EKD-Synode

Die digitale Kirche auf dem Weg zum User

Das Evangelium muss auch digital verkündet werden
Das Evangelium muss auch digital verkündet werden© epd

11. November 2014 von Corinna Buschow

Seelsorge auf Facebook? Kirchenbesuch digital? Im Internet gibt es kirchliche Angebote, nach Meinung von Experten aber nicht genug – und nicht gut durchdacht. Über dieses Thema hat die EKD-Synode diskutiert.

Das digitale Gedächtnis ist erbarmungslos. Fehler der Vergangenheit verzeichnet es ebenso zuverlässig wie Versäumtes. Am 27. November 2013 warb der Twitter-Account der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für die Adventskalenderwerkstatt. Dann war es eine ganze Weile ruhig. Erst am 6. November 2014 kam die nächste Kurznachricht mit dem Hinweis zur derzeit in Dresden tagenden EKD-Synode. In der digitalen Welt ist das knappe Jahr eine halbe Ewigkeit, in der man vergessen werden kann. "Verbesserungsfähig" nennt das die Bonner Medienwissenschaftlerin Caja Thimm bei der Synodentagung in Dresden.

Das Kirchenparlament hat sich in diesem Jahr die "Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft" als Schwerpunktthema vorgenommen. Die Kirche hat längst erkannt, dass sie in dem wichtigen Kommunikationskanal nicht fehlen darf. Sie müsse "mehr Wege für religiöse Sprachfähigkeit suchen", sagt der Emdener Landessuperintendent Detlef Klahr am Montag in Dresden. In vielen digitalen Räumen komme sie nicht vor, kritisiert Klahr, der für Vorbereitung des Themas verantwortlich war.

"Kirche muss im Internet präsent sein"

Gleichzeitig gibt es Skepsis: NSA-Datenskandal, die scheinbare Allmacht großer Internetkonzerne und feige Anonymität sind die Schattenseiten der digitalen Welt, die auch Kirchen bei ihren Aktivitäten im Netz herausfordern. Der Münsteraner Theologe Christian Grethlein sagt in seinem Referat vor der Synode, die neuen Medien veränderten den herkömmlichen Kirchenbegriff. Die Digitalisierung der Gesellschaft stärke die Bedeutung der einzelnen Menschen auf Kosten von Sozialformen, die heute als "Kirche" oder "Gemeinde" erfasst würden. Grethlein sieht die Kirchen zwar theologisch, nicht aber organisationsmäßig "gut gerüstet für die neue Situation".

Für das Thema starkgemacht hatten sich die Jugenddelegierten der Synode. "Wir müssen das Evangelium dort verkündigen, wo wir sind", sagt Steve Kennedy Henkel. Und das sei heute eben auch das Internet, erklärt der Theologiestudent aus dem Saarland. Dort müsse Kirche präsent sein.

Die Medienwissenschaftlerin Thimm ist überzeugt, dass da noch viel zu tun ist. Sie kritisiert kirchliche Aktivitäten auf Facebook, Twitter, Instagram, die nicht viel mehr als PR sind. Ein Facebook-Account sei keine Imagebroschüre, warnt sie. Es gehe darum, eine Gemeinschaft mit den anderen Usern zu schaffen. Dazu müsse man die eigenständige Online-Kultur verstehen, die sich beinahe täglich wandelt. Keine leichte Aufgabe, räumt auch Thimm ein.

Die ethischen Grenzen des Datensammelns

Die von der Bundesregierung zur Internetbotschafterin ernannte Design-Forscherin Gesche Joost appelliert bei ihrem Plädoyer für mehr Internet in der Kirche an die soziale Verpflichtung der Kirche. Den Synodalen zeigt sie Spendenportale, unterstützende Apps und einen technisch ausgefeilten Handschuh, der das in die Hand geschriebene Lorm-Alphabet zur Kommunikation mit Taubblinden als SMS, Mail oder Twitter-Nachricht verschicken oder empfangen kann. Durch die Synode geht ein anerkennendes Raunen. Partizipation und Inklusion seien "urchristliche Werte", sagt Joost.

Dabei wünscht sie sich die Kirchen als Akteure in einer gesellschaftlichen Debatte, die die Politik bislang in ihren Augen nicht aufgegriffen hat. Das gilt auch beim Thema Datenschutz. Die ethischen Grenzen des Datensammelns seien ein Thema für die Kirchen, sagt Joost. "Ich bin gespannt auf Ihren Beitrag", fordert sie die Synodalen auf.

Das Kirchenparlament hat bis Mittwoch Zeit, eine Kundgebung zum Thema erarbeiten. Der Vorbereitungsausschuss hat auf dem Online-Portal evangelisch.de über einzelne Textbausteine zu der Erklärung diskutieren lassen. Die Kundgebung könnte ein Bekenntnis werden. "Nur wenn die evangelische Kirche mit ihrer Botschaft und als Gemeinschaft auch digital präsent ist, wird sie weiterhin Teil der Gesellschaft und des Alltags der Menschen sein können", heißt in einem der vorgeschlagenen Bausteine.

Egal, wie der Text am Ende lautet – in den Augen von Steve Kennedy Henkel hat es sich gelohnt, das Thema auf die Tagesordnung der EKD-Synode zu bringen. In diesem Jahr fand er Flyer mit dem Internetangebot des Bibelwerks auf seinem Platz. "Das gab es noch nie", sagte er.

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