Frieden in Europa

Dankbarkeit und Sorge: Beten für Versöhnung und Frieden in Europa

Im Wind wehende Europaflagge
© Pixabay/Greg Montani

07. Mai 2026 von Claudia Ebeling

Im Mai blicken wir dankbar auf die Gründung des Europarates und auch das Ende des Zweiten Weltkriegs. Doch: Frieden in Europa ist nicht mehr selbstverständlich und der Glaube an Europa als Friedensprojekt auch nicht. Für Frieden und Versöhnung müssen wir uns immer wieder einsetzen.

Während der Europawochen gibt es in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ein vielfältiges Programm.

Spätestens seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine fühlen sich die östlichen Nachbarn bedroht. Europakritische und auch europafeindliche Parteien gewinnen Wahlen. Umso wichtiger ist es auch heute, gemeinsame Netzwerke zu stärken und in Gebeten Kraft zu tanken.

Ein Gebet von Europareferentin Zanda Ohff

Nah dran an den Sorgen und Hoffnungen von Menschen in Europa ist Pastorin Zanda Ohff. Sie ist Europareferentin im Ökumenewerk der Nordkirche und für die Beziehungen zu Partnerkirchen in europäischen Ländern zuständig.

Zur diesjährigen Europawoche und dem Europatag am 9. Mai hat sie ihre Gedanken in einem Gebet zusammengefasst:

Wir bitten dich, Gott, für die verschiedenen Völker, die sich um Versöhnung und Verständigung untereinander bemühen, für alle Menschen, die hier ein Zuhause finden und das Europa mitprägen: Hilf uns, dass wir weiterhin umsichtig und großherzig das Europa gemeinsam zu einem Ort gestalten, an dem wir Menschlichkeit und Gerechtigkeit üben.

Wir danken dir, dass wir in diesem Land schon so lange im Frieden leben. Wir danken für die Freiheit und die vielfältigen Möglichkeiten, unsere Staaten und das eigene Leben zu gestalten. Vergib uns, wenn wir träge und selbstsüchtig werden und vergessen, dass dein Frieden die ganze Erde umspannen will. Stärke unseren Willen und Mut, dass wir die Verantwortung übernehmen und uns für einen gerechten Frieden weltweit einsetzen.

Wir bitten dich für Menschen, die keinen Frieden finden, und für die, die nicht im Frieden gelassen werden; für Menschen, deren Heimat zerstört wird, denen das Recht auf Selbstbestimmung gewährt wird, die zum Spielball der Meinungsmacher und zur Verhandlungsmasse politischer Machthaber werden:

Lass dein Licht über sie leuchten, dass sie erkennen, was sie vom Leben abhält; leite sie mit deiner Wahrheit, das sie Hoffnung auf ein Leben in Würde schöpfen und Mut finden, für ihre Rechte einzustehen. Hilf uns, den Zeug*innen der Ungerechtigkeit und der Zerstörung an so vielen Orten, den Opfer beizustehen, wie du es tust.

Bewahre das Gute, verändere das Unvollkommene, mache uns fähig, gerecht zu handeln und im Frieden zu leben. Amen.

Porträt von Europareferentin Zanda Ohff
Pastorin Zanda Ohff ist Europareferentin im Ökumenewerk der Nordkirche.© Ökumenewerk

Kirchen für Versöhnung und Frieden

Kirchen haben in Europa eine zentrale Rolle bei der Förderung und Bewahrung des Friedens gespielt. Nach den verheerenden Erfahrungen der beiden Weltkriege stellten sich viele Kirchen selbstkritisch die Frage, warum sie den Krieg nicht verhindern konnten, und entwickelten daraus eine neue Friedensethik.

"Kirchen sind Teil der Zivilgesellschaft"

"Unsere europäischen Verbindungen erinnern uns daran, dass Freiheit und demokratische Werte keine nationale Angelegenheit sind, sondern eine gemeinsame europäische Verantwortung", betonte auch Nora Steen, Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein, im Rahmen einer Diskussion in der Europa-Universität Flensburg.

Bischöfin Nora Steen: "Das Evangelium ruft uns dazu auf, Position zu beziehen"

"Meinungsfreiheit und Menschenwürde gehören eng zusammen. Jeder Mensch hat eine Stimme, jeder Mensch verdient es, gehört zu werden. Zugleich darf die Würde anderer nicht verletzt werden und bleibt unantastbar.“

Rückblick: Nach 1945 setzen sich Kirchen für Versöhnung ein

Kirchen engagierten sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs dafür, dass ehemals verfeindete Völker den Weg zur Versöhnung fanden. Dabei wurde immer betont, dass die Nachfolge Jesu mit der Beteiligung an Krieg unvereinbar sei.

Vor allem Geistliche der Kirche von England streckten ihre Hände zum Frieden aus. Im von deutschen Bombern zerstörten britischen Coventry nahm die Geschichte der Nagelkreuzgemeinschaft ihren Anfang.

Hintergrund: Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry (1/2)

Am 14. November 1940 flog die deutsche Luftwaffe des NS-Regimes nicht ihren ersten, aber den folgenreichsten Angriff auf die Stadt rund 150 Kilometer nordwestlich von London. Spreng- und Brandbomben töteten Hunderte Menschen, unzählige Wohnungen sowie die Industrieanlagen der Stadt wurden zerstört - und auch die mittelalterliche Kathedrale.

Dompropst Richard Howard rief in seiner darauffolgenden Weihnachtsbotschaft zur Versöhnung auf. Nicht Hass, sondern der gemeinsame Einsatz für den Frieden sollten die Zukunft prägen. Drei große Zimmermannsnägel aus dem Dachstuhl der zerstörten Kathedrale ließ er bergen und als Kreuz zusammensetzen. Das Versöhnungs- und Friedenszeichen Nagelkreuz war erschaffen.

Das Nagelkreuz im Baptisterium der Hauptkirche St. Nikolai in Hamburg.
Die Hamburger Hauptkirche St. Nikolai baute schon um 2000 Kontakte zur Nagelkreuzgemeinschaft in Coventry auf. Ein Nagelkreuz ist ihr anlässlich ihres 800jährigen Kirchjubiläums verliehen worden. „Die Verbindung zu Coventry ist für St. Nikolai verknüpft mit der eigenen Herkunft“, erklärt Hauptpastor Dr. Martin Vetter, „denn die Zerstörung von Alt-St. Nikolai im Zweiten Weltkrieg prägte maßgeblich das Geschick unserer heutigen Hauptkirchengemeinde.“© Katja Schormann, St. Nikolai

Mehr erfahren: Kirchen für Frieden in Europa

Hintergrund: In Europa verbunden

Die Nordkirche unterhält Partnerbeziehungen zu Kirchen in zehn europäischen Ländern. Unter ihnen sind die drei Diözesen Ely, Durham und Lichfield der Kirche von England, die Evangelisch-Augsburgische Kirche in Polen mit den Diözesen Wroclaw und Pomorski-Wielkopolska, die Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Estland, Lettland und Litauen sowie in Rumänien und Kasachstan, außerdem die Diözese Växjo der Kirche von Schweden sowie die Protestantische Kirche in den Niederlanden. Die Beziehungen werden vom Europareferat im Ökumenewerk der Nordkirche gepflegt und koordiniert.

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