13. Mai 2021, Christi Himmelfahrt | Kirche St. Georg, Hamburg

"Schaut hin": Ökumenischer Kirchentagsgottesdienst

13. Mai 2021 von Kirsten Fehrs

Kurzpredigt zu Markus 6,35-44

35Es wurde spät, und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: »Wir sind hier an einem einsamen Ort, und es ist schon spät. 36Schick die Leute fort, dann können sie in die umliegenden Gehöfte und Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen.« 37Jesus erwiderte: »Gebt doch ihr ihnen zu essen!« Da sagten sie zu ihm: »Das würde ja bedeuten, dass wir für 200 Denare Brot kaufen müssten, damit wir allen zu essen geben können!« – 38»Wie viele Brote habt ihr?«, fragte er zurück. »Geht und seht nach!« Sie taten es, kamen wieder zu ihm und sagten: »Fünf, und außerdem zwei Fische.«
39Da wies Jesus die Jünger an, dafür zu sorgen, dass die Leute sich alle gruppenweise ins Gras setzten. 40Als sie sich in Gruppen zu hundert und zu fünfzig gelagert hatten, 41nahm Jesus die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf und dankte Gott dafür. Dann brach er die Brote in Stücke und gab sie seinen Jüngern, damit diese sie an die Menge verteilten. Auch die zwei Fische ließ er unter alle verteilen. 42Und alle aßen und wurden satt.
43Am Schluss sammelte man auf, was von den Broten und Fischen übrig geblieben war – zwölf Körbe voll. 44Die Zahl der Männer, die von den Broten gegessen hatten, belief sich auf fünftausend.

Liebe Geschwister, liebe Kirchentagsbegeisterte,

viele von uns haben doch genau das erlebt, was wir eben im Evangelium gehört haben, oder? Zu Tausenden haben wir gruppenweise im Gras gesessen, haben beim Kirchentags-Schlussgottesdienst Wiesen bevölkert oder – Erinnert ihr euch noch an Hamburg 2013? – den ganzen Stadtpark! Hunderttausend beieinander, glückselig und erschöpft zugleich. Wir hatten so viel erlebt, nachgedacht, gefeiert, stundenlang Predigten gehört (und gehalten), aufgemerkt, und „Ich bin bei euch alle Tage“ gesungen – so viel du brauchst eben, das war das Motto.

„Schaut hin“ – so heißt es dieses Mal in ökumenischer Geschwisterlichkeit. Schaut hin – das ist auch die kleine feine Pointe unseres Textes. Und zwar so: Stundenlang schon liegen sie im Gras und hören Jesus zu, der predigt. Selig sind sie – und langsam erschöpft. Oha, denken die Jünger, bald ist Abendessen. Sie sind besorgt. Eine hungrige Menschenmenge ist schließlich kein Spaß.

Fein beobachtet. Aber das Problem lösen soll doch bitte der Meister. Der spielt den Ball zurück: Kümmert ihr euch doch und besorgt Brot. Erschrockene Gesichter: Das würde ja 200 Dinare kosten – und das Geld haben sie schlicht nicht.

Jesu nächster Vorschlag, jetzt schon entschiedener im Ton: Geht und seht nach, was ihr habt. Fünf Brote und zwei Fische werden gebracht. Zusammen mit der versteckten Botschaft: Das reicht nie und nimmer. Ab diesem Punkt nimmt Jesus die Sache doch selbst in die Hand, buchstäblich. Er hält Brot und Fische dankend gen Himmel und die Dinge nehmen ihren bekannten Lauf. (Man könnte es genau mit Ihnen, lieber Bruder Weihbischof, beschreiben als ein wunder-bares „Darüber hinaus“!)

Eigentlich doch erstaunlich, liebe Geschwister, dass diese Jünger so zögerlich sind. Haben sie nicht unzählige Male Jesus heilen sehen und Wunder vollbringen, und hängen sie nicht hungrig nach Leben täglich an seinen Lippen? Und doch bleiben sie beim Problem hängen, ohne Vision und kreative Kraft, ohne Zutrauen in ihre Möglichkeiten.

Dabei ist dieses „Geht los! Schaut hin!“ nicht einfach ein: „Ach, guckt doch eben mal nach“. Es ist das gleiche unbedingte „Geh los!“, mit dem Jesus jene auffordert, die er geheilt hat. Geh los in dein neues Leben. Es ist das gleiche „Geht los!“, das der Engel am leeren Grab den Frauen aufträgt, damit sie die Auferstehung verkünden. Es ist: das Alte hinter sich lassen und neue Wege gehen. Es heißt: Schau hin, was hast du selbst? Was ist schon da? Was kannst du tun?

Wir möchten also bitte getrost aufhören damit, nur das Problem zu beschreiben und ängstlich vor der Größe der Aufgabe zurückzuschrecken. Auch in einer Pandemie. Schluss mit dem verzagten: Geht nicht, das können wir nicht. Sondern: Wo ist unsere Kraft? Wo ist unser Vermögen in vielerlei Hinsicht und was machen wir daraus? In seiner Nachfolge, liebe Geschwister, ist nicht Angst und Kleinmut das, was uns bestimmen soll. Zuversicht schon eher. Mut, das scheinbar Unmögliche ausnahmsweise mal für möglich zu halten.

Und also, schaut hin: Flüchtlingspolitik ist eben nicht zu komplex und Seenotrettung bleibt Christenpflicht undeine Aufgabe der Kirche. Hätten wir warten sollen, bis die EU handlungsfähig ist? Oder helfen wir wirklich, direkt im Mittelmeer, Ertrinkende zu retten?

Schaut hin – die Obdachlosen sind in unserer sonderbar stillen Innenstadt so sichtbar geworden. Und? Gibt nicht das Bündnis #HotelsForHomeless ihnen ihre Würde durch ein eigenes Zimmer in den ungenutzten Hotels zurück, weil‘s eben ein eigener, so unerhört beruhigender Schutzraum ist?

Müssen die Seeleute, die wegen der Pandemie in Hamburg festsitzen, weiter monatelang ausharren? Oder setzt nicht die Seemannsmission alle Hebel in Bewegung, damit sie zu ihren Familien nach Kiribati zurückkehren können.

Fällt Kirchentag aus, weil er nicht wie gewohnt zu organisieren ist? Nein, er wird zu einer digitalen Diskussionsplattform umgebaut. Ist zwar anders, und ich weiß, es jammert in uns auch ein bisschen, aber dennoch: Es geht doch!

So viel gelingt, weil Menschen genau hinschauen, die Ärmel hochkrempeln und loslegen. Fangen wir doch mit fünf Broten und zwei Fischen einfach mal an. Amen.

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