Ein Hoffnungsort mit Geschichte

50 Jahre Beratungs- und Seelsorgezentrum an St. Petri

Bei privaten Problemen wie Einsamkeit oder Ehekrise wird Beratungs.und Seelsorgezentrum geholfen (Symbolbild).
Bei privaten Problemen wie Einsamkeit oder Ehekrise wird Beratungs.und Seelsorgezentrum geholfen (Symbolbild).© Dima Pechurin, unsplash

18. Februar 2020 von Marieke Lohse

Einsamkeit, Ehekrise, Burn-out - seit 50 Jahren kommen Menschen mit Problemen in das Beratungs- und Seelsorgezentrum an der Hamburger City-Hauptkirche St. Petri. 150 Ehrenamtliche helfen ihnen und haben ein offenes Ohr für Gespräche.

Seit 50 Jahren ist es eine Institution in der Hamburger Innenstadt: das Beratungs- und Seelsorgezentrum (BSZ) an der Hauptkirche St. Petri (Mönckebergstraße). Ein solch breit aufgestelltes Beratungs- und Gesprächsangebot mitten in der City sei einzigartig in Deutschland, sagt Matthias Schmidt, Psychologe am BSZ und kommissarischer Leiter der Einrichtung. Das liege auch an dem hohen Engagement der 150 Ehrenamtlichen. Alle Gespräche sind vertraulich und kostenlos. Im April übernimmt Krischan Heinemann aus Kassel als neuer St. Petri-Gemeindepastor die Leitung.

Hohes Engagement der 150 Ehrenamtlichen

Das BSZ bietet niedrigschwellig Gespräche für alle Menschen an, die Unterstützung im Alltag benötigen. Rund 6.000 Gespräche sind es pro Jahr. Die Ehrenamtlichen werden, bevor sie ihren Dienst antreten, intensiv und professionell ein Jahr lang geschult. Zu den ehrenamtlichen Diensten gehören Gesprächsangebote und regelmäßige Supervisionen.

Die St. Petrikirche liegt im Stadtzentrum von Hamburg.
© dedi - Fotolia

Nach der Eröffnung 1970 befand sich das Beratungszentrum jahrzehntelang im alten Gemeindesaal neben der Hauptkirche. Gespräche fanden hier an Tischen statt, abgetrennt durch einen Paravent, um die Privatsphäre der Beratenden und Klienten zu wahren. Schmidt hat das alte BSZ noch kennengelernt, als er 1988 das erste Mal als Praktikant vor Ort war. Seit 2009 ist es in einem Neubau neben der Petrikirche untergebracht. "Der neue Bau passt hier mehr zu unseren Bedürfnissen", sagt Schmidt. "Modern und offen." Die Gespräche finden jetzt in geschlossenen Räumen statt.

Offene, professionelle Gesprächssituation

"Unser Konzept ist das Einmalgespräch", sagt Schmidt. In der Regel kommen Besucher, weil sie akuten Gesprächsbedarf haben. Allerdings gebe es auch eine Handvoll Menschen, die das BSZ seit Jahren immer wieder aufsuchen. Für einige sei das wie der regelmäßige Gang zum Arzt, so Schmidt. Das liege vor allem an der offenen Gesprächssituation - professionell, aber ohne Helfer-Klischee. Das Angebot sei eine Einladung: "Es muss nicht jedes Thema gleich therapiewürdig sein." Es gehe nicht um Erfolgserlebnisse, die erreicht werden müssen.

Zuhören im Alltag, darum geht es den Mitarbeitern im BSZ. "Wir sind Hoffnungsort, aber keine Anlaufstelle für Menschen, die soziale Probleme haben", so Schmidt. Das Gespräch könne der erste Schritt einer Krisenbewältigung sein. Dabei können sich Lösungen ergeben - am Ende muss sich aber nicht zwingend etwas gelöst haben. Schmidt ist dabei wichtig: "Die Menschen wissen, dass sie hier alles lassen können."

Trostbuch zum Jubiläum

Zum runden Geburtstag erscheint am Jubiläumstag (22. Februar) ein "Trostbuch". Es ist eine Sammlung 50 anonym verfasster Texte von Mitarbeitern des BSZ. Zwölf Illustratoren haben die Geschichten grafisch gestaltet. Außerdem gibt es vom 22. bis 28. Februar eine Jubiläumswoche mit prominenten Gästen. Auftakt ist am Sonnabend eine Jubiläumsfeier mit Bischöfin Kirsten Fehrs. Außerdem ist ein Programm mit Konzerten und Vorträgen, unter anderem vom Psychologen Friedemann Schulz von Thun, geplant.

Jubiläumswoche

Eröffnungsfeier am Sonnabend (22. Februar): Kerstin Lammer, Leiterin des Hauptbereichs Seelsorge der Nordkirche, spricht um 19 Uhr über das Thema "Wie Seelsorge wirkt". Mit Grußworten von Bischöfin Kirsten Fehrs soll an diesem Abend die Veranstaltungsreihe feierlich eröffnet werden.

Der Festgottesdienst am Sonntag (23. Februar, 10 Uhr) wird von St. Petri-Hauptpastor Jens-Martin Kruse und von Mitarbeitern des BSZ gestaltet. Prominenter Gast am Mittwoch (26. Februar, 20 Uhr) wird der Psychologe Friedemann Schulz von Thun mit einem Vortrag über "Seelsorge heute" sein. Die Aktionswoche endet am Freitag (28. Februar, 20 Uhr) mit einem Benefizkonzert der Elbtonal-Percussions.

Programm (PDF)

Info

Erhältlich ist das "Trostbuch" an allen Veranstaltungsabenden der Jubiläumswoche (22. bis 28. Februar) und danach im Shop von St. Petri. Das Buch kostet regulär 12,90 Euro oder 20 Euro Benefizpreis.

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