HEIDE, 12. FEBRUAR 2011

Rede anlässlich der Gedenkfeier für den verstorbenen Landtagspräsidenten Heinz-Werner Arens

14. Februar 2011 von Gothart Magaard

Liebe Frau Arens,
 liebe Familie und Angehörige,
 Herr Landtagspräsident,
 Herr Ministerpräsident,
 meine Damen und Herren,
 liebe Schwestern und Brüder! Mitten im Leben sind wir mit dem Tod umfangen. Wir wissen das. Und glauben es erst, wenn der Tod tatsächlich dazwischen tritt. Wenn mit einem Mal die Welt stillsteht und der Riss da ist. Das tut weh, liebe Frau Arens, und ich darf Ihnen und ihrer Familie im Namen unserer Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche unser Mitgefühl aussprechen. Wir trauern mit Ihnen um Heinz-Werner Arens.

"Lehre uns unsere Tage zählen, dass wir ein weises Herz gewinnen." sagt der 90. Psalm, ganz wörtlich übersetzt. Unsere Tage sind gezählt. Wir sind die Sterblichen.- Aber wie oft ziehen wie eine Lehre daraus? Gewinnen ein weises Herz und sorgen dafür, dass unsre Tage auch tatsächlich zählen?

Wird es heißen: gewogen und zu leicht befunden? Wird es heißen: Das zählt? Das hat Gewicht? Das kannst Du in die Waagschale werfen, das bleibt?

Welche Tage zählen wirklich? Die Sonntage im Kreis von Kindern und Familie? Die mit Arbeit vollgestopften Werktage, pausenlos Sitzungen, Ausschüsse, Telefonate, Aktenstudium? Die Tage im Scheinwerferlicht auf der großen Bühne: eine Rede, "lang anhaltender Beifall" steht dann im Protokoll, Schulterklopfen, Glückwünsche?

71 Jahre auf dieser Erde. Das sind 71mal 365 plus X Tage und Nächte. Immer geerdet, verwurzelt und bodenständig hier in Dithmarschen: Das war Heinz-Werner Arens. Sein irdischer Weg. Ein "hohes Tier" wollte er nie sein, de Jung ut Tellingstedt, - und genoss doch so hohen Respekt wie kaum ein Abgeordneter und Landtagspräsident in unserem Land. Wurde geehrt, ausgezeichnet, für seine Verdienste mit hohen und höchsten Würden bedacht.

Dann die letzten, auch schweren Tage. Geborgen an Leib und Seele im Hospiz in Rendsburg. Mauern, ein Dach, menschliche Nähe - und du musst nicht, aber du darfst beten.

Und am Ende? Keine Härte. Kein "Nein". Keine Bitterkeit.
Stattdessen: ein großes "Ja". Ein großes "Danke“. Für alles. "Ja, ich bin dankbar für alles." - "Es ist alles gut." Und dann kam der lange Schlaf. Das tröstet. Das versöhnt - auch mit dem Schweren. Das erleichtert das Herz - in aller Trauer.

Heinz-Werner Arens kannte zwei Berufe.
"Der zweitschönste Beruf ist der des Lehrers, der schönste ist der des Politikers."
Wunderbar gesagt. Und typisch für ihn. Knapp. Klar. Schnörkellos. Ein wenig hintergründig. Fördern und ---- Fordern. Und es gibt eine Verbindung zwischen beiden Berufen: Heinz-Werner Arens war ein Lehrer im Leben und in Sachen Demokratie.
Den schönsten und den zweitschönsten Beruf der Welt durfte er ausüben. Er durfte seine doppelte Berufung leben: Fördern und Fordern. Ein Schoolmeister im besten Sinne des Wortes, im Kleinen wie im Grossen. Er konnte und durfte junge Mensch begleiten, ihnen die Welt erschließen, ihre Talente, Gaben, ihr Können ent-decken und sie voran bringen. Bildung, das war sein Credo, macht frei, und gerade die Schwachen brauchen einen Schoolmeister nicht von oben herab, vielmehr einen „auf Augenhöhe“, in der direkten Unmittelbarkeit von Mensch zu Mensch. Das war seine besondere Gabe, da schlug sein Herz, gerade den Schwachen galt seine Liebe.

Und er konnte und musste auch fordern, manchmal einfordern. Wahrhaftigkeit. Klarheit. Offenheit. Unnachgiebig und streng, wenn es geboten war. "Die Wahrheit wird euch frei machen", sagt Jesus im Evangelium, und das hätte Heinz-Werner Arens sicher ähnlich sagen können. Geradlinigkeit und Wahrhaftigkeit waren seine zentralen Fixpunkte, nicht nur im menschlichen Umgang, auch als Politiker und im Politischen.

"Glauben ist kein Wissen" war seine Überzeugung. Auch das passt zu ihm. Wieder nur wenige Worte. Kurz und knapp, klare Kante. Eine Haltung die Respekt verdient: Nichts in der Schwebe lassen, auch wenn es unbequem sein mag. Im Zweifel lieber auf das sichere, verstandesklare Wissen setzen als auf unsicheren Glauben und Vertrauen. Direkt sein, echt sein und persönlich wahrhaftig: nach MEINEM besten Wissen und Gewissen urteilen. Wahrheit und Wahrhaftigkeit werden euch frei machen. Aus solcher Einstellung heraus erwuchs ein Abstand zum Glauben.

Aber der Glaubensabstand trennte Heinz-Werner Arens nicht vom Wertekanon eines christlich geprägten Gewissens. Er gehörte zu einer Generation, die selbst erlebt hatte, wie dünn der Firnis der Zivilisation ist und welche Katastrophe Krieg bedeutet. Zwei Tage nach seiner Geburt hatte Hitler den Weltkrieg entfesselt. 1945 war das Jahr seines Schulanfangs. Heinz-Werner Arens Jugendjahre waren zeitgleich und parallel auch die Jugend- und Aufbaujahre unseres Landes und unserer Republik.

Das sind Erfahrungen, die sich nicht leicht vergessen. Prägungen, die verpflichten. Dieses Bewusstsein: das Schlimmste ist, Gott sei Dank, überstanden. Jetzt gilt es, den Blick nach vorn zu richten. Jetzt gilt es, Zukunft zu gewinnen – aus Liebe zum Leben und Liebe zu den Menschen. Und in der Hinsicht können wir heute von seiner Haltung lernen, die hieß: Mitverantwortung ist gefordert. Mit zupacken, die Ärmel aufkrempeln und das Land neu aufbauen. Es neu aufbauen auch im Geistigen: junge Menschen begleiten und bilden, sie fördern und fordern. Gute Pädagogik braucht das -- und gute Politik. Politisches Denken und Handeln aus dem Bewusstsein einer sittlichen Verpflichtung heraus.

Also kein Rückzug in die Nischen der Wohlstandsgesellschaft, sondern persönliches Engagement, persönlicher Einsatz. Darauf kommt es an, das zählt: Verantwortung zu übernehmen für die Menschen und ihre Zukunft, Verantwortung für das Ganze, für das Gemeinwohl, für Frieden, Freiheit, Demokratie und Solidarität.

Eine reine "Wirtschaftswertegemeinschaft", so hat Heinz-Werner Arens im Blick auf Europa pointiert formuliert, tauge nicht als Fundament für ein friedliches Zusammenleben der Menschen und Völker. Dazu brauche es ein Mehr an gemeinsamem Geist, eine "Grundwertegemeinschaft". Also: Eine Gemeinschaft und ein Ethos der Verantwortung, verankert in einem unverletzlichen Bestand von nicht nur beschworenen, sondern auch tatsächlich und alltäglich gelebten Grundwerten wie Solidarität, Freiheit und nicht zuletzt Toleranz.
Eine Toleranz, die den Glauben und die Religionsausübung eben nicht ausgrenzt, sondern ausdrücklich mit einbezieht. Kultur kommt von Kult, und das ist weit mehr als ein bloß sprachlicher Gleichklang. Im Fördern und Fordern dieser "Grundwertegemeinschaft", in der Herstellung eines solchen "Bewusstseins unserer gemeinsamen tradierten Werte" sah Heinz-Werner Arens eine wesentliche Bildungsaufgabe gerade auch der christlichen Kirchen, und in diesem Sinne verstand und unterstützte er den Wunsch nach einem Gottesbezug in der europäischen Verfassung.

Kannte Heinz-Werner Arens neben dem Schulmeister und dem Parlamentarier einen allerschönsten Beruf? Wenn Ja, dann muss es der des „Menschenfreundes“ gewesen sein. Jede Gemeinschaft lebt von denjenigen, die sich über das Normalmaß hinaus engagieren - aus einem ganz schlichten Grund: weil sie die Menschen lieben. Heinz-Werner Arens gehörte zu diesen Menschenfreunden, und wir sind dankbar, dass er im aktiven Unruhestand in beispielhafter Weise besonders für die Opfer von Kriminalität und Gewalt eingetreten ist.

"Lehre uns unsere Tage zählen, dass wir ein weises Herz gewinnen." sagt der Psalm.
Seine Tage auf dieser Erde sind abgeschlossen. Heinz-Werner Arens ist vollendet. Ich bin sicher: wir können und dürfen mit Recht sagen: Was er in die Waagschale warf, hat Gewicht. Das zählt. Sein Andenken ist eine Verpflichtung. Ja, liebe Frau Arens, wir sind dankbar für alles, was er getan hat, zum Wohl unseres Landes, und zum Wohl der Menschen, die hier zusammenleben.
Wir danken Gott für das Leben von Heinz-Werner Arens.

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