1. September 2022 | Hauptkirche St. Michaelis, Hamburg

Predigt zum Azubi-Gottesdienst

01. September 2022 von Kirsten Fehrs

Predigt von Bischöfin Kirsten Fehrs zu Matthäus, 5

Sehr geehrter Herr Senator Rabe,

mit einem herzlichen Dank für die Rede und das Salz der Nordsee, das trägt!

Liebe Ausbilder:innen, liebe Eltern und Freund:innen,

vor allem aber: liebe Auszubildende in allen Startlöchern,

„Du bist das Salz der Erde“ das war doch eben wirklich ein wunderbar „gesalzener“ Song, oder? Und eure Worte erst, liebe Azubis – großartig. Ich finde diese Gottesdienste zu Beginn der Ausbildung ja deshalb immer so berührend, weil ihr sagt, wie es ist. Geradeheraus. Mit Schmackes, wenn man so will.

Und zugleich mit der Suche danach, nicht nur für euch selbst die neue Würze des Lebens – hier also des Ausbildungslebens – zu schmecken. Sondern auch für andere da zu sein. Gutes zu tun. Oder mit einem anderen Wort gesagt: ein Segen für andere zu werden. So gern geben wir euch heute dafür Gottes Segen mit! Dass ihr stark bleibt und eure Kraft behaltet und eure Lust zu lernen und eure Herzlichkeit.

Denn herausfordernd ist die Veränderung jetzt als Azubi ja auch. Pünktlichkeit und Eigenverantwortung, Kreativität und Neugierde, Leidenschaft und Zuverlässigkeit – von euch wird viel gefordert. Aber ihr bringt auch schon so viel mit! Beeindruckend feinfühlig habt ihr es eben selbst beschrieben: Wie viel ihr schon erlebt habt in eurem jungen Leben, wie ihr an Herausforderungen gewachsen seid und nicht aufgegeben habt, wenn es mühsam wurde.

Ihr wollt was und bringt was mit: den Wunsch etwa, Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und etwas zurückzugeben. Wie toll ist das denn? Ihr wollt die Gesellschaft mit eurem Können und euren Ideen mitgestalten. Man spürt: Ihr freut euch auf das, was da kommt, auf die Menschen, mit denen ihr arbeiten werdet. Ihr habt Lust darauf, einen richtig guten Job zu machen und das am liebsten im Team mit den Kolleg:innen zusammen. Heißt also: Ihr seid das Salz der Erde, aber so was von.

„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.“ So hat Jesus in seiner Bergpredigt Tausenden von Menschen Mut gemacht. Jesus konnte das, starke Worte in ein starkes Bild kleiden. Denn Salz – das war früher weißes Gold, sagenhaft wertvoll.

Mancher Adelige und Geschäftsmann hat sich im Mittelalter mit dem Salzhandel tatsächlich eine goldene Nase verdient. Denn Salz ist für uns Menschen ganz und gar lebensnotwendig. Ohne Salz kein stabiler Kreislauf. Wer von euch Sport macht, weiß das nur zu genau! Ich sage nur: Wer rennt, läuft, Gewichte hebt, körperlich arbeitet, der braucht Salznachschub. Und außerdem: Essen ohne Salz? Wie fade. Und wie faszinierend, wie man ein Gericht mit nur ein paar Krümeln Salz zum Leuchten bringt. Ohne Salz nützt das beste Brot, die beste Suppe dem Gaumen nichts.

Salz ist also nichts weniger als kostbares Lebenselixier und dazu schwer zu gewinnen. Der Begriff Salär spricht diese Sprache des mühselig Verdienten. Salär, also Lohn, von dem ihr eben auch schon sagtet, dass ein bisschen mehr davon gar nicht schaden würde. „Ihr seid Salz!“ dies Wort Jesu ist also viel mehr als eine Prise Anerkennung. Es ist die totale hingebungsvolle Liebeserklärung Jesu an jeden Menschen, gleich woher er kommt und wohin er geht. Und eine Vertrauenserklärung. Ihr seid Salz heißt: Ihr habt das Zeug dazu, die Erde zu einem Ort guten Lebens zu gestalten! Ihr seid ausgestattet mit wunderbaren Fähigkeiten, mit Klugheit und Zukunftswillen, mit Visionen und Kraft. Durch euch kann wachsen, worauf es wirklich ankommt: Die Liebe. Sinn und Freiheit. Und Frieden, der doch jetzt besonders.

Darum: raus mit euren Gaben. Salzt, was das Zeug hält. Und leuchtet! Das Licht der Welt seid ihr nämlich auch. So geht es in der Bergpredigt weiter. „Ihr seid das Licht der Welt. Und man zündet ja kein Licht an und stellt es unter den Scheffel.“ Das meint: unter einen Eimer. Nein, man stellt es in die Mitte des Hauses auf einen Tisch, so dass man‘s noch kilometerweit strahlen sieht! Also: rauf mit all euren Talenten auf den Leuchter, damit die Welt eine bessere, menschlichere wird. Ihr seid das Licht der Welt. Ihr seid das Salz der Erde. Nichts weniger. Und eure Salzworte eben haben gezeigt: Ihr wisst genau auch um das kostbare Salz, das euch umgibt. Zum Beispiel in euren Ausbilder:innen, die euch mit ihrem Wissen bereichern. Von Herzen sage ich Ihnen Dank dafür!

Ihr wisst um das Salz in euren Mitmenschen und in der Gemeinschaft in euren Betrieben. Man spürt auch eure Dankbarkeit, die ihr für den neuen Ausbildungsplatz empfindet. Doch noch wichtiger ist: Euch ist bewusst, dass ihr das Salz eurer Ausbildung seid. Wie hat es Mehmet alias Elwin so treffend gesagt? „Für mich bin ich selber das Salz in meiner Ausbildung. Ich möchte mit meiner Arbeit den Menschen helfen und Ihnen Gutes tun. Ich nehme die Herausforderung jeden Tag neu an, den Menschen zu helfen, um ihnen das Leben ein wenig einfacher zu gestalten.“ Ohne euch läuft der Laden nicht, salopp gesagt.

Wie viele Betriebe sind deshalb auch verzweifelt, weil ihnen Auszubildende fehlen! Mehr als ein Drittel aller Betriebe konnte 2021 nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen – so viele wie noch nie. Corona spielt da natürlich eine große Rolle. Denn die Berufsberater:innen der Arbeitsagenturen kamen nicht in die Schulen, Ausbildungsmessen und Betriebspraktika musste abgesagt werden, und also blieben die Jugendlichen ziemlich orientierungslos, welcher Beruf für sie passen könnte. Die Betriebe kämpfen echt, bis heute. Ihr seid tatsächlich das Salz der Ausbildung, mit all euren Fähigkeiten und eurer Energie, mit euren Fragen und eurer Hilfsbereitschaft.

So gebraucht zu werden, das klingt jetzt in aller Wertschätzung ziemlich prima. Aber natürlich – nur einfach ist nichts. Das erleben wir besonders in diesen Krisenzeiten. Streit, Mobbing und soziale Spannungen machen auch vor Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen nicht halt. Und dass man überhaupt ein bisschen unsicher ist, jetzt am Anfang der Ausbildung, wie das Ganze werden wird, ist ja auch klar. Diese Momente, wo man einfach nicht genau weiß, ob man sich wirklich richtig entschieden hat, ob einen die Leute im Betrieb mögen (und der Ausbilder einen lobt), ob man packt, was man sich vorgenommen hat – das alles beschäftigt einen ja. Umso wichtiger ist es, sich solche Mutworte wie aus der Bergpredigt ganz unbedingt zu Herzen zu nehmen. Als Kraftquelle. Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt. Wow! Seit zwei Jahrtausenden haben die Worte Jesu dort auf dem Berg den Menschen Halt und Zuversicht gegeben. So klar und auch provozierend waren diese Worte, dass man sie belacht, verdreht, entschärft hat. Doch vergessen hat man sie nie. Sie sind wie ein Fels im Orkan der Seele und in den Aufbrandungen der Welt. Sie sind aber auch Sand im Getriebe der Zerstörung. Und deshalb haben sie immer Menschen bewegt. Frei gemacht. Haben den Menschen die Sehnsucht nach Leben und Gerechtigkeit und Frieden ins Herz gesenkt.

Dass auch ihr gestärkt und mutig, wach und sehnsüchtig in diese neue und aufregende Ausbildungszeit geht, das wünsche ich euch von Herzen, liebe Azubis – so wie ihr seid: gewitzt, klug, visionär, liebevoll und zukunftsmutig. Salz der Erde eben – und ein großer, großer Segen für uns. Amen.

Datum
01.09.2022
Quelle
Kommunikationswerk der Nordkirche
Von
Kirsten Fehrs
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