19. Januar 2020 | St. Georgskirche am Hauptbahnhof in Hamburg

Prof. Dr. habil. Lammer als Leitende Pastorin des Hauptbereichs Seelsorge und gesellschaftlicher Dialog

19. Januar 2020 von Kirsten Fehrs

Gottesdienst zur Einführung von Pastorin Prof. Dr. habil. Kerstin Lammer als Leitende Pastorin des Hauptbereichs Seelsorge und gesellschaftlicher Dialog

Liebe Festgemeinde, liebe Kerstin Lammer,

Energie. Es ist sofort Energie im Raum, wenn Sie ihn betreten. Freundlich, aufgeschlossen, unerhört wach, auffassungsschnell – und sagenhaft kompetent. Da genügen wenige Worte der Gegenseitigkeit, um klar zu haben: Hier ist ein Mensch mit einem enormen Reichtum in sich, einer Fülle an Erfahrung, wissenschaftlicher Expertise und persönlicher Neugierde gleichermaßen, eine Frau, die sich mit hoher Intuition in Menschen und Situationen einzufühlen vermag und dabei mit Lust zur Erkenntnis wahrnehmen möchte, was denn jetzt, in diesem Moment, wirklich und wahr ist, etwa welche Botschaft der oder die andere auf dem Herzen hat, dass sie verstanden werden will. Sie können, liebe Frau Lammer, Herzen hören. Und Sie können in Sprache fassen, was wir alle davon verstehen sollten. Und zwar in sehr präzise Sprache. Ihre Veröffentlichungen – ebenfalls eine Fülle – zeugen davon.

Dieses nahtlose Ineinandergehen von Empathie und Erkenntnis, Wahrnehmungsfähigkeit und Reflexionsvermögen – das hat mich von Anfang an beeindruckt. Es ist in Ihnen eine Geradlinigkeit und Klarheit, die einem das gute Gefühl gibt, dass in einem so breit aufgestellten Hauptbereich wie diesem zweiten der gesellschaftliche Diskurs nicht nur ein Titel ist, sondern Ziel und Weg. Nach dem Motto: „Mit dem Zweiten sieht man besser“ – auch als Institution Kirche, die immer wieder eigene Justierung und kritische Reflexion braucht, um ethische Orientierung überhaupt geben zu können. Wie gut – da waren wir uns schnell einig –, dass die Seelsorge nicht allein als ein personales Geschehen in hoher Professionalität mit euch Krankenhaus-, Gefängnis-, Polizei-, Aids-, Notfall- und Schwerhörigen-Seelsorger*innen verstanden wird, sondern dass Seelsorge auch Weltwahrnehmung meint. Und also einen öffentlichen Auftrag hat, Licht in die Sache – welche dies immer sei – zu bringen.

Mehr Licht. Wann also hätte man als Leiterin des Hauptbereichs 2 besser eingeführt werden können als in der Epiphaniaszeit? Mit den hellen Liedern, sonnigen Tagen und hellen Worten wie dem aus dem 2. Korintherbrief: „Gott hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.“

Durch uns die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes, von Angesicht zu Angesicht  – was für ein Auftrag wird uns da zugetraut, liebe Geschwister! Und dies allemal in der Seelsorge, die zunächst die vielbesagte Muttersprache der Kirche von ihrem Anfang an ist. Von diesem Anfang, seit Jesus Aussätzige berührt und die Verwundeten getröstet, aber auch das Leben in Kana gefeiert hat. Jesus, der verstanden hat, dass sich die Menschen vor allem nach dem einen sehnen: Dass es einen hellen Schein in die Herzen gebe, ja, dass die Herrlichkeit einziehe, diese Lebensfreude von Brautleuten wie in Kana, die für sich und ihr Leben etwas erwarten. Ein Sehnen nach dem hellen Schein im Herzen, das heißt ja: nach der Offenbarung der Liebe im je eigenen Leben. Und so wird in Kana aus viel Wasser viel Wein, und zwar sage und schreibe 370 Liter in sechs Krügen, und das vom Guten. Jesus versteht’s – der Freudenmeister …

Seelsorge also ist’s, die von allem Anfang unserer Kirche an die Fülle des Lebens sucht und ganz bewusst den Gegenakzent setzt zum heutzutage geradezu perfektionierten Blick auf den Mangel. Auf die Indifferenz. Insuffizienz. Inkontinenz, was weiß ich. Seelsorge in der Nachfolge Jesu erfüllt also gesellschaftlich einen öffentlichen Auftrag – indem sie ortet, buchstäblich erörtert, wo das Dunkel, der Schmerz einer Gesellschaft liegen. Einer Gesellschaft, die in sich mit Spaltung, Abwertung, Extremismus kämpft, mehr denn je. Für mich ist das eine der wichtigen inhaltlichen Klammern in diesem Hauptbereich mit all seinen verschiedenen Arbeitsfeldern. Öffentliche Seelsorge, die präzise wahrnimmt und in Sprache, ja, in Bildungsdialogen einer Akademie und eines KDA zu fassen versucht, was Menschen, gefangen in den Dynamiken einer digitalen und von Friedlosigkeit erschütterten Welt, von sich selbst oft nicht mehr verstehen.

Also: Wie großartig ist das denn, dass eine so ausgewiesene Seelsorge- und Bildungsexpertin wie Sie, liebe Frau Lammer, nun diesen Hauptbereich leitet. Ich gratuliere Ihnen – und uns –, dass Sie sich wieder zurück in den Norden begeben haben, nach Studium und wissenschaftlicher Laufbahn in Bonn, Kiel, Chicago, Honolulu, nach Beraterinnen- und Seelsorgetätigkeit und Dienst als Pastorin in Alsterdorf, Altona, vor allem in Glinde, als Pastoralpsychologin, Supervisorin und Dozentin u. a. im Bildungswerk der Kirche in Westfalen und in der Evangelischen Hochschule in Freiburg und schließlich als Professorin in Münster. Mit Veröffentlichungen zu Themen wie Sterben, Tod und Bestattung, der Theologie und Hermeneutik evangelischer Seelsorge, Notfallmedizin, Burn out, Respekt vor dem Fremden, und natürlich Trauerprozesse und -begleitung, gar übersetzt ins Japanische mit dem überschaubaren Titel: „Kanashimi ni Yorisou, Shibetu zu kanashimi kein Shinrigaku“ – großartig. Soweit eine kleine Auswahl des Lammerschen Themenspektrums.

Dass Ihnen nun hier und jetzt – und morgen – ein heller Schein in Ihr Herz gegeben werde, dass Sie und alle in der gemeinsamen Arbeit Erkenntnis gewinnen und etwas ausstrahlen von der Herrlichkeit unseres Freudenmeisters, das wünsche ich Ihnen von Herzen, liebe Frau Lammer. Mögen helle Worte und erhellende Begegnungen Sie begleiten, wissend, dass vieles sich im Hauptbereich verändern wird und verändern muss – aufgrund von Ereignissen, neuen Aufgaben, Rahmenbedingungen. Und weil das alle wissen, ist es gut, gewiss zu sein, dass der bleibt, der uns trägt und gründet. Christus, der uns Orientierung gibt, er, das Licht der Welt.

Er sei an eurer Seite bei allem, was kommt, und gebe euch Kraft, ja, Energie und lebendige Hoffnung. Es ist so gut, dass ihr da seid, ihr vom Zweiten. Und: Es ist so gut, dass Sie da sind, liebe Frau Lammer. Bleiben Sie, bleibt alle behütet.
Amen.

Datum
19.01.2020
Quelle
Stabsstelle Presse und Kommuniaktion
Von
Kirsten Fehrs
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