Zum Tag für die Opfer von Flucht und Vertreibung

Bischof Tilman Jeremias: „Gott geht die Wege der Flüchtenden mit“

Tilman Jeremias, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche
Tilman Jeremias, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche© Marcelo Hernandez, Nordkirche

19. Juni 2026 von Dieter Schulz

Am Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung erinnert Bischof Tilman Jeremias an die biblische Urgeschichte des Exodus und mahnt angesichts des neuen EU‑Asylsystems den Schutz der Menschenwürde an.

Auf der Tagung der Integrationsbeauftragten des Landes Mecklenburg‑Vorpommern, Jana Michael, anlässlich des Gedenktages für die Opfer von Flucht und Vertreibung am morgigen Sonnabend (20. Juni 2026), wird der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, Tilman Jeremias, an die Ur‑Erzählung biblischer Befreiung – den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten – erinnern und zugleich das neue EU‑Asylsystem kritisieren. Das geht aus vorab veröffentlichten Auszügen seines geistlichen Wortes hervor.

Gott führt aus der Gefangenschaft in die Freiheit

Tilman Jeremias betont, dass die Ur-Erzählung der Bibel eine Fluchtgeschichte ist – eine Geschichte von Menschen, die Unterdrückung, Gewalt und Lebensgefahr entkommen. „Gott beendet Unterdrückung. Gott führt in die Freiheit. Aber der Weg dorthin ist lang, gefährlich und voller Zumutungen“, so der Bischof. „Und selbst das gelobte Land ist kein Paradies. Es bleibt ein Ort, der gestaltet, geteilt und gerecht gemacht werden muss.“

Gott geht die Wege der Flüchtenden mit

Der Bischof erinnert daran, dass Migration seit Beginn der Menschheitsgeschichte Teil der biblischen Erfahrung ist: „Gott ist ein Gott, der mitgeht. Der die Wege der Flüchtenden kennt. Der die Schritte der Vertriebenen sieht.“ Daraus, so Tilman Jeremias, erwachse das biblische Gebot: „Den Fremden sollst du lieben wie dich selbst.“ Bischof Jeremias nennt dies das Urbekenntnis des Glaubens: „Gott begleitet Migranten. Wer die Bibel aufschlägt, liest die Geschichte von Menschen auf der Flucht.“

Kritik am neuen europäischen Asylsystem

Vor diesem Hintergrund äußert Tilman Jeremias deutliche Sorge über das neue europäische Asylsystem, das Lager für Schutzsuchende an den EU‑Außengrenzen vorsieht. „Ein System, das Kinder hinter Zäunen festhält, widerspricht dem Geist dieses Gedenktages und dem Geist der Bibel. Wer Flucht und Vertreibung beklagt, darf Menschen auf der Flucht nicht entrechten“, betont der Bischof. Tilman Jeremias ruft dazu auf, die Würde der Schutzsuchenden zu achten und die Stimmen derer zu hören, die heute – wie einst das Volk Israel – „auf der Suche nach einem Ort sind, an dem sie leben können“.

Hintergrund: Tag für die Opfer von Flucht und Vertreibung

Der bundesweite Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung findet jedes Jahr am 20. Juni statt und wurde 2015 eingeführt. Der Tag erinnert an die Millionen Menschen, die infolge von Krieg, Gewalt, politischer Verfolgung oder ethnischer Vertreibung ihre Heimat verloren haben. Er fällt bewusst auf den Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen. Der Gedenktag würdigt das Leid der Vertriebenen, mahnt zur Wahrung der Menschenrechte und ruft dazu auf, Menschen auf der Flucht Schutz und Solidarität zu gewähren.

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