Von Hoffnung leiten lassen

Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt ermutigt Landessynodale

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt
Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt© Susanne Hübner, Nordkirche

25. September 2020 von Carola Scherf

Schwerin/Lübeck-Travemünde. Seit etwas mehr als einem Jahr ist Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt im Amt. In ihrem ersten Bericht, den sie heute (25. September) als Landesbischöfin vor der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) in Travemünde gab, sprach sie über aktuelle Erfahrungen aus der Corona-Krise und den sich daraus ergebenen Lernprozessen für die zukünftige Entwicklung der Kirche. Dabei stellte sie neue Kontaktformen, breitere Möglichkeiten der Partizipation und andere Finanzierungsmodelle der Kirche in den Mittelpunkt ihres Berichtes.

Neue Chance für das Priestertum aller in einer Kultur der Digitalität

Kristina Kühnbaum-Schmidt ermutigte zu neuen Formen von Kirche und Gemeinde und des Kontaktes zu Kirchenmitgliedern wie Kirchenfernen. So habe sich in der Nordkirche die Teilnehmerzahl der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher während der coronabedingten Kontaktbeschränkungen um 374 Prozent erhöht - durch digitale Formate. „Ich sage es ganz klar: Digitalisierung bedeutet eine neue Chance für das Priestertum aller. Für eine breitere Beteiligung an der Kommunikation des Evangeliums. Sie bedeutet neue Kontaktmöglichkeiten zu Mitgliedern wie Kirchenfernen, zu Hochverbundenen wie Suchenden, und fördert eine breitere Beteiligung an der Leitung und Gestaltung unserer Kirche auf allen Ebenen“, so die Landesbischöfin.

Sie betonte: „Digitalisierung so umzusetzen, dass sie unsere Kommunikation befördert, dass sie unkomplizierte und schnelle Kontakte schafft, ist kein Zukunftsprojekt. Es ist ein Gegenwartsprojekt.“

Mitgliederorientierung und neue Finanzierungsmodelle für Kirche

Weiteren Handlungsbedarf benannte Kristina Kühnbaum-Schmidt in Bezug auf die Mitgliederentwicklung der Nordkirche. „Was viele Menschen von einer religiösen Begleitung ihres Lebens in einer christlichen Gemeinschaft erwarten, passt offenbar nur begrenzt zu dem, was sie bei uns finden und wahrnehmen. Insbesondere trifft das auf die 20- bis 35-Jährigen zu, und zunehmend auch auf die Gruppe der über 60-Jährigen“, so die Landesbischöfin. Sie ermutigte dazu, neben den bewährten Formen „neue Wege zu suchen, den Glauben zu teilen und Gemeinde zu sein“ und ebenso dazu, Mitgliederorientierung und Mitgliederbindung zu stärken.

„Auch unser derzeitiges Kirchensteuermodell ist nicht in Stein gemeißelt“, betonte sie. „Warum wird in der Debatte über die Kirchensteuer eigentlich über Kirchenmitglieder gesprochen anstatt mit ihnen? Warum fragen wir Kirchenmitglieder, Ausgetretene und uns Verbundene nicht einfach, beispielsweise mit Hilfe einer repräsentativen Umfrage, welche Formen von Finanzierung sie selbst langfristig unterstützen und praktizieren möchten?“, fragte die Landesbischöfin.

Sie machte deutlich: „Die gegenwärtigen religiösen Sehnsüchte der Menschen, ihre Suche nach Gemeinschaft und ihre konkreten ethischen Fragen werden wir noch besser verstehen müssen.“ Zugleich betonte sie die wichtige zivilgesellschaftliche Aufgabe der Kirche: „Deshalb ist es gut, wenn wir uns als Kirche, gemeinsam mit anderen Akteurinnen und Akteuren der Zivilgesellschaft, einsetzen für ein Lieferkettengesetz, für die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem zerstörten Lager in Moria, für die Bewahrung der Schöpfung.“

Weihnachten in der Nordkirche -  #Hoffnungsleuchten für Moria

Kristina Kühnbaum-Schmidt rief in Anlehnung an das Weihnachtsmotto der Nordkirche die Synodalen dazu auf, unter dem Hashtag #HoffnungsleuchtenfuerMoria ein Hoffnungszeichen aus Travemünde zu senden: „Weil das Leben von Flüchtlingen zählt. Weil Barmherzigkeit zählt. – Hashtag #HoffnungsleuchtenfuerMoria.“

Die Landesbischöfin sieht das diesjährige Weihnachtsfest, das unter Corona-Bedingungen vielerorts „draußen auf den Plätzen“ gefeiert werden wird, auch als Möglichkeit, neue Kontakte zu gesellschaftlichen Akteuren wie Vereinen, Initiativen, Museen und Kulturschaffenden zu knüpfen oder bestehende Kooperationen zu vertiefen. Allen, die jetzt kreativ für die diesjährige Advents- und Weihnachtszeit planen, sei sie dankbar für viele Ideen, für große Kreativität und dafür, „dass eine verheißungsvolle Stimmung sich ausbreitet: „Lasst euch überraschen, seid gespannt!“, sagte die Landesbischöfin.

„Was für eine Chance, wenn zu Weihnachten auch an Orten außerhalb unserer Kirchen und kirchlichen Räume die frohe Botschaft vom Mensch werdenden Gott weitergesagt wird. Wenn öffentlich sichtbar wird: Hier, genau an diesem Ort, kommt Gott zur Welt“, so die Landesbischöfin weiter.

Im Blick auf das Wirken von Kirche in der Welt, insbesondere im Verlauf der Corona-Krise, sagte Kristina Kühnbaum-Schmidt: „Wir waren da. Wir sind da. Engagiert und verlässlich. In der Seelsorge, mit Gottesdiensten und Andachten, im vielfältigen diakonischen Engagement, in der Pflege und mit Angeboten für Kinder und Jugendliche.“ Es habe aber auch Situationen gegeben, in denen Menschen einander Nähe und Begleitung schuldig geblieben seien. Die bevorstehenden kirchlichen Feiertage Buß- und Bettag, Volkstrauertag und Totensonntag böten Raum, Erfahrungen von Schuld, Reue und Trauer zu thematisieren und Vergebung und Trost zu erfahren. Auch Gedenkgottesdienste für Gestorbene, von denen Angehörige nur in sehr kleinem Kreis Abschied nehmen konnten, regte die Landesbischöfin für diese Zeit des Jahres an.

„Lasst uns Kirche an der Seite der Menschen sein - eine Kirche, die sich von Gottes Zukunft und deshalb von Hoffnung leiten lässt“, so die Landesbischöfin zum Ende ihres Berichtes.

 

Den Link zum Bericht von Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt finden Sie unter dem Menüpunkt „Texte“ auf ihrer Internetseite:

https://landesbischoefin-nordkirche.de

Aktuelle Informationen (Livestream, Fotos, „Update“-Ticker, Postings) finden Sie hier:

https://nordkirche.de/portal-der-landessynode

Hintergrund

Kristina Kühnbaum-Schmidt ist seit 2019 Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche). Sitz der Landesbischöfin ist Schwerin. Sie ist auch stellvertretende Leitende Bischöfin der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB).

 

 

 

 

 

 

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