Fusion der Rostocker Innenstadtgemeinden

Bischof Tilman Jeremias würdigt neuen gemeinsamen Weg der St.-Jakobusgemeinde

Bischof Tilman Jeremias beim Festgottesdienst zur Fusion der neuen Rostocker St.-Jakobusgemeinde. @Sebastian Gunkel / Nordkirche
Bischof Tilman Jeremias beim Festgottesdienst zur Fusion der neuen Rostocker St.-Jakobusgemeinde. @Sebastian Gunkel / Nordkirche

28. Juni 2026 von Dieter Schulz

Bischof Tilman Jeremias würdigt im Festgottesdienst die Fusion zur neuen Rostocker St.-Jakobusgemeinde als wichtigen, vernunftgeleiteten und zukunftsweisenden Schritt. Er ruft dazu auf, gemeinsam als „dreifache Schnur“ Kirche in Bewegung zu sein.

Mit einem Festgottesdienst in der Rostocker Petrikirche (Alter Markt 1, 18055 Rostock ) ist am heutigen Sonntag (28. Juni 2026) die neue St.-Jakobusgemeinde gegründet worden. Der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), Tilman Jeremias, würdigte in seiner Predigt die Fusion der drei bisherigen Innenstadtgemeinden als „wichtigen und sicher nicht einfachen Schritt in eine gesicherte Zukunft“.

„Vernunftgesteuerter Prozess aus einer Not heraus“

Tilman Jeremias erinnerte an frühere Fusionsprozesse in Rostock, die teils von heftigen Auseinandersetzungen begleitet waren. Umso mehr hob er hervor, dass der Weg diesmal „eleganter gelungen“ sei – trotz mancher Abschieds- und Bauchschmerzen. Die Zusammenführung sei kein Ausdruck von Größe, sondern ein notwendiger Schritt angesichts sinkender Mitgliederzahlen und begrenzter Ressourcen. „Es sind vernunftgesteuerte Prozesse, die aus einer Not geboren sind“, so der Bischof. Zugleich eröffne eine Fusion neue Chancen und Kooperationsmöglichkeiten.

Zusammenarbeit als „dreifache Schnur“

Ausgehend vom Predigttext aus dem Buch Kohelet betonte Tilman Jeremias die Bedeutung des Miteinanders: „Eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.“ Gemeinde brauche Teamstrukturen, gegenseitige Unterstützung und die Bereitschaft, die Stärken der jeweils anderen wahrzunehmen. „Zur Weisheit einer Fusion gehört, die Partnergemeinde in ihrer Andersartigkeit nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung zu verstehen“, sagte er mit Blick auf die unterschiedlichen Prägungen der bisherigen Gemeinden – von Innenstadt und Tourismus über das Slüterhaus bis nach Gehlsdorf.

„Jakobusgemeinde“ als geistliches Programm

Besonders gratulierte der Bischof zur Wahl des neuen Namens. „Das ist Ihnen nun geglückt“, sagte Bischof Tilman Jeremias und machte deutlich, dass der Name Jakobus weit mehr sei als ein Etikett. Er erinnere an die Nähe zu Jesus Christus selbst, wie sie der Jünger Jakobus verkörpere, und daran, dass Kirche immer ein pilgerndes Gottesvolk bleibe – unterwegs, offen für Veränderung, bereit, neue Wege zu gehen. Zugleich rufe der Name die Wunden der Rostocker Geschichte in Erinnerung, sichtbar etwa am Jakobikirchplatz, der als Ort des Gedenkens und der Begegnung die zerstörte Jakobikirche wachhält. In dieser Verbindung aus Christusnähe, Bewegung und Achtsamkeit liege ein geistliches Programm, das die neue Gemeinde prägen könne: eine Kirche, „offen unterschiedslos für alle Menschen, mit klarer Haltung, gelebtem Glauben und Herzen für die Mühseligen und Beladenen“, so der Bischof.

Segen für den gemeinsamen Weg

Zum Abschluss wünschte Tilman Jeremias der neuen St.-Jakobusgemeinde „die Reißfestigkeit einer dreifachen Kordel“, die Kraft, sich immer wieder neu aufeinander einzulassen, und die Kreativität, mutig Neues auszuprobieren. Vor allem aber bat er darum, dass Gottes Geist diesen gemeinsamen Weg durchwehen möge – als Kraft, die verbindet, trägt und heilt. „So lässt es sich eine dreifache Schnur sein – mitten im Herzen dieser Stadt“, sagte Jeremias und gab der Gemeinde mit auf den Weg, dass Gottes Segen sie halte, wenn sie strauchelt, wärme, wenn sie friert, und aufrichte, wenn sie fällt.

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