12. April 2020, Ostersonntag | Schwerin

„Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“

12. April 2020 von Kristina Kühnbaum-Schmidt

Botschaft zu Ostern 2020 von Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt zu Mk 16,3

Wann kommt sie, die befreiende Nachricht? Wann kommt sie, die erlösende Botschaft, die verschlossene Türen wieder öffnet und die Arme füreinander wieder weit ausbreiten lässt? Wann wird verkündet, dass Ängste ihr Ende haben können? Wann kommt die befreiende Nachricht?

Die Sehnsucht nach Befreiung ist groß in diesen Tagen. Denn so viele Begrenzungen, so viele Verneinungen prägen unser Leben: Keine Gottesdienste in den Kirchen. Kein Familienbesuch. Kein Osterausflug. Kein Wiedersehen am Osterfeuer. Viele erzählen, wie sehr ihnen diese „Neins“ zu schaffen machen: Auf Kontakte und Nähe zu verzichten, geht an die Substanz. Die Angst, einen lieben Menschen zu verlieren, lässt die eigene Ohnmacht spüren. Die Angst vor Arbeitslosigkeit raubt den Schlaf. Die Angst, dass die Kräfte nicht reichen, lässt verstummen. Wann kommt sie, die befreiende Nachricht?

„Fürchtet euch nicht“, sagt der Engel am Ostermorgen den Frauen, die den toten Christus suchen. „Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier.“ (Mk 16,6) Diese befreiende Nachricht kommt am Ostermorgen: Eine neue Kraft ist in der Welt. Eine Kraft, die gegen alle Todesmächte das letzte Wort hat: Gottes unbeirrbare Liebe. Sie lässt uns aufatmen! Sie lässt uns hoffen! Sie verwandelt Tod in Leben. Ganz am Ende des Lebens und mitten im Leben. Gott sagt sein großes Ja zum Leben als öffentlich sichtbaren und hörbaren Widerspruch gegen das Nein des Todes.

Ostern ist ein Fest der Befreiung. Was an Ostern geschieht, befreit von der Macht des Todes zu einem neuen Leben aus Gottes Liebe. Unser Leben und Handeln kann sich neu ausrichten, sich an Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Gerechtigkeit orientieren. Und wir können füreinander zum Hoffnungszeichen werden.

Besonders dankbar bin ich in diesen Tagen all denen, die in ihrer täglichen Arbeit für andere Menschen trotz hoher Belastung täglich Hoffnungszeichen setzen: im Lebensmittelhandel, in Pflegeeinrichtungen und Seniorenheimen, in Kliniken, insbesondere auf den Intensivstationen.
Wir alle können täglich füreinander Hoffnungszeichen sein: verbunden und füreinander da sein, auch wenn wir nicht nebeneinander sitzen können. Singen und beten, auch wenn das jetzt nicht gemeinsam in unseren Kirchen möglich ist. Einsame trösten, mit Briefen, mit Anrufen, weil viele von uns Gemeinschaft vermissen. Und darum sollten wir auch jetzt Menschen bei uns aufnehmen, die vor Lebensbedrohung und Krieg flüchten. Wir erleben ja gerade selbst, wie dringend und notwendig Hilfe, Unterstützung und Rettung für die Schwächsten der Schwachen sind.

Wann kommt sie, die befreiende Nachricht?
Sie ist schon da. Mitten unter uns bricht sie sich Bahn: Gottes Liebe ist größer als unsere Angst und stärker als unser Tod. Das ist die befreiende Nachricht von Ostern. Sie lässt uns hoffend leben. Und wahrhaft menschlich, nämlich mitmenschlich sein. Ja, Christus ist auferstanden - er ist wahrhaftig auferstanden!
Ich wünsche Ihnen frohe und gesegnete Ostern!

 

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