Aus sechs Jahrhunderten

Das Gesicht der Reformation - Wanderausstellung zeigt Lutherbilder

"Luther im Kreise seiner Familie", kolorierte Radierung, um 1825, von Peter Carl Geissler (1802-1872)
"Luther im Kreise seiner Familie", kolorierte Radierung, um 1825, von Peter Carl Geissler (1802-1872)© epd-bild/Zentralarchiv der Ev. Kirche der Pfa

09. März 2016 von Simone Viere

Prophet Christi, Kirchenvater, deutscher Nationalheld: Jede Zeit hat sich von dem Reformator Martin Luther ihr eigenes Bild gemacht. Eine Wanderausstellung der evangelischen Archive will zeigen, wie sich die Darstellungen bis heute verändert haben.

Martin Luther (1483-1546) war der Rummel um sein Konterfei gar nicht recht. Freilich hatte der Reformator erstmals dem berühmten Renaissancemaler Lucas Cranach und später seinem Sohn Modell gesessen - das Porträt von 1520, das ihn als Augustinermönch zeigt, ist das älteste Motiv. Die neue reformatorische Bewegung musste "ein Gesicht" bekommen. Und der Mann, der 1517 seine kirchenkritischen Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche anschlug, war ihr bester Werbeträger.

"Ein Gesicht" für die Reformation

"Dass seine Bilder zu Propagandazwecken dienten, war dem pragmatisch denkenden Luther klar", sagt der Kulturhistoriker Andreas Kuhn aus Neustadt an der Weinstraße. Für die am Dienstagabend (8. März) in der Wormser protestantischen Magnuskirche eröffnete Wanderausstellung "Lutherbilder aus sechs Jahrhunderten" forschte er zur Geschichte der Lutherdarstellungen und verfasste die Texte zur Ausstellung. Massenhaft wurden Lutherbilder im 16. Jahrhundert durch die neue Buchdrucktechnik unters Volk gebracht: Der meist streng dreinschauende Theologieprofessor wurde als Vorkämpfer des "richtigen" Glaubens wie ein katholischer Heiliger verehrt.

40 Lutherbilder auf Reise durch 20 Landeskirchen

Die Schau des Verbands kirchlicher Archive in der Evangelischen Kirche in Deutschland zeigt anlässlich des Jubiläums 500 Jahre Reformation im Jahr 2017, wie sich bildhafte Darstellungen des wichtigsten Reformators im Laufe der Zeit wandelten. Sie präsentiert 40 Lutherbilder und Begleittexte auf 15 Rollwänden (Roll-Ups). Erstellt wurde die Ausstellung, die in allen 20 evangelischen Landeskirchen gezeigt werden soll, von den Archiven der pfälzischen Landeskirche in Speyer und der hessen-nassauischen Landeskirche in Darmstadt. Vier Ausfertigungen der Schau werden zeitgleich unterwegs sein.

Jede Zeit habe ihren eigenen Blick auf Luther gehabt und ihn auch für eigene Ziele instrumentalisiert, erklärt die Speyerer Archivdirektorin Gabriele Stüber. Allein 500 unterschiedliche Motive entstanden zu dessen Lebzeiten. Die Lutherhalle Wittenberg bewahrt 2.400 verschiedene Lutherbilder auf.

Erst seit wenigen Jahrzehnten richte sich der Blick der Wissenschaft auf das theologische und politische "Programm" der Darstellungen, sagt der Historiker Kuhn. Deren Detailreichtum sei heutigen Betrachtern oft kaum mehr verständlich: Der Doktorhut und die aufgeschlagene Bibel als Zeichen für Gelehrsamkeit und theologische Autorität, der Schwan, der ihn als Propheten Christi ausweist.

Luther: Bilder als "Hilfsmittel zum Glauben akzeptiert"

Prägend bis heute seien die Darstellungen der beiden Cranachs aus der Frühzeit der Reformation, erläutert Kuhn. Luther selbst habe eine Verehrung oder Anbetung von Bildern abgelehnt, sie aber doch als "Hilfsmittel zum Glauben akzeptiert". Die Lutherporträts in Flugschriften, Büchern, Bibeln oder gar als Altarbilder sollten dazu dienen, die Reformation "von unten aufzubauen". Die meisten seiner Zeitgenossen konnten weder lesen noch schreiben - umso wichtiger war es, den neuen Glauben über die Sprache der Bilder zu vermitteln.

Schon bald wurden Lutherbilder instrumentalisiert, nicht nur als Waffe der Reformation. Im Zuge der Rekatholisierung setzten sie auch die "Altgläubigen" ein: Das Bild von Luther, der einen Pakt mit dem Teufel schließt, sollte den Kopf der protestantischen Bewegung diffamieren. Während der junge Protestantismus bis ins 18. Jahrhundert Luther als "Kirchenvater", theologische Instanz oder auch aufgeklärten Geist verherrlichte, so wurde er im 19. und 20. Jahrhundert als trutziger Nationalheld vereinnahmt.

Auf Lutherdenkmälern - wie in Worms oder in der Vorhalle der Speyerer Gedächtniskirche - erschien er als der standhafte und kämpferische Reformator. Auf Historiengemälden wurde er immer stärker zur Identifikationsfigur der Deutschen schlechthin. Sein Wirken wurde allmählich säkularisiert und auf die rein kulturelle Leistung der Bibelübersetzung verengt.

20. Jahrhundert: Luther und der Kommerz 

Im 20. Jahrhundert setzte auch die Kommerzialisierung Luthers ein. Er erscheint heute unter anderem auf Kartenspielen, Schlüsselanhängern oder Briefmarken. Die beiden Weltkriege führten zum Bruch des Verhältnisses der Deutschen zu "ihrem" Luther.

Zwiespältig ist heute auch das Verhältnis der evangelischen Kirche zu Luther. Kritisch-distanziert richtet sich meist der Blick auf seine dunklen Seiten wie die Judenfeindschaft. Neue Sichtweisen auf Luther könnten sich im kommenden Jahr ergeben, wenn sich die Reformation zum 500. Mal jährt, sagt Kuhn. "Auch heute kann Luther ein Vorbild sein in seiner kompromisslosen Suche nach der Wahrheit."

 

Info

Die Ausstellung "Lutherbilder aus sechs Jahrhunderten" macht bis 19. März erste Station in der Wormser Magnuskirche.

Anfragen zur in der Regel vierwöchigen Leihe nimmt das Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer unter Telefon: 06232/667-182/282, E-Mail: archiv@evkirchepfalz.de, entgegen.

Die Leihgebühr beträgt 200 Euro, die Kosten für den Transport und die Versicherung der Ausstellung übernimmt der Leihnehmer.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit 100 Lutherbildern, die allesamt aus Archiven, Kirchengemeinden oder kirchlichen Einrichtungen stammen. Das Vorwort hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, verfasst.

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