Dankbarkeit und Sorge: Beten für Versöhnung und Frieden in Europa
07. Mai 2026
Im Mai blicken wir dankbar auf die Gründung des Europarates und auch das Ende des Zweiten Weltkriegs. Doch: Frieden in Europa ist nicht mehr selbstverständlich und der Glaube an Europa als Friedensprojekt auch nicht. Für Frieden und Versöhnung müssen wir uns immer wieder einsetzen.
Während der Europawochen gibt es in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ein vielfältiges Programm.
Spätestens seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine fühlen sich die östlichen Nachbarn bedroht. Europakritische und auch europafeindliche Parteien gewinnen Wahlen. Umso wichtiger ist es auch heute, gemeinsame Netzwerke zu stärken und in Gebeten Kraft zu tanken.
Ein Gebet von Europareferentin Zanda Ohff
Mehr erfahren über das Europareferat im Ökumenewerk der Nordkirche und alle europäischen Partnerbeziehungen
Nah dran an den Sorgen und Hoffnungen von Menschen in Europa ist Pastorin Zanda Ohff. Sie ist Europareferentin im Ökumenewerk der Nordkirche und für die Beziehungen zu Partnerkirchen in europäischen Ländern zuständig.
Zur diesjährigen Europawoche und dem Europatag am 9. Mai hat sie ihre Gedanken in einem Gebet zusammengefasst:
Wir bitten dich, Gott, für die verschiedenen Völker, die sich um Versöhnung und Verständigung untereinander bemühen, für alle Menschen, die hier ein Zuhause finden und das Europa mitprägen: Hilf uns, dass wir weiterhin umsichtig und großherzig das Europa gemeinsam zu einem Ort gestalten, an dem wir Menschlichkeit und Gerechtigkeit üben.
Wir danken dir, dass wir in diesem Land schon so lange im Frieden leben. Wir danken für die Freiheit und die vielfältigen Möglichkeiten, unsere Staaten und das eigene Leben zu gestalten. Vergib uns, wenn wir träge und selbstsüchtig werden und vergessen, dass dein Frieden die ganze Erde umspannen will. Stärke unseren Willen und Mut, dass wir die Verantwortung übernehmen und uns für einen gerechten Frieden weltweit einsetzen.
Wir bitten dich für Menschen, die keinen Frieden finden, und für die, die nicht im Frieden gelassen werden; für Menschen, deren Heimat zerstört wird, denen das Recht auf Selbstbestimmung gewährt wird, die zum Spielball der Meinungsmacher und zur Verhandlungsmasse politischer Machthaber werden:
Lass dein Licht über sie leuchten, dass sie erkennen, was sie vom Leben abhält; leite sie mit deiner Wahrheit, das sie Hoffnung auf ein Leben in Würde schöpfen und Mut finden, für ihre Rechte einzustehen. Hilf uns, den Zeug*innen der Ungerechtigkeit und der Zerstörung an so vielen Orten, den Opfer beizustehen, wie du es tust.
Bewahre das Gute, verändere das Unvollkommene, mache uns fähig, gerecht zu handeln und im Frieden zu leben. Amen.

Kirchen für Versöhnung und Frieden
Kirchen haben in Europa eine zentrale Rolle bei der Förderung und Bewahrung des Friedens gespielt. Nach den verheerenden Erfahrungen der beiden Weltkriege stellten sich viele Kirchen selbstkritisch die Frage, warum sie den Krieg nicht verhindern konnten, und entwickelten daraus eine neue Friedensethik.
"Kirchen sind Teil der Zivilgesellschaft"
"Unsere europäischen Verbindungen erinnern uns daran, dass Freiheit und demokratische Werte keine nationale Angelegenheit sind, sondern eine gemeinsame europäische Verantwortung", betonte auch Nora Steen, Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein, im Rahmen einer Diskussion in der Europa-Universität Flensburg.
Rückblick: Nach 1945 setzen sich Kirchen für Versöhnung ein
Kirchen engagierten sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs dafür, dass ehemals verfeindete Völker den Weg zur Versöhnung fanden. Dabei wurde immer betont, dass die Nachfolge Jesu mit der Beteiligung an Krieg unvereinbar sei.
Vor allem Geistliche der Kirche von England streckten ihre Hände zum Frieden aus. Im von deutschen Bombern zerstörten britischen Coventry nahm die Geschichte der Nagelkreuzgemeinschaft ihren Anfang.

Mehr erfahren: Kirchen für Frieden in Europa
- Aus dem Archiv: Fünf Hamburger Hauptkirchen sind Mitglied der Nagelkreuzgemeinschaft
- In der Charta Oecumenica setzen sich 127 europäische Kirchen, darunter auch die Nordkirche, für Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit und Toleranz ein.
- Ökumenische Netzwerke und Bündnisse, wie der Ökumenische Rat der Kirchen oder die Konferenz Europäischer Kirchen
