Ökumenischer Gottesdienst zur Konstituierung des Landtages Mecklenburg-Vorpommern

Bischof Tilman Jeremias: „Demokratische Politik bleibt der Kompromiss zum Wohle aller“

Tilman Jeremias, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche
Tilman Jeremias, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche© Marcelo Hernandez, Nordkirche

19. Oktober 2026 von Dieter Schulz

Vor der konstituierenden Sitzung des Landtages Mecklenburg-Vorpommern feiern die Kirchen am Dienstag (20. Oktober 2026) einen ökumenischen Gottesdienst in der Schweriner Schlosskirche. Bischof Tilman Jeremias predigt über die Verantwortung für das Gemeinwohl, über die Gefahr von Lüge und Manipulation sowie über Gottes Verheißung von Frieden, Hoffnung und Zukunft.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Schweriner Schlosskirche beginnt am Dienstag, 20. Oktober 2026, um 11 Uhr der Tag der konstituierenden Sitzung des neu gewählten Landtages Mecklenburg-Vorpommern. Die Predigt hält der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), Tilman Jeremias. Grundlage seiner Auslegung ist das biblische Wort aus Jeremia 29,7: „Suchet der Stadt Bestes“. Den Gottesdienst gestalten Bischof Tilman Jeremias und Weihbischof des Erzbistums Hamburg, Johannes Zehe, gemeinsam mit Birgit Stollhoff, Leiterin des Katholischen Büros der Erzbischöfe von Berlin und Hamburg am Sitz der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern, sowie dem landeskirchlichen Beauftragten der Nordkirche für Landtag und Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern, Kirchenrat Markus Wiechert.

„Suchet der Stadt Bestes“

Im Mittelpunkt der Predigt steht die Aufforderung des Propheten Jeremia, das Wohl der Gemeinschaft zu suchen und Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen. Bischof Tilman Jeremias erinnert daran, dass der Prophet seine Worte an Menschen richtet, die sich in einer Krisensituation befinden und dennoch aufgefordert werden, konstruktiv und segensreich für die Gesellschaft zu wirken. Dabei schlägt der Bischof eine Brücke in die Gegenwart. Angesichts wachsender Herausforderungen für das demokratische Zusammenleben ruft er die politisch Verantwortlichen dazu auf, am Gemeinwohl orientiert zu handeln: „Bleibt aufrecht, nah dran an den Menschen, sucht ihr Bestes, lasst euch nicht anstecken, selbst abwertend, diskriminierend und ausgrenzend zu reden!“ Zugleich unterstreicht er die Bedeutung demokratischer Kultur und politischen Ausgleichs: „Demokratische Politik bleibt der Kompromiss zum Wohle aller.“

Wahrhaftigkeit und Respekt stärken

Ein weiterer Schwerpunkt der Predigt ist die Verantwortung für einen wahrhaftigen und respektvollen Umgang miteinander. Mit Blick auf die Warnung des Propheten vor Lüge und Manipulation mahnt Tilman Jeremias: „Bleibt aufrecht, lasst euch nicht zur Unwahrheit verführen, schenkt den Menschen reinen Wein ein, auch wenn das schmerzlich sein sollte. Begegnet einander mit Respekt und Aufrichtigkeit!“ Der Bischof betont, dass Vertrauen, gesellschaftlicher Zusammenhalt und demokratische Prozesse auf Wahrheit und gegenseitigem Respekt angewiesen sind.

Hoffnung für Gesellschaft und Politik

Neben der Verantwortung für das Gemeinwesen und der Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit richtet die Predigt den Blick auf die Hoffnung. Ausgehend von Jeremias Verheißung einer Zukunft in Frieden ermutigt der Bischof dazu, sich nicht entmutigen zu lassen und besonders die Schwächsten der Gesellschaft im Blick zu behalten. „Bleibt aufrecht, lasst euch nicht entmutigen, haltet an eurem Gottvertrauen fest und behaltet in eurem politischen Handeln vor allem die Schwächsten im Blick!“  Zum Beginn der neuen Legislaturperiode verbindet der Gottesdienst so die Bitte um Gottes Segen mit der Erinnerung an Verantwortung, Wahrhaftigkeit und Hoffnung. Am Ende seiner Predigt gibt der Bischof den Teilnehmenden eine Verheißung mit auf den Weg: „Gott selbst möchte Sie segnend begleiten, ganz besonders in diesen herausfordernden Zeiten.“

Ökumenisches Zeichen zum Beginn der Legislaturperiode

Mit dem ökumenischen Gottesdienst begleiten die evangelische und die katholische Kirche traditionell den Beginn einer neuen Legislaturperiode des Landtages Mecklenburg-Vorpommern. Die geistliche Begleitung der parlamentarischen Arbeit beschränkt sich dabei nicht auf die konstituierende Sitzung. Auch vor den regulären Plenarsitzungen des Landtages findet eine ökumenische Andacht in der Schlosskirche statt. Diese Tradition geht auf Bestrebungen des ersten Landtagspräsidenten Mecklenburg-Vorpommerns, Rainer Prachtl, zurück und wird seit der Neugründung des Landes 1990 gepflegt.

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