„Die Zehn Gebote geben dem Leben Freiheit. Und Freiheit braucht Rahmen.“

„Die Zehn Gebote" - Landesbischof Ulrich hielt erstmals Theaterpredigt in Kiel

Landesbischof Gerhard Ulrich während seiner Theaterpredigt mit Zacharias Preen als Hauptmann (re) und Christian Kämpfer als Obergefreiter (li) zu der ersten Szene zum 1. Gebot aus dem Zaimoglu/Senkel-Stück "Die Zehn Gebote"
Landesbischof Gerhard Ulrich während seiner Theaterpredigt mit Zacharias Preen als Hauptmann (re) und Christian Kämpfer als Obergefreiter (li) zu der ersten Szene zum 1. Gebot aus dem Zaimoglu/Senkel-Stück "Die Zehn Gebote"© Eric Kirschstein

17. April 2016 von Silke Stöterau

Kiel. Gerhard Ulrich, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), hat heute (17. April) seine erste Theaterpredigt im Schauspiel Kiel gehalten.

„Wo Gott vergessen und verachtet wird, ist Menschenverachtung die Folge. Wenn Werte verachtet, Regeln geleugnet werden und der Mensch sich selbst an Gottes Stelle setzt, ist Leben in Gefahr." – Ulrich ging vor dem Hintergrund der beiden Stücke „Die Zehn Gebote“ des Kieler Autorenduos Feridun Zaimoglu/Günter Senkel und des israelischen Autors Shlomo Moskovitz auf die Bedeutung der Gebote ein als „‚Lebensermöglichungsinstrument“ sowie auf die Funktion von Religion innerhalb einer Gesellschaft.

„Die Menschen sind nicht nur fromme oder dumme Schafe im Sinne von Befehlsempfängern. Sondern sie sind – wie der Apostel Paulus im Neuen Testament formuliert – nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Gottes Hausgenossen und Mitbürger‘. Beide in diesem Verhältnis müssen liefern, beide haben Rechte und Pflichten“, so Ulrich.

„Die Zehn Gebote schützen Menschen vor sich selbst“

Die Gebote seien keine Verbote: „Sie wollen dem Leben Freiheit geben. Und Freiheit braucht einen Rahmen. Die Zehn Gebote schützen Menschen vor sich selbst und vor selbstzerstörerischen Potenz.“ Auch für eine säkularisierte Gesellschaft seien sie entlastend. Denn wohin die Grenzenlosigkeit der Selbstüberschätzung von Menschen führe, dass könne man heute an den politischen Krisen in Syrien und andernorts, an der jüngeren deutschen Geschichte und an etlichen aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen in unserem Land sehen. „Wo Regeln verlassen, vergessen, übergangen werden, ist das Leben in Gefahr; ist Apokalypse!“, so Landesbischof Ulrich.

Die theologisch-ethische Auseinandersetzung eröffnete das Rahmenprogramm „Die Zehn Gebote Extra“, das das Schauspiel Kiel in Kooperation mit dem Landeskirchenamt der Nordkirche in der Kulturreihe amtsKULTUR und mit der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein rund um die Uraufführung der beiden Stücke realisiert. Mitglieder des Ensembles des Schauspiels Kiel präsentierten in einer szenischen Lesung Ausschnitte aus beiden Theaterstücken, die sich mit dem 1., dem 4. und dem 10. Gebot (2. Buch Mose, Kap. 20) auseinandersetzen.

Menschliche Selbstüberhebung und Umgang mit Schuld

Das Kieler Stück, zu dem Annette Pullen Regie führt, spielt zwischen 1941 und 1944 während der Belagerung Leningrads durch das damalige deutsche Dritte Reich. In seiner Theaterpredigt sagte Landesbischof Ulrich, in dieser Szene werde eine Variante der alttestamentlichen Geschichte von Kain und Abel, der Ur-Gewalt, sichtbar: „An dem ersten Gebot scheitert die Geschichte der Menschen immer wieder.“ Es sei eine Ursünde der Menschen, Gott sein zu wollen. Die menschliche Selbstüberhebung liege in der Anmaßung, den Wert von Leben an sich selbst und an anderen festzulegen. „Man muss nur auf Flüchtlinge heute und zu jeder Zeit schauen, um zu begreifen, welcher Irrsinn sich breitmacht, wenn die Grundregeln menschlichen Zusammenlebens missachtet, übertreten und beiseite gestellt werden.“, so Ulrich.

Das Moskovitz-Stück, bei dem die israelische Regisseurin Dedi Baron Regie führt, nimmt Bezug auf eine historische Begebenheit aus dem Israel-Libanon-Krieg. Seine parabelhafte Szenenfolge bezieht sich auf die Lage in Nahost 50 Jahre nach der Shoah, als im Jahr 1982 ein israelischer Kommandant aus moralischen Gründen den Befehl zur Belagerung von Beirut missachtete und aus der Armee entlassen wurde. Im Stück geht es um die Familie des israelischen Kommandanten. Es zeigt auch auf, was es heißt, in solch einer Situation Mensch zu bleiben und aus der Spirale von Rache und Hass auszubrechen, und beschreibt den schwierigen Umgang mit Schuld.

Ulrich: „Respekt ist eine Haltung auf Gegenseitigkeit“

„Respekt“, sagte Landesbischof Ulrich, „ist eine Haltung auf Gegenseitigkeit.“ Jeder lebe zugleich in der Gegenwart und in der Vergangenheit. „Die zehn Gebote sind Erlaubnis, grundsätzlich lustvoll zu leben. Sie wurden immer wieder missbraucht als reine Verbote.“ Menschen und ihre Gemeinschaftsformen würden nur dann Bestand haben, wenn sie sich wach und klug in einem Spannungsfeld zwischen Bindung und Freiheit bewegen. Darum sei das Element der Vergebung für ein Leben in Fülle so wichtig: „Kehr um! Fang dein Leben neu an!“

Unverfügbarer Wert und Würde für jeden Menschen

Jedem Menschen werde insbesondere durch den Glauben unverfügbarer Wert und Würde geschenkt. Die Menschenwürde sei der stärkste Schutz und zugleich die humane Kraft der Religion in unserer Gesellschaft, so Ulrich. „Umkehr zum Leben heißt auch, aufzustehen gegen die Fundamentalismen aller Religionen. Christinnen und Christen glauben an den, der überwunden hat, indem er den Weg der Liebe und des radikalen Respekts vor allem Leben konsequent gegangen ist und den Kreislauf der Gewalt unterbrochen hat.“

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