Professorin Pohl-Patalong vor der Landessynode

„Bedeutung der Gemeinden wird wachsen, wenn Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft verebbt“

Uta Pohl-Patalong, Professorin für Praktische Theologie in Kiel, regte in ihrem Vortrag an, das Evangelium verstärkt auf unterschiedlichen Wegen zu kommunizieren
Uta Pohl-Patalong, Professorin für Praktische Theologie in Kiel, regte in ihrem Vortrag an, das Evangelium verstärkt auf unterschiedlichen Wegen zu kommunizieren © Maren Warnecke / Nordkirche

25. September 2015 von Stefan Döbler

Lübeck-Travemünde. Mit Beratungen zum Thema „Zukunft der Ortsgemeinde“ setzen die Mitglieder der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) ihre Tagung heute fort. Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong von der Christian-Albrechts-Universität Kiel eröffnete die theologische Diskussion mit einem Vortrag zum Thema „Ortsgemeinde sein heute und morgen“. Die Professorin für Praktische Theologie hob darin das Engagement zahlreicher Ortsgemeinden der Nordkirche bei der Unterstützung für Flüchtlinge hervor.

Dabei werde die Bedeutung der Ortsgemeinde zunehmen, „wenn die jetzige Welle der Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft irgendwann verebbt, Initiativen bröckeln und Einzelpersonen dieses intensive Engagement nicht durchhalten können“, sagte Pohl Patalong. „Dann haben Ortsgemeinden den Vorteil struktureller Unterstützung, eines Netzes von Haupt- und Ehrenamtlichen, Erfahrung mit langfristigem Engagement, Kenntnis der Verhältnisse vor Ort und nicht zuletzt vielerorts immer noch einen Vertrauensvorschuss gegenüber anderen Organisationen.“

Gemeinde an inhaltlichen Kriterien messen, nicht an ihrer strukturellen Gestalt

Vor dem Hintergrund des Synodenthemas „Zukunft der Ortsgemeinde“ forderte die Kieler Professorin für Praktische Theologie die Kirche dazu auf, das Evangelium „auf sehr unterschiedlichen Wegen“ zu kommunizieren. Hintergrund sei eine gesellschaftliche Vielfalt, „in der sich auch die Glaubenswege vervielfältigen“, sagte sie. „Gemeinde im theologischen Sinne wird nicht durch räumliche Grenzen definiert, sondern durch das, was in ihr geschieht. Was eine Gemeinde ist, muss an inhaltlichen Kriterien gemessen werden, nicht an ihrer strukturellen Gestalt.“

Die gegenwärtige territoriale Organisationsform Ortsgemeinde mit ihren mittelalterlichen sowie frühmodernen Wurzeln treffe heute auf eine „spätmoderne“ gesellschaftliche Situation: „In dieser wird das Leben wesentlich selbstbestimmter gelebt als in früheren Generationen und die Lebenswege sind vielfältiger geworden. Menschen sind mobiler und leben teilweise in sehr unterschiedlichen sozialen Zusammenhängen. Autoritäten und Traditionen werden daraufhin hinterfragt, was sie austragen und ob sie für das eigene Leben hilfreich sind.“

Die Verknüpfung von Kirche und Ort habe Stärken, wie flächendeckende Präsenz, starke regionale Identität der Gemeindeglieder und Zuständigkeit einer „Kirche als Expertin des Nahbereichs“ für soziale Nöte und Bedürfnisse vor Ort. Andererseits gebe es auch Schwächen des Territorialprinzips: „Bevölkerungsgruppen und Biografien, die sich nicht auf Dauer mit einem bestimmten Ort verbinden und über diesen ihre Bezüge entwickeln, werden von dieser Organisationsform schwerer erreicht“, so Pohl-Patalong.

Sie plädierte dafür, „‚Gemeinde‘ künftig verstärkt von ihrer Aufgabe, von der Kommunikation des Evangeliums her zu denken als von ihren Prinzipien des Zustandekommens“. Hilfreich könne sein, „zu fragen, welche Organisationsform an einem bestimmten Ort oder für konkrete Menschen das Evangelium bestmöglich kommuniziert“. Angesichts der Pluralität der Gesellschaft würden „unterschiedliche Formen von Gemeinde nebeneinander und vor allem miteinander“ gebraucht: „Die Ortsgemeinde gewinnt dadurch Entlastung, indem an sie nicht mehr der Anspruch gerichtet wird, eigentlich doch möglichst allen alles bieten zu müssen – was kaum ohne Stress, Überlastung und schlechtes Gewissen geht.“

Mittlerweile sei aus zahlreichen Studien bekannt, „dass zunehmend mehr Menschen ein ehrenamtliches Engagement suchen in einem Bereich, der ihnen entspricht, ihre Talente fördert und in dem sie Gestaltungfreiraum und Verantwortung übernehmen“, sagte die Theologin. „Viele Gemeinden reagieren längst darauf, und auch kirchenleitend zielen Überlegungen wie die Erprobungsräume in Mecklenburg in diese Richtung, nicht länger institutionell alles abzudecken, sondern kreative Leerräume anzubieten, in denen etwas von unten wachsen kann. Unverzichtbar ist dabei allerdings eine hauptamtliche Begleitung.“

Gemeinde sei nicht nur vom Kirchturm, sondern auch vom Gemeindehaus und seinen Gruppen her zu verstehen, sagte Uta Pohl-Patalong. Von daher sei die Tendenz „zu einer so starken Reduktion hauptamtlicher Mitarbeitenden wie im Moment“ noch einmal zu überdenken – gerade im Blick auf Begleitung und Fortbildung der Ehrenamtlichen.

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