Montag, 4.November 2019 | 17.30 Uhr | St. Petri-Dom,

„Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

27. April 2020 von Gothart Magaard

Predigt im Rahmen der Schulträgertagung zu Mt 19/29

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder,

 

ich freue mich, dass wir heute miteinander im Schleswiger St. Petri-Dom gemeinsam Gottesdienst feiern und wir dank der Einladung zum Abendessen auch noch Zeit haben werden, intensiver miteinander ins Gespräch zu kommen.

Der Dom ist derzeit eine Großbaustelle, aber wir sind zuversichtlich, dieses besondere Kirchgebäude hier in der Region wieder gut so sanieren zu können, dass es ein Ort wird, an dem man gern eine Auszeit vom Alltag nehmen und ihn als Herberge am Wegesrand nutzen mag.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

„Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Es sind Worte des auferstandenen Christus, aus dem bei Matthäus überlieferten Tauf- und Missionsbefehl, die ich für diese Predigt ausgewählt habe. „Siehe, ich bin bei euch ...“ – was macht unsere Identität als Schulträger aus? Diese Frage beschäftigt Sie, jedenfalls unter anderem, auch in diesen Tagen.

Historisch sind die Argumente schnell bei der Hand – von Martin Luther, Philipp Melanchthon und innerhalb der Nordkirche natürlich auch von Johannes Bugenhagen ließe sich erzählen. Von der Einsicht, dass die Glaubensfreiheit eben auch Bildung zur Voraussetzung hat.

Nur so lässt sich Fremdbestimmung, ja, Gehorsamsglaube vermeiden – darum ist es selbstverständlich, dass wir uns in unserer evangelischen Tradition für Bildung einsetzen und auch konfessionell gebundene Schulen unterhalten.

Aber die Historie wäre mir zu schwach als alleiniger Identitätsmarker – „Siehe, ich bin bei euch ...“ Präsentisch formuliert der Auferstandene, und zwar „alle Tage“. Heute bin ich bei euch. Heute sollt ihr heilsame Gegenwart spüren – heute soll auch euch Auferstehungswirklichkeit umgeben, die das Leben weit macht und euch über die Grenzen des Menschenmöglichen hinaus glauben lässt.

Siehe, ich bin bei euch ...“ – diese Verheißung bestimmt unser Bild vom Menschen. Dass der Mensch nie gottlos wird, man könnte auch sagen: dass er Gott nicht los wird. Dass er einer ist, der zur Auferstehung bestimmt ist, bestimmt dazu, nicht in ein dunkles Nichts zu fallen, sondern so wertvoll, so geliebt, dass er gehalten ist – auch zuletzt.

So nehmen wir den Menschen in den Blick – in der Seelsorge, in der Diakonie und eben auch in der Bildung. Das verändert nicht die mathematische Logik, aber vielleicht eine Nuance im Prozess des Lernens und im dann menschenfreundlichen Umgang mit der Angst, die die Mathematik für manchen ja mit sich zu bringen pflegt.

Es schränkt die Freiheit der Wissenschaft nicht ein, aber es hilft möglicherweise, sich in den unausweichlichen ethischen Fragen zu orientieren und eine verantwortbare Antwort zu finden. Und es hilft schließlich wohl auch, im Schulalltag mit den existentiellen Fragen lebensdienlich umzugehen, vom Scheitern bis hin zum Sterben. Nicht das „Was“ verändert sich, aber das „Wie“ – so hoffe ich. Der Geist, in dem Lehren und Lernen geschehen.

Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

„Der Welt Ende“ – gerade die jungen Menschen fragen eindringlich danach, welche Zukunft diese Erde hat – ob sie ein lebensdienlicher Ort bleiben kann, wenn wir weiter so wirtschaften und konsumieren, wie bisher.

Unsere Generationen haben die Antworten auf die drängenden ökologischen Menschheitsfragen nicht gefunden, das müssen wir eingestehen. Das werden auch Lehrerinnen und Lehrer ihren Schülerinnen und Schülern gegenüber eingestehen müssen.

Und wir werden miteinander aushalten müssen, dass die Fragen ebenso dringlich und existentiell drängend sind, wie die Antworten komplex und schwer zu realisieren sein werden. Wir werden eine Lerngemeinschaft sein müssen, die sich in ganz neuer Weise vernetzt, über Grenzen hinweg.

Die im gleichen Atemzug mit dem Co2-Ausstoß auch die Frage der globalen Gerechtigkeit benennt – und die Herausforderungen, eine Kultur des Verzichtens zu entwickeln. Denn solange die Reichen nicht satt werden, werden die Armen hungern. Und so lange wird der Wahn des sinnlosen Konsumierens nicht zu stoppen sein.

Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Die biblische Überlieferung hat diesen grenz-überschreitenden Bezug. Sie weist darauf hin, dass das Leben eines Christenmenschen immer im ökumenischen Bezug steht – dass wir Geschwister in Ghana und Tansania, in Indien und Brasilien haben, in Polen und Portugal.

Ich will Sie ausdrücklich ermutigen, ökumenische Beziehungen und Partnerschaften zu pflegen und zu suchen: in Solidarität und Lernbereitschaft. Ja, in Bereitschaft zum gemeinsamen Lernen, wie das Leben auf diesem Planeten in Zukunft möglich sein kann.

Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Die Verheißung Jesu rückt die Zukunft in das Licht der Auferstehung. Sie ist kein dunkler Ort – es ist gut, ihr entgegen zu leben. Es ist gut, in ihrem Lichte das Leben in Liebe und Gerechtigkeit zu gestalten.

Als Vertreterinnen und Vertreter der Schulträgerinnen betrifft dies auch uns selbst elementar. In unserem Tun. In unserem Glauben, in dem wir leben und unseren Alltag in Schule und Familie annehmen.

So wünsche ich Ihnen persönlich in Ihrem Dienst den Segen Gottes und seinen befreienden Geist – der dort stärkt, wo die Verantwortung lastet, der dort aufbrechen lässt, wo die Dinge festgefahren scheinen und die Freude an dieser immer wieder verheißungsvollen Aufgabe stärkt, mit jungen Menschen das Leben und den Glauben zu lernen.

Amen.

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