Bischof Tilman Jeremias: „Ein Auftrag, ein Geist, ein Glaube – welch ein Reichtum!“
31. Mai 2026
Am Sonntag (31. Mai 2026) hat Bischof Tilman Jeremias das Ehepaar Kristina und Michael Bertram im Schweriner Dom ordiniert. In seiner Ansprache würdigte er ihre Wege in den Dienst, ihre unterschiedlichen Biografien und die Kraft ihrer Ordinationssprüche für zwei sehr verschiedene Stadtteile Schwerins.
In einem festlichen Gottesdienst im Dom zu Schwerin hat Bischof Tilman Jeremias (Sprengel Mecklenburg und Pommern) am Sonntag (31. Mai 2026) Kristina und Michael Bertram ordiniert. Kristina Bertram beginnt ihren Dienst in der Evangelisch‑Lutherischen Petrusgemeinde Schwerin, Michael Bertram in der Evangelisch‑Lutherischen Domgemeinde Schwerin. Die Ordinationssprüche der beiden lauten Jesaja 40,31 für Pastorin Kristina Bertram („Die auf den Herrn hoffen, gewinnen neue Kraft; sie steigen auf mit Flügeln wie Adler.“) und 1. Korinther 12,4–6 für Pastor Michael Bertram („Es sind verschiedene Gaben, aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.“).
„Welch ein Glück und Segen für die Stadt“
In seiner Ansprache hob Bischof Tilman Jeremias die Bedeutung dieses Tages hervor: „Ordination zu feiern ist ein großes Fest.“ Er betonte: „Welch ein Glück und Segen für die Stadt und uns als Sprengel, dass ihr beide als Ehepaar hier beginnt und damit eine in dieser Stadt noch vor Kurzem kaum vorstellbare pastorale Personalnot beendet.“ Der Bischof hob die konkrete Verantwortung vor Ort hervor: „Mit der Ordination werdet ihr von eurer Landeskirche mit der Verkündigung des Wortes und der Verwaltung der Sakramente beauftragt. (…) Noch wichtiger ist der Segen, der euch gleich zugesprochen wird. Ihr seid nicht allein als Pastorin und als Pastor.“
Unterschiedliche Einsatzorte - gemeinsame geistliche Grundlage
Mit Blick auf die unterschiedlichen Biografien des Paares sagte der Bischof: „Liebe Kristina, (…) durch Ihre Migrationsgeschichte bringen Sie Erfahrungen und Gespür mit für viele Menschen in der Petrusgemeinde, die vergleichbare Biografien mitbringen. (…) Lieber Michael, (…) umso mehr sind wir dankbar, dass Sie jetzt beide hier Ihren Dienst tun möchten, in zwei Gemeinden, die gar nicht so weit voneinander entfernt sind, aber sehr unterschiedlich geprägt sind.“ Tilman Jeremias beschrieb die Gegensätze der Einsatzorte – Innenstadt und Dreesch – und die gemeinsame geistliche Grundlage: „Hier edelste Kirchenmusik, Arbeit mit Touristinnen und Touristen, viele repräsentative Aufgaben, dort Tafelarbeit, mehrsprachige Gottesdienste, Kirchenasyl. Bei allen Unterschieden aber ein Auftrag, ein Geist, ein Glaube. Welch ein Reichtum!“
Die Ordinationssprüche als Wegweiser
Zu den biblischen Zusprüchen sagte der Bischof an Michael Bertram über 1. Korinther 12,4–6: „Der eine Gott sorgt dafür, dass sehr unterschiedliche Menschen all diese ihre Gaben einsetzen können und dennoch die Einheit gewahrt bleibt. (…) Letztlich sind nicht wir es, die irgendetwas bewirken können, Gott ist es allein durch seine Geistkraft.“ Zum Jesaja-Wort für Kristina Bertram führte er aus: „Wenn wir hoffen, auch in vermeintlich auswegloser Lage, wenn wir unser Vertrauen immer wieder neu Gott schenken, können uns Kräfte zuwachsen wie einem Adler, der sich in höchste Höhen erhebt.“ Seinen Zuspruch an das Ehepaar fasste Tilman Jeremias wie folgt zusammen: „Dass ihr immer wieder mit der Energie des Geistes Gottes erfüllt werdet und dadurch neuen Mut gewinnt in herausfordernden Zeiten für Kirche und Gesellschaft.“
Zwei Wege in eine Stadt
Kristina Bertram wurde 1998 in Tscherkassy in der Ukraine geboren. Als Spätaussiedler kam die kirchenferne Familie 2000 nach Deutschland, wo die spätere Pastorin in Düsseldorf aufwuchs. Nach ihrem Abitur 2016 in Düsseldorf entschied sie sich – nachdem sie als Bodenstewardess am Düsseldorfer Flughafen gearbeitet hatte – aus Neugier für ein Theologiestudium an der Ruhr‑Universität Bochum. Dort lernte sie ihren Mann kennen. Sie ließ sich 2018 taufen und heiratete noch im selben Jahr. Nach erfolgreichem erstem theologischen Examen in Hamburg absolvierte sie ihr Vikariat im Dorf Zarpen in der Nähe Lübecks.
Michael Bertram wurde 1997 in Dortmund geboren. Schon früh ging er mit seinen Eltern zu Gottesdiensten. Der christliche Glaube spielte immer eine große Rolle in seinem Leben, sodass er nach seinem Abitur 2016 in Castrop‑Rauxel „etwas mit seinem Glauben machen“ wollte. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr mit vielen Einsätzen als Inklusionskraft an Dortmunder Grund- und weiterführenden Schulen entschied er sich für das Theologiestudium an der Ruhr‑Universität Bochum. Dort lernte er im ersten Semester auch seine Frau kennen. Nach erfolgreichem Examen in Hamburg hatte er sein Vikariat in Lübeck.
Kirche als Leuchtturm gegen Hoffnungslosigkeit
Beide sehen ihren Dienst in Schwerin als Chance, Kirche neu erfahrbar zu machen. „Es gibt so viele Möglichkeiten für Kirche hier in Schwerin. Und es ist auch unsere Aufgabe, diese Möglichkeiten zu nutzen. Kirche kann ein Leuchtturm gegen Hoffnungslosigkeit und Enttäuschungen sein“, so Pastor Michael Bertram. Für Pastorin Kristina Bertram ist ein wichtiges Anliegen, die Petrusgemeinde auf dem Dreesch mit anderen Akteuren der Zivilgesellschaft einerseits und den anderen Kirchengemeinden andererseits zu verbinden: „Es gibt so viele tolle Initiativen und Programme für den Dreesch. Als Petrusgemeinde können wir ein Mosaikstein für einen lebendigen Dreesch sein. Und wenn wir als Kirche in Schwerin stärker zusammenwachsen, können wir auch noch mehr für diese Stadt leisten.“
Hintergrund Ordination
Mit der Ordination (lateinisch: ordinatio – Amtseinsetzung) werden den Geistlichen die Rechte und Pflichten einer Pastorin und eines Pastors feierlich zugesprochen. Nach dem Studium der Evangelischen Theologie und der zweijährigen praktischen Ausbildung in Kirchengemeinden und im Predigerseminar (Vikariat) beginnt mit der Ordination der Dienst in der Nordkirche. Dazu gehören die öffentliche Wortverkündigung, die Sakramentsverwaltung (Taufe und Abendmahl) und die Seelsorge.
