Bischof Tilman Jeremias: „Gott ist die feste Burg gegen das Böse“
01. November 2026
Zum Reformationstag erinnert Bischof Tilman Jeremias an die bleibende Aktualität von Luthers Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“: Angesichts von Krieg, Gewalt und Hass bleibt die Verheißung bestehen, dass Gottes Macht stärker ist als das Böse. Beim Reformationsempfang in Pasewalk wird zudem die Bugenhagenmedaille an Gertrud Ohse verliehen.
Die Reformation erinnert daran, dass der Wert eines Menschen nicht von Leistung und Erfolg abhängt, sondern von der bedingungslosen Liebe Gottes. Zugleich stärkt der christliche Glaube Menschen darin, den zerstörerischen Kräften dieser Welt zu widerstehen. Daran erinnert Bischof Tilman Jeremias zum Reformationstag am kommenden Sonnabend (31. Oktober 2026). Zugleich lädt die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) zum Reformationsempfang der Kirchenleitung nach Pasewalk ein. Im Mittelpunkt stehen die Bach-Kantate „Ein feste Burg ist unser Gott“ sowie die Verleihung der Bugenhagenmedaille an Gertrud Ohse.
Reformation als Antwort auf die Machtfrage
„Martin Luther hat das Evangelium neu zum Leuchten gebracht: Nicht Leistung und Selbstrechtfertigung tragen unser Leben, sondern Gottes bedingungslose Liebe. Diese Botschaft ist heute genauso aktuell wie vor 500 Jahren“, sagt Bischof Tilman Jeremias. Zugleich sei die Reformation weit mehr als eine Botschaft persönlicher Gewissheit. „Der Choral ,Ein feste Burg ist unser Gott‘ stellt die Machtfrage und beantwortet sie eindeutig. Luther sprach vom Teufel. Wir reden heute eher von Krieg, Gewalt, Hass, Lüge und Unterdrückung. Die Existenz des Teufels mögen viele Menschen bestreiten. Die Fratze des Bösen, die uns aus menschlichem Handeln ansieht, können wir dagegen nicht übersehen.“ Der Reformationstag erinnere deshalb daran, dass Gottes Macht stärker sei als die Mächte der Zerstörung, so der Bischof: „Christlicher Glaube erschöpft sich nicht in Trost und innerem Frieden. Er macht Menschen standhaft gegenüber dem Bösen. Wer auf Christus vertraut, muss vor den dunklen Kräften dieser Welt nicht kapitulieren. Daraus erwächst die Freiheit, für Frieden, Menschenwürde und Versöhnung einzustehen.“
Bach macht die Kraft der reformatorischen Botschaft hörbar
Der Reformationsempfang beginnt am 31. Oktober 2026 um 17 Uhr in der Pasewalker Marienkirche mit einer geistlichen Besinnung. Musikalischer Mittelpunkt ist Johann Sebastian Bachs Kantate „Ein feste Burg ist unser Gott“ (BWV 80), gestaltet von der Kantorei Pasewalk, dem Orchester für Alte Musik Vorpommern sowie Solistinnen und Solisten unter der Leitung von Kantor Julius Mauersberger. Für Bischof Tilman Jeremias ist die Kantate überraschend aktuell: „Man könnte meinen, die martialischen Bilder dieses Chorals seien aus der Zeit gefallen. Nach meiner festen Überzeugung erweist sich ,Ein feste Burg‘ jedoch als wie für unsere Zeit geschrieben. Die Kantate nimmt die Realität des Bösen ernst. Sie schaut auf Krieg, Gewalt und Zerstörung und widerspricht dennoch der Vorstellung, dass diese Mächte am Ende siegen werden.“ Weiter sagt der Bischof: „Gott ist die feste Burg nicht gegen alltägliche Unannehmlichkeiten. Gott ist die feste Burg gegen das Böse selbst. Die Kantate verkündet deshalb gegen allen Augenschein: Hass und Gewalt haben nicht das letzte Wort. Das Kreuz Christi ist Gottes Siegeszeichen. Darin liegt die Hoffnung der Reformation bis heute.“
Bugenhagenmedaille für Gertrud Ohse
Im Rahmen des Reformationsempfangs verleiht die Nordkirche die Bugenhagenmedaille an Gertrud Ohse. Mit der Auszeichnung würdigt die Kirche ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in der Pasewalker Kirchengemeinde sowie ihren Einsatz als Musikerin, Kulturvermittlerin und Initiatorin kirchlich-kultureller und deutsch-polnischer Begegnungen. Seit vielen Jahren prägt Gertrud Ohse das kirchenmusikalische Leben in Pasewalk. Als Cellistin, Gambistin und künstlerische Leiterin verschiedener Ensembles verbindet sie musikalische Qualität mit gesellschaftlichem Engagement. Zugleich setzt sie sich dafür ein, Kirche als offenen Ort der Begegnung, der Kultur und des Dialogs sichtbar zu machen. Besonders hervorzuheben ist ihr Einsatz für die Verständigung zwischen Deutschland und Polen. Durch zahlreiche Projekte und den Deutsch-Polnischen Kultursommer schafft sie Begegnungsräume für Menschen beiderseits der Oder und stärkt das kulturelle Miteinander in der Grenzregion.
Reformation, Kultur und gesellschaftlicher Dialog
Der Reformationsempfang 2026 steht unter dem Titel „Sinn und Geschmack fürs Unendliche“. Das Leitwort greift einen Gedanken des Theologen Friedrich Schleiermacher auf und verweist auf das Zusammenspiel von Kirche, Kunst und Kultur. Gemeinsam eröffnen sie Räume der Begegnung, fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt und laden zum Gespräch über die Herausforderungen der Gegenwart ein. Nach der geistlichen Besinnung, der Verleihung der Bugenhagenmedaille und einem Gespräch mit Gertrud Ohse sind die Gäste zu einem Empfang eingeladen. Erwartet wird ein Grußwort von Dr. Wolfgang Blank, Minister für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit des Landes Mecklenburg-Vorpommern.
