Sonntag, 1. Dezember (1. Advent) | 10 Uhr | Christkirche Rendsburg

"Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze!"

29. November 2019 von Gothart Magaard

Predigt im Festgottesdienst zur bundesweiten Eröffnung der Aktion "Brot für die Welt" nach Sacharja 9,9

Teil I

Liebe Festgemeinde,

wenn das Warten ein Ende hat,

dann werden die Menschen feiern -

mitten auf den Todesstreifen dieser Erde.

 

Wenn das Warten ein Ende hat,

dann sind die Waffen kein Mittel zum Zweck mehr,

selbst im härtesten Streit.

 

Wenn das Warten ein Ende hat,

dann werden Vordenkerinnen und Regenten

leise Worte der Versöhnung finden.

 

Bereits der Prophet Sacharja hoffte auf solchen Wandel:

Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze!

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Eselsfohlen. Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

 

Liebe Gemeinde,

drei Bilder malt uns der Prophet vor Augen:

  • Eine Stadt, die vor Freude singt.
  • Einen, der auf einem Esel in die Stadt reitet.
  • Und Kriegsgerät, das zerstört ist, für alle Zeit unbrauchbar.

 

So sieht der Beginn einer Friedenszeit aus, die über alle Grenzen hinweg gilt.

Unbrauchbar gemachtes Kriegsgerät: daran erinnern sich zumindest jene, die Abrüstungszeiten herbeigesehnt und erlebt haben: Schwerter zu Pflugscharen!

Und auch Menschen, die im Angesicht einer Friedenszeit vor Freude singen, hat diese Welt schon gesehen. In den Jahren nach 1989 war diese Freude besonders groß. Wir haben gehofft, dass Grenzen überflüssig werden und Waffen schweigen. Doch wir müssen feststellen, dass manche Sorge wiedergekehrt ist und das Leid in dieser Welt fortbesteht.

Die Menschen in Syrien und im Jemen, in Mali oder dem Sudan warten. Sie sehnen sich nach Frieden. Aber für sie ist kein Friede in Sicht. Dass auch sie wieder vor Freude singen können, dass die Waffen endlich schweigen, dass Friede für alle Menschen werde – diese Hoffnung, diese Friedenssehnsucht höre ich heute in den starken Worten des Propheten.

Und dann ist da einer, schreibt der Prophet Sacharja, der reitet auf einem Esel in die Friedensstadt hinein. Dieses Bild fällt aus der Reihe. Das wirkt so gar nicht visionär. Nein, das war völlig alltäglich. So ging es damals eben zu, in den Städten Israels: Während die einen Waffen schmieden und andere auf Frieden hoffen. Während in den Palästen opulent getafelt wird und andernorts das Lebensnotwendige knapp ist. Während einige versuchen, Geschichte zu schreiben, und andere, ihren Alltag zu überstehen – inmitten dieses Lebens in seiner Fülle reitet einer auf einem Esel in die Stadt.

Aber in diesem einen Menschen, liebe Gemeinde, handelt Gott. So hat es der Prophet Sacharja gehofft. Und so hören wir es im Evangelium dieses Tages. In diesem Moment ist Gott nicht fernab oder hoch über dem Welt- und Alltagsgeschehen zu finden, sondern mittendrin. In dieser unscheinbaren Gestalt, die auf dem Arbeitstier der einfachen Leute reitet. Und die sich mitten unter die Menschen in die Stadt begibt. Diesen Ort der Vielfalt, des politischen Kalküls und der religiösen Hoffnungen.

Siehe, dein König kommt zu dir … Gott kommt zu den Menschen – aber ganz anders als erwartet. Unköniglich – ohne den Glanz von Gold, der auch uns

hier in Rendsburg in dieser Kirche umgibt: erbaut auf Geheiß eines dänischen Königs. Nein, eine königliche Ankunft haben sich die Menschen zu allen Zeiten anders vorgestellt. Und sie wird von Menschen bis heute ganz anders inszeniert, als von Gott selbst.

Teil II

Liebe Gemeinde,

große Hoffnungsbilder von zerbrochenen Kriegsbögen malt uns der Prophet Sacharja vor Augen – und diese eine unscheinbare Gestalt, die auf einem Esel reitet. Ein Alltagsgeschehen wird mit einem Mal zur Königsankunft. Wer dieses Bild betrachtet, taucht tief in das ein, was die biblische Überlieferung von Gott zu erzählen hat. Für mich gehört dazu auch der Einzug Jesu nach Jerusalem. Diese Gestalt auf dem Esel ist der Dreh- und Angelpunkt unseres Glaubens: Da ist ein König, der setzt nicht auf Macht und militärische Stärke. Da ist einer, der erfüllt nicht die Erwartungen an Reichtum und Prunk.

Nein: Da ist einer, der begibt sich mitten in die Alltage der Welt hinein. Mit Bodenhaftung macht er sich die Hände schmutzig und setzt sich den Gefühlen, den Erwartungen, der Liebe und der Hartherzigkeit der Menschen aus.

Inmitten der großen Hoffnungen und der Not unserer Zeit sollen wir gemeinsam danach suchen, was dem Weg dieses Königs auf dem Esel entspricht. Und diese Erkenntnis ist gleichermaßen eine Herausforderung und eine Ermutigung für uns Christinnen und Christen:

Gott begegnet dieser unfriedlichen Welt in dieser einfachen Gestalt. Nicht von oben herab.

Aber als einer, der die Herzen der Menschen für den Frieden gewinnt.

Als einer, der Solidarität lebt und bei den Menschen ist.

Und als einer, der sich berühren lässt von den Kranken.

Wir denken im Lichte dieses prophetischen Bildes an den Dienst von Brot für die Welt. Wir denken an Hilfe zur Selbsthilfe, an Kooperationen mit Projektpartnerinnen und -partner vor Ort, an Bildung für Mädchen, an sauberes Trinkwasser und nachhaltiges Wachstum.

Und so gilt mein Dank allen, die in den letzten 60 Jahren seit Bestehen von „Brot für die Welt“ diesen Dienst möglich gemacht haben und auch heute möglich machen in Wort und Tat, mit anpackendem Engagement und finanzieller Unterstützung. Das ist ein Zeichen des Friedens für diese Welt, ein Zeichen der Hoffnung im Advent. Das Warten auf Frieden soll ein Ende haben.

 

Liebe Gemeinde,

eine vor Freude singende Stadt – zerstörtes Kriegsgerät und der Beginn einer Friedenszeit – und in der Mitte einer, der auf einem Esel reitet. Mit diesen Bildern beginnt das Kirchenjahr. Mit dieser Hoffnungsbotschaft eröffnen wir gleich die diesjährige bundesweite Aktion von „Brot für die Welt“.

Für mich ist es eine Ermutigung: Wir dürfen die Lösung der Weltprobleme nicht von oben herab erwarten. Gott kommt in unsere Welt und sucht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für Frieden und Gerechtigkeit anpacken. Menschen, die sich nicht zufrieden damit geben, dass die Welt ist wie sie ist.

Er sucht als Mensch Mitmenschen, die ein Gespür dafür haben, dass das Brot dieser Welt wirklich Brot für die Welt ist – nicht für die Gier weniger, sondern für den Hunger aller bestimmt. Und das ist auch meine Hoffnung für diese Welt.

So segne Gott unser Hören und Reden und unser Tun – heute und an allen Tagen unseres Lebens. Amen.

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