Digitale Kirche

Alexa, wo ist denn der nächste Gottesdienst?

Sprach-Assistent der Marke Alexa
Sprach-Assistent der Marke Alexa

05. Mai 2020 von Lena Modrow, Doreen Gliemann

Sprachbasierte Suche und digitale Sprachassistenten werden im Alltag immer wichtiger. Was bedeutet das für Kirchen? Ein Überblick.

Sie heißen Siri, Cortana oder Alexa – oder auch nur ganz schlicht „Google Assistant“. Die Rede ist von Sprachassistenten, die Einzug halten in unser Privatleben - sei es als Anwendung auf dem Smartphone oder als kleine Box, sogenannte „Smart Speaker“, im Wohnzimmer. Sie erlauben es uns, Anfragen laut auszusprechen, anstatt sie mühsam in ein Suchfeld eingeben zu müssen. Die Geräte analysieren die Anfragen, suchen nach Schlüsselwörtern und versuchen Antworten zu geben – je nach Gerät ist das in 50 bis 80 Prozent auch erfolgreich, wie eine Statistik der Digitalagentur Stone Temple zeigt.

Antwortet der Sprachassistent auf Glaubensfragen?

„Siri, wo wohnt Gott?“ – auch diese Frage kann man einem Sprachassistenten stellen. Und die Software von Apple mit der freundlichen Service-Stimme versucht sich sogar an einer Antwort: „Das Thema heben wir besser für einen anderen Tag auf… und für einen anderen Assistenten.“ Natürlich kann ein Sprachassistent auf so eine Frage keine hinreichende Antwort geben, wenn nicht mal ein Mensch darauf eine eindeutige Antwort zu geben vermag. Doch dass Siri überhaupt mehr sagt als „Die Frage habe ich nicht verstanden“ zeigt, dass diese Frage schon öfter gestellt wurde; dass Menschen auch einem digitalen Sprachassistenten mit Glaubensfragen anvertrauen.

Frage an Siri: "Wo wohnt Gott?"
Frage an Siri: "Wo wohnt Gott?"

2021 soll jede zweite Suchanfrage sprachbasiert sein

Statistisch ist zunächst einmal festzustellen: Tatsächlich wird die Suche über Sprachassistenten im Alltag der Menschen allgemein immer wichtiger. Schon 2019 nutzen laut dem Marktforscher Kantar TNS in Deutschland mehr als 55 Prozent eine entsprechende Software. Schon im Jahr 2021 soll sogar jede zweite Suchanfrage sprachbasiert sein – gerade in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen ist die Technologie zunehmend beliebter.

Vorteile von Voice Search

Die Vorteile dafür liegen auf der Hand – oder eben gerade nicht: Wer Sprachassistenten eine Frage stellt, hat seine Hände frei – und kann sich anderen Aufgaben widmen; Autofahren, Spazierengehen oder Kochen zum Beispiel. Wer eine Anfrage sprachbasiert tätigt, ist zudem wesentlich schneller als beim Eintippen über ein Display. Denn ein Mensch kann pro Minute etwa 40 Wörter tippen, aber 150 sprechen. Wenn die Interaktion zwischen Mensch und Assistent funktioniert, hat die sprachbasierte Suche sogar noch einen Vorteil: Sie wird interaktiv, nähert sich einem menschlichen Gespräch an. Ein Grund mehr, warum „Voice Search“ immer beliebter wird.

Wie können kirchliche Angebote gefunden werden?

Kommen wir zurück zu den Fragen: Zu einem großen Teil wird die sprachbasierte Suche für Online-Recherche und Kartennavigation genutzt – hier kommen dann auch die Kirchen ins Spiel. Und zwar mit der Frage: Wie kann man es schaffen, das kirchliche Angebote auch über sprachbasierte Suche gefunden werden? Diese funktioniert schließlich etwas anders als die „klassische“ über die Texteingabe.

Andere Suche – andere Sprache

Denn: Bei der herkömmlichen Suche werden in der Regel der Kürze halber nur Stichworte eingegeben. Wer hingegen eine Anfrage an einen Sprachassistenten stellt, spricht normalerweise in ganzen Sätzen und formuliert Fragen; die Suche ist also der gesprochenen Sprache nicht nur hinsichtlich des Satzbaus, sondern auch im Blick auf die Wortwahl sehr viel ähnlicher. Daher sollten zum Beispiel Website-Inhalte auch auf Voice Search abgestimmt werden, damit sie für die Nutzer der sprachbasierten Suche auch in Zukunft auffindbar sind. Es handelt sich hierbei also um eine neue Form der Suchmaschinenoptimierung. Heißt kurz gesagt: Will man, dass zum Beispiel der Google Assistant eine Frage wie „Was ist Taufe?“ beantworten kann, sollte dafür gesorgt werden, dass es diese Frage zum Beispiel auf der eigenen Website gibt – und zwar gut lesbar für Suchmaschinen und für Nutzer.

Neue Antworten für die Sprachassistenten

Es ist möglich, den Sprachassistenten, die zum Beispiel Google als Grundlage für ihre Antworten nutzen (wie der Google Assistant und zum Teil auch Siri), Antworten „beizubringen“. Stellt man einem der Sprachassistenten die Frage: „Wann wurde die Nordkirche gegründet?“, so haben die meisten schon eine Antwort; sie sagen ganz präzise „27. Mai 2012“. Der Google Assistent und Siri nutzen dafür zum Beispiel Daten aus Wikipedia. Bei einer Frage wie „Wer ist die Landesbischöfin der Nordkirche?“ verweisen beide aber auf die Website nordkirche.de, auf der die passende Antwort zu finden ist. Was ist also zu tun, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Sprachassistenten die passende Antwort in den eigenen Angeboten, wie etwa der Website, finden?

„Häufige Fragen“-Seite einrichten

Eine gute Maßnahme dafür ist, einen FAQ-Bereich (Frequently Asked Questions) auf der Website einzurichten, in dem häufig gestellte Fragen beantwortet werden. Denn die werden laut einer Statistik von Backlinko 1,7mal häufiger bei sprachbasierten Suchen ausgegeben als reine Textwebseiten. Ein Beispiel dafür ist unter anderem auf nordkirche.de zu finden. Folgendes ist bei der Erstellung zu beachten:

  • Fragen hervorheben: Damit die Suchmaschine erkennt, dass hier eine Antwort auf eine Frage gegeben wird, sollten Fragen mit den passenden Schlüsselwörtern (Keywords) als Überschriften gekennzeichnet und Fragewörter (wer, wie, wann, wo, usw.) sein. So erkennt auch die Suchmaschine, dass hier eine Frage beantwortet wird.
  • Natürliche Sprache: Da die Fragen von Nutzern in alltäglicher, „natürlicher“ Sprache und in ganzen (Frage-)Sätzen gestellt werden, sollten sich die Texte im FAQ-Bereich auch daran orientieren. Das bedeutet: keine zu langen Wörter und Sätze verwenden. Die Sprache sollte sich am „mittleren Leselevel“ orientieren. Dies ist generell auf Webseiten zu empfehlen, denn: Je verständlicher und lesefreundlicher Seiten sind, desto lieber halten sich Nutzer auf ihnen auf und desto höher bzw. besser werden sie von Suchmaschinen eingestuft.
  • Kurze Antworten: Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass vor allem Google eine Antwort zu einer entsprechenden Frage auswählt, steigt, wenn die Antwort weniger als 30 Wörter lang ist.
  • Anbindung zu weiteren Inhalten: Die Antworten des FAQs sollten nach Möglichkeit gerade wegen ihrer Kürze noch auf weitere interne, aber auch externe Inhalte als Link verweisen, da viele Links einen positiven Effekt auf die Auswahl der Suchmaschine bewirken.

Was interessiert Nutzer wirklich?

Bei der Erstellung eines solchen Bereichs ist auch kritisch zu hinterfragen: Was wollen die Nutzer eigentlich wirklich wissen? Viele Aspekte, zu denen es Fragen gibt, tauchen auf kirchlichen Websites offenbar bisher noch nicht auf. Das zeigt sich zum Beispiel beim Thema Gottesdienst. Fragt man das Online-Tool „Answer the public“, das Anfragen zu bestimmten Stichwörtern in Suchmaschinen auswertet, tauchen dort Fragen auf wie „Darf ich im Gottesdienst klatschen?“ oder „Wie läuft ein Gottesdienst ab?“ – sehr basale Anfragen also. Die Sprachassistenten allerdings greifen bei den Antworten zu derlei Fragen derzeit noch vor allem auf außerkirchliche Portale zurück, wie zum Beispiel gutefrage.net  – entweder weil solche Antworten auf Seiten kirchlicher Anbieter gar nicht auftauchen oder sie von den Suchmaschinen nicht gefunden werden. Da lohnt es sich, bestehende Inhalte auch noch mal suchmaschinenorientiert zu überarbeiten.

Ask the Public zum Stichwort Gottesdienst

Und wo finde ich die nächste Kirche?

Wie schon zuvor erwähnt: Nicht nur für Online-Recherche, auch für die Kartennavigation wird die sprachbasierte Suche zunehmend genutzt. Übertragen in den kirchlichen Bereich heißt das: Wo ist die nächste Kirche; das Gemeindebüro; das Chorkonzert, zu dem ich unbedingt hin will?

An dieser Stelle spielen zwar auch Textinhalte auf Webseiten eine Rolle, aber vor allem korrekt ausgezeichnete Datenbank-Inhalte.

Suchmaschinen wollen ausgezeichnete Daten

Geht die Frage „Wo ist die Kirche St. Petri?“ mit dem Gerätestandort Hamburg an Siri und den Google Assistant, geben beide die Adresse der entsprechenden Hauptkirche aus. Siri, der unter anderem mit Bing arbeitet, und der Google Assistent, der – natürlich – auf der Suchmaschine Google basiert, hat zu St. Petri schon strukturierte Daten vorliegen, wie eine Abfrage über die beiden am Desktop-Computer zeigt: In dieser Darstellung werden auf der rechten Seite hervorgehobene Zusammenfassungen zu St. Petri angeführt; Daten, wie Adresse, Höhe des Turms, Baustil der Kirche und Öffnungszeiten. Damit eine Suchmaschine solche Informationen ausgeben kann, müssen sie entsprechend strukturiert, d.h. mit Metainformation ausgezeichnet, in einer Datenbank liegen. In der Adress- und Veranstaltungsdatenbank von nordkirche.de ist das schon der Fall, deshalb können die Suchmaschinen an dieser Stelle die Daten zu St. Petri so ausgeben.

Strukturierte Informationen über Kirchen in Google My Business und Co.

Für das Klassifizieren oder Auszeichnen dieser Daten haben unter anderem die Firmen Google, Microsoft, Yandex und Yahoo mit „Schema.org“ ein einheitliches Schema entwickelt, mit dem Objekte wie Kirchgebäuden bestimmte, einheitliche Attribute zugeordnet werden können, wie eben zum Beispiel das Baujahr oder die Öffnungszeiten. Durch die Einheitlichkeit ist gewährleistet, dass die unterschiedlichen Suchmaschinen diese Daten auch lesen und bei der Abfrage ausgeben können.

Neben den Datenbanken spielen aber auch die suchmaschineneigenen Adress-Dienste Google My Business und Bing Places, die wie die „Gelben Seiten“ Branchen-Adressen im Netz anbieten, eine Rolle. Auch kirchliche Institutionen können sich dort anmelden und ihre Daten korrekt eintragen, sodass sie bei der nächsten Suche gefunden werden.

Die EKD baut an digitalen Kirchtürmen

Da solche Einträge für die Sichtbarkeit im Netz stark an Bedeutung zunehmen, hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) deshalb das Projekt „Digitale Kirchtürme“ ins Leben gerufen, damit die Standort- und Kontaktdaten der angeschlossenen Institutionen bis hin zu den Kirchengemeinden auch korrekt, einheitlich und vollständig und in den Suchergebnissen erscheinen.

Was passiert um die Kirche herum im Netzwerk?

Aber zum Beispiel Kirchengemeinden können auch selbst den Prozess unterstützen und besser auffindbar werden, indem sie neben Einträgen in Google My Business oder Bing Places einmal überprüfen, was um sie herum in den Netzwerken geschieht: Könnte man die Infos im Wikipedia-Artikel über die eigene Kirche noch sinnvoll ergänzen? Hätte es einen Nutzen, im Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de vertreten zu sein? Gibt es einen Eintrag auf der Reise-Plattform Trip Advisor? Das könnte hilfreich sein, da Kirchen häufig eine beliebte Touristenattraktion ist, nach denen auch Menschen außerhalb der Gemeinde suchen.

Und was findet Alexa?

Dass Alexa, der Sprachassistent von Amazon, auch derlei Informationen ausgibt, ist noch nicht ganz so einfach. Im Gegensatz zu Siri, Google Assistent oder Cortana ist bei Alexa nicht ganz klar, auf welche Informationsquelle dieser Sprachassistent genau zurückgreift. Denn ursprünglich war Alexa nur darauf ausgelegt, sprachgesteuerte Bestellungen an Amazon entgegenzunehmen. Da Nutzer aber immer mehr Funktionen verlangten, bot Amazon Drittanbietern die Möglichkeit an, sogenannte „Skills“ (Fähigkeiten) zu programmieren und über Alexa zu veröffentlichen.

Vorreiter in Sachen Alexa im kirchlichen Bereich ist die Church of England, die in ihrem Alexa Skill, ebenso wie für das Smart-Speaker-Pendant „Google Home“, gleich mehrere Funktionen anbietet: Tagesgebete, Informationen zu Glaubensthemen sowie kirchlichen Veranstaltungen vor Ort.

Nordkirche Alexa Skill: Wo ist der nächste Gottesdienst?

Seit Januar 2020 ist auch ein Nordkirche Alexa Skill online. Ist er aktiviert, können Nutzerinnen ihm die Frage nach dem nächsten Gottesdienst in seiner Nähe stellen. Auch das funktioniert nur aufgrund einer Anbindung an die Nordkirche-Veranstaltungsdatenbank: Wenn Alexa die Nutzer-Anfrage erhält, wird zunächst einmal geprüft, wo sich das Gerät befindet, um dann über eine Datenbank-Anfrage die beiden zum Standort zeitlich und räumlich nahsten Gottesdienste auszugeben.

Wenn die Nutzeranfragen kompliziert sind…

Dies lässt sich natürlich auch noch für weitere „Intents“, also Nutzerabsichten, ausbauen. Doch das ist komplizierter, als es zunächst klingt. Denn stellt ein Nutzer eine Frage, wie zum Beispiel „Wann beginnt der Gottesdienst zu Ostermontag in Kiel?“ muss Alexa über so viel „Datenbankwissen“ verfügen, dass sie unter anderem erkennen kann, was für ein Datum in jenem Jahr Ostermontag ist und dass es für den Ort so viele Treffer gibt, dass dort der Nutzer in diesem Punkt vielleicht seine Anfrage noch einmal spezifizieren sollte. Die Frage: „Wo wohnt Gott?“ wäre in dieser Hinsicht einfacher zu beantworten. Also technisch zumindest.

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