten, wenn man selbst Einfluss darauf hat. Schwieriger wird es, wenn Veränderungen von anderen bestimmt werden. Wenn unklar ist, wohin es geht und welche Rolle man selbst spielt – oder ob man überhaupt eine Rolle spielt.

In diesen Wochen ist oft die Rede davon, dass gerade eine neue Weltordnung entstehen würde. Dass sich Machtverhältnisse verschieben, geopolitische Veränderungen im Raum stehen. Was das konkret bedeutet, weiß niemand so genau. Aber viele Menschen machen sich Sorgen. Wer weiß, was da auf mich, auf uns, auf unser Land, auf Europa, auf die ganze Welt zukommt? Und worauf dann noch Verlass ist. Kein angenehmes Gefühl, weniger oder sogar keinen Spielraum zu haben, weil anscheinend andere entscheiden – Größere, Stärkere, Mächtigere.

Auch die ersten christlichen Gemeinden kannten dieses bedrängende Gefühl. Ihr Glaube an Jesus Christus war neu auf dem Markt der Religionen zu ihrer Zeit. Und provokant. Denn sie sagten: Wir verlassen uns nicht auf das, was ein Kaiser oder König oder sonst ein Herrschender sagt. Wir verlassen uns allein auf Christus. Weil Christus nicht an sich und seine Vorteile denkt, sondern für die Menschen da ist. Weil er alles auf die Karte der Liebe setzt: auf Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit. Denn nicht Machtgehabe und Todesdrohungen verändern unsere Welt, sondern Liebe und Versöhnung. Deshalb wurden Christinnen und Christen misstrauisch beäugt, ausgegrenzt und verfolgt. Ihr Glaube stellte die Macht der Herrschenden infrage.

Von dieser bedrängenden Situation erzählt der Seher Johannes im Buch der Offenbarung. Er hat sich auf eine einsame Insel zurückgezogen und erlebt eine überwältigende Vision: Er sieht Christus selbst - hell strahlend wie die Sonne, machtvoll und auch furchteinflößend. Es muss eine überwältigende Erfahrung gewesen sein. Johannes jedenfalls fällt wie tot um.

Doch Christus legt ihm behutsam die Hand auf und sagt ruhig: „Fürchte dich nicht!“ Nicht: „Reiß dich zusammen“, oder: „Du musst jetzt stark sein.“ Sondern: „Fürchte dich nicht!“

Vielleicht kennen Sie das auch - wenn sie aufgeregt oder ängstlich sind und jemand legt ihnen beruhigend die Hand auf den Arm oder die Schulter, und sagt: „Hab keine Angst. Du bist nicht allein. Ich bin bei dir.“

Das erlebt auch Johannes. Und Christus sagt noch mehr zu ihm: „Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige; ich war tot und siehe, ich lebe in alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.“

Das meint: Was auch geschieht, was sich verändert oder zu Ende geht – Christus ist da. Am Anfang. Am Ende. Und darüber hinaus. Christus verschließt sich nicht vor den Ängsten und Sorgen der Menschen. Sondern er lässt sich in Mitleidenschaft ziehen. Er steht mit seinem Leben ein für Liebe und Barmherzigkeit. Als ihn das in den Tod führt, als alles verloren scheint, gibt Gott dem Geschehen eine andere Wendung. „Christus ist auferstanden“, lautet seitdem die Kernbotschaft des christlichen Glaubens. Gottes Liebe ist stärker als Hass, Gewalt und Tod. Ihre Macht zeigt sich nicht in triumphierender Stärke, sondern in Barmherzigkeit und Güte, in Versöhnung und Frieden.

Fürchte dich nicht! sagt Christus. Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige; ich war tot und siehe, ich lebe in alle Ewigkeit. Das ist mehr als Trost. Es ist eine klare Ansage. Nicht der Kaiser hält die Welt in der Hand. Nicht das Imperium, nicht politische Macht, nicht Gewalt, nicht Propaganda, entscheiden über Heil oder Unheil. Die Schlüssel zum wahren Leben liegen bei Christus. Das ist eine deutliche Gegenrede zu alles beherrschen wollender Macht. Es ist Hoffnung pur - gegen Angst und Unterdrückung. Erwartet euer Heil also nicht von denen, die laut auftreten und großspurig daherkommen. Setzt eure Hoffnung nicht auf falsche Mächte, sondern auf die Liebe, auf Barmherzigkeit, auf Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe.

Johannes schickt seine Worte an sieben Gemeinden. Sieben - das ist die Zahl der Fülle.  Sie meint: Diese Botschaft gilt nicht nur damals. Sie gilt der ganzen Welt. Sie gilt auch uns. Mitten in schwierigen Zeiten. Mitten in einer Welt voller Krisen. Mitten in persönlichen Situationen, die uns Kraft und Zuversicht rauben.

Es mag sein, dass gerade so etwas eine neue politische Weltordnung entsteht. Und dass das Sorgen und Ängste auslöst. Aber das, was unsere Welt, unser Leben, wirklich von Grund auf in Ordnung hält, was unser Leben wirklich trägt, das steht fest und sicher. Christus ist der Erste und Letzte und der Lebendige bis in alle Ewigkeit.

In unsicheren Zeiten lernen wir neu: Nicht Einschüchterung oder Drohungen geben Halt. Sondern die Erfahrung, einfühlsam gesehen und respektiert zu werden. Die Fähigkeit, füreinander da zu sein und einander zu vertrauen. Und vor allem anderen und bis zuletzt die Liebe, die wir schenken und geschenkt bekommen, und aus der wir alle von Grund auf und bis in Ewigkeit leben. „Fürchte dich nicht! sagt Christus. Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige; ich war tot und siehe, ich lebe in alle Ewigkeit.“ Amen.

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