Rostock

18. September 2012 - Ansprache in der Andacht anlässlich der Enthüllung der Kreuze am Jakobi- und Elisabeth-Stift der Stadtmission Rostock

18. September 2012 von Andreas von Maltzahn

Liebe Schwestern und Brüder,

erinnern Sie sich noch an die Verhüllung des Reichstags? Verhüllungskünstler wie die Christos haben deutlich gemacht: Manchmal muss etwas verhüllt sein, um wieder deutlicher wahrgenommen zu werden. Ob das auch für das christliche Kreuz gilt?

Wir stehen hier unter einem großen Kreuz. Noch ist es verhüllt. Heutzutage verbinden Menschen ganz Unterschiedliches mit diesem Symbol. Für die einen ist es Schmuckstück, für andere Glücksbringer. Der Sprinter Usain Bolt küsst es vor jedem Start. Auf der anderen Seite sehen wir Kreuze an Straßenrändern – Zeichen der Erinnerung an tödliche Unfälle. Von Friedhöfen, aber auch Kirchturmspitzen sind uns Kreuze vertraut.

Von Mitarbeitenden der Rostocker Stadtmission weiß ich, dass Ihnen das Kreuz wichtig ist als Zeichen der Verbindung von Kirche und Diakonie. Ja, gemeinsam leben und arbeiten wir unter diesem Zeichen, sind auf je eigene Weise für Menschen da. Das Kreuz ist für Sie und uns Zeichen der Hoffnung – wer könnte ohne Hoffnung leben und den an manchen Tagen schweren Dienst gut verrichten? Das Kreuz ist eben nicht nur ein Zeichen des Todes, sondern vor allem ein Hoffnungs-, ein Lebenszeichen! Es steht für die Überwindung des Todes.

Erinnern wir uns: Jesus von Nazareth wurde von den Römern hingerichtet. Er starb am Kreuz. Seine Sache, seine Bewegung schien gescheitert zu sein. Seine Freunde waren geflohen und verzweifelt. Ende, aus, vorbei. Es schien ein großer Irrtum, auf Veränderung durch Liebe zu setzen und nicht auf Macht und Gewalt. Das Imperium hatte diese Hoffnung im Keim erstickt.

Doch dann die überraschende Wendung: Menschen machen Erfahrungen mit Christus, die voller Leben sind. Zuerst erleben es die Frauen: Der Tod hat nicht das letzte Wort behalten. Gott hat Christus neues Leben geschenkt. In der Folge werden aus verschüchterten Jüngern Menschen, die mutig die Botschaft Jesu in die Öffentlichkeit tragen und sich auch nicht durch Gefängnis und Verfolgung davon abbringen lassen. Wie Jesus führen sie ein Leben der Hingabe. Am Schicksal Jesu, an seinem Sterben und an seiner Auferweckung haben sie erkannt: Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes – nicht einmal der Tod.

Was für eine Botschaft! Wenn wir das verinnerlichen können: „Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes“! Auch nicht unser Sterben. Gottes Liebe lässt uns nicht fallen. Sie weiß einen Weg für uns durch den Tod hindurch – einen Weg, der Leben bedeutet; einen Weg, der uns die Gegenwart Gottes erleben lässt – auf welche Weise auch immer. Darum ist das christliche Kreuz auch und vor allem ein Lebenszeichen. Manche Künstler des Mittelalters haben darum das Kreuz als Lebensbaum gestaltet: Aus ihren Kreuzen ließen sie Blätter und Früchte herauswachsen. 

Symbol der Hoffnung auf Gott soll uns das Kreuz sein – der Hoffnung und des Lebens, das Gott schenkt. Zugleich weiß ich, dass das Kreuz für Sie, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtmission, ein Bekenntnis zur Orientierung am christlichen Menschenbild ist. Sich so zu orientieren heißt ja, zu versuchen, Menschen zu sehen, wie Jesus sie gesehen hat – als etwas unendlich Kostbares. Nicht nur in der Blüte ihres Lebens, auf der Höhe ihrer Schaffenskraft, sondern auch in Schwachheit und Gebrechlichkeit. Gerade wie Jesus sich den Menschen am Rande, den Außenseitern seiner Zeit zuwandte, verdeutlicht: Leistung ist vor Gott nicht entscheidend. Der Schwache, die Gescheiterte ist nicht weniger Mensch als der Erfolgreiche. Etwas von Gott ist in jedem von uns. Darum sind wir wertvoll. Darum sollen alle Fragen in uns verstummen, ob wir denn zu etwas nütze sind, ob wir noch gebraucht werden. Für Gott sind wir wichtig und kostbar. Unsere Würde, die wir von Gott empfangen haben, ist leistungsunabhängig. Darum muss sich die Menschlichkeit einer Gesellschaft auch daran messen lassen, wie sie mit ihren Pflegebedürftigen umgeht. Ich sage dies bewusst auch in die Richtung derer, die für Bemessung der Pflegesätze verantwortlich sind.

Wenn wir diesen Gedanken weiter verfolgen, zeigt sich: Das christliche Kreuz ist ein anstößiges, ein kritisches Zeichen: Es kritisiert eine Gesellschaft, die nur Leistungsträger und Sieger gelten lassen möchte. Das Kreuz steht ein für die Schwachen, für Kranke, Alte, Menschen mit Behinderungen – für alle, die verdrängt oder sozial „entsorgt“ werden sollen. Sie, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, können sich mit dem Blick auf das Kreuz gestärkt wissen: Der Dienst, den sie tun, ist im Sinne Gottes. Ich könnte auch sagen: Der Dienst, den Sie tun, ist Gottes-Dienst. Das Kreuz stärkt Ihnen den Rücken. Denn dieses Symbol steht auch dafür, dass Leiden nicht verdrängt werden darf. Natürlich, es soll gelindert, wo möglich auch vermieden werden. Und doch gehört Leiden zum Leben dazu.

Jesus selbst ist dem Leiden nicht ausgewichen. Er hat Ablehnung und Nichtachtung erduldet, hat Schmerzen erlitten, hat ein Kreuz getragen schon vor dem Kreuz – und hat doch den Weg der Hingabe nicht verlassen. Er macht uns Mut, unseren Weg der Hingabe zu gehen – ob im Beruf oder in unserem persönlichen Leben. Denn in der Hingabe erfüllt sich unser Leben. Das Gute ist: Wenn es schwer wird im Leben, wenn wir angesichts der Probleme verzagen, dann müssen wir nicht allein daran tragen. Gott selbst hat sich in Jesus Christus eingelassen auf Not und Elend seiner Menschen. Er versteht, wie es uns geht. Er ist die Kraft, die uns leben lässt. Auch für all dies steht Jesu Kreuz.

Wir werden nun gleich das Kreuz hier enthüllen. Möge es allen, die hier leben und arbeiten, aber auch allen, die es sehen, ein Hoffnungs- und Lebenszeichen sein – ein Zeichen der Hoffnung auf Gott, der uns beisteht und Leben eröffnet. Nichts kann uns von seiner Liebe trennen.

Amen.  

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