Botschaft zu Karfreitag anlässlich des Lübecker Kreuzweges
03. April 2026
Auch in diesem Jahr nimmt Bischöfin Fehrs an der traditionellen ökumenischen Prozession des Lübecker Kreuzweges teil.
„Der Kreuzweg spürt dem Leiden von Jesus Christus nach - bis zu seinem Tod am Kreuz. Und wir gehen mit. Wir stehen unter dem Kreuz und üben uns im Mit-Leiden. Buchstäblich. Denn für eine Haltung der Mitmenschlichkeit, die heute nur allzu schnell als emotionale Fehlentwicklung belächelt wird, braucht es tatsächlich Übung und wiederkehrendes Bewusstwerden.
Wir stehen unter dem Kreuz und sind entsetzt über die Kriege dieser Welt, in der Ukraine, im Nahen Osten, im Sudan, an viel zu vielen Orten dieser Erde. Wir dürfen uns nicht gewöhnen an die brennenden Städte und verwüsteten Landstriche, an den tausendfachen Tod durch Drohnen und Raketen. Wir dürfen uns nicht gewöhnen an Völkerrechtsbruch und Menschenrechtsverletzungen. Das vergossene Blut klagt die Mächtigen an: Sucht Wege zu einem gerechten Frieden.
Wir erinnern uns an all jene, die zu uns geflohen sind, um der Gewalt zu entkommen. Wir denken an die Notleidenden und unter Druck Geratenen in unserem Land. Wir sehen jeden einzelnen Menschen, seine Bedürftigkeit, seine Würde. Selbst Mensch zu bleiben, muss uns ein dringendes Anliegen sein, gerade weil die Populisten unserer Tage sich überbieten mit ihrer Hetze und ihrem Hass. Menschlichkeit zu leben, für andere da zu sein, auch wenn man sich eher zurückziehen möchte vor lauter Furchtbarkeiten in dieser Welt.
Wir stehen also unter dem Kreuz und erkennen erleichtert, dass nicht wir es sind, die da am Kreuz sterben. Was für eine unfassbare Gnade, durch Jesu Tod erlöst zu sein. Was für ein Glück, in einem Rechtsstaat zu leben, der auf einem Grundgesetz basiert, das die Würde eines jeden Menschen für unantastbar erklärt. So wird der Tod am Kreuz zum Anfang einer neuen Hoffnung. Denn wir ahnen schon heute: Dieser Tod darf nicht das Ende sein! Gewalt und der Schrecken dürfen nicht das letzte Wort behalten. Nie. Nirgends.“