1. Oktober 2017 | St. Johannis-Kirche Petersdorf auf Fehmarn

„Ein Dank geprägt von Nachdenklichkeit und Sorge“

01. Oktober 2017 von Gothart Magaard

Landeserntedankfest 2017, Jesaja 58, 7-1

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch!

Liebe Festgemeinde hier in Petersdorf, prächtig geschmückt ist diese Kirche. Schon im Eingangsbereich, aber auch vorn im Altarraum: eine Fülle von Obst und Gemüse in allen Farben und Blumen, Getreide und Brot sowie die Erntekrone über allem. Wir können wahrlich dankbar sein!

Gerade haben wir Worte des Propheten Jesaja gehört. Prophetenworte sind Zeitansagen, nicht nur damals vor Jahrtausenden, sondern auch heute. Sie schärfen die Sinne für diese Welt. Dafür, wo Brot für diese Welt bitter Not tut. Und zugleich schärfen sie die Sinne für uns selbst. Der Prophet Jesaja schreibt – wir haben es vorhin in der szenischen Lesung gehört: Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.“

Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt …“ Im Herzen, im Inneren, dem Ort, der klüger ist und der oft weiter sieht als das Gehirn. Der Ort, an dem es uns packt und an dem der ganze Mensch in Bewegung gesetzt wird. Dort beginnt die Veränderung dieser Welt. Von dort ausgehend wird Not gelindert und es wird hell – in uns und um uns herum.

Das eigene Herz finden lassen – d.h. sich nicht verstecken, sich nicht einpanzern, nicht dicht machen, sondern sich den Nächsten etwas angehen lassen. Das steht am Anfang dieses neuen Tages, den der Prophet Jesaja verkündet.

Aber wer so hoffnungsvoll spricht, der weiß auch, was finstere Zeiten sind: Jesaja erlebt, wie sich soziale Abgründe öffnen – ganze Familien geraten in die Schuldenfalle, weil sich das Steuersystem zu ihren Ungunsten verändert hat. Sie verlieren ihr Stück Land und damit die Lebensgrundlage. Und die Schuldner lassen sie die Schulden abarbeiten. Kinder und Erwachsene werden in die Sklaverei verkauft. Ganz legal. Die Profiteure machten nur unsentimental von ihren rechtlich einwandfreien Möglichkeiten Gebrauch. Da kann der Prophet um Gottes Willen nicht schweigen, er kann dieser Umnachtung der Gewissen nicht das letzte Wort lassen.

Jesaja schreibt: „Wenn du in deiner Mitte niemanden unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen.“

„Du“! – so, mit dieser Anrede, beginnt er. Er macht keine Vorhaltungen, er klagt nicht an. Denn könnte man so die verfinsterten Herzen und Seelen erreichen? Jesaja erzählt stattdessen eine andere Geschichte. Eine von Möglichkeiten, die offenstehen: Lichtgestalten könntet ihr sein! Ihr könntet Licht in das Dunkel dieser Welt bringen. Wärme in die finstere Kälte. Ihr könntet Orientierung schaffen. Jesaja stellt seinen Zeitgenossen die Vision eines sozialen und zugleich eines geistlichen Sonnenaufgangs vor Augen.

Ihr seid das Licht der Welt“, wird Jesus in dieser Tradition seiner Gemeinde mit auf den Weg geben.

Liebe Gemeinde,

was feiern wir eigentlich an diesem Tag? Danke sagen wir. Danke, ohne Frage, für die Ernten, die eingebracht wurden. Und wir sehen die Ernte in aller Pracht vor uns und die Erntekrone von der Landjugend.

Wir sagen danke für die gute Kohlernte und auch für Weizen und Raps. Danke für all das, was auf den Feldern gewachsen ist und geerntet werden konnte. Und für die ein wenig Hoffnung machenden stabileren Milchpreise. Danke auch für die Tiere, die gesund geblieben sind und es hoffentlich auch trotz drohender Seuchen bleiben.

Wir sagen Danke für die schwere Arbeit der Landwirte, der Männer und Frauen, die in unserem Land alltäglich dafür mitsorgen, dass das Getreide, der Kohl, das Vieh wächst und lebt. Wir sagen Danke für das Handwerk, das aus Korn Brot werden lässt und aus Milch Butter und Käse.

Doch dieser Dank ist von Jahr zu Jahr ein nachdenklicher – weil wir auch um die Sorgen um unsere Schöpfung, um den Klimawandel und das Wasser wissen. Um die Erschöpfung vieler Landwirte und um die Höfe, die aufgegeben werden, ja werden müssen. Wir wissen, dass bei allen guten Ernten diese Welt nicht vollkommen ist – wir spüren, dass wir dieser Erde, dass wir den Menschen hier und andernorts und, ja, auch uns selbst zu oft nicht gerecht werden.

„Und der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.“ schreibt Jesaja.

Ich will daher auch auf diese hoffnungsvollen Worte hören. Wir brauchen in diesen Zeiten Wegbegleitung, Segen – wir brauchen sie in der Begleitung der Familien auf den Höfen, die in Abhängigkeiten von Weltmarktpreisen in Sorge um das Vieh und den Betrieb sind. Wir brauchen sie im Angesicht einer Welt, in der uns der Hunger viel zu vieler Menschen bedrängend entgegenschreit. In der Machtspiele den Frieden bedrohen und Leid über viel zu viele Menschen bringen.

Die Herzen nicht zu verschließen bedeutet auch, sich nicht von den einfachen Parolen beeindrucken zu lassen. Eine offene Gesellschaft wollen wir sein, und wir sind das, vielerorts gerade im ländlichen Bereich. Daher bin ich dankbar für unsere vielen Begegnungen und Berührungspunkte. Kirche und Landwirtschaft gehören für mich zusammen und sind einander zugleich auch ein Gegenüber.

Ich bin dankbar und es ist mir wichtig, dass wir miteinander auch die eher schwierigen Themen diskutieren. So habe ich es vor zwei Wochen bei unserer Begegnung in Ostholstein erlebt und bei zwei Hofbesuchen im Mai, die ich noch gut vor Augen und auch im Herzen habe.

Miteinander ringen, suchen, fragen, streiten. Das gehört dazu. Denn es gibt nie nur den einen, sogenannten alternativlosen Weg. Das wäre viel zu einfach. Aber das geht eben nur, wenn man den anderen achtet und wertschätzt. In Aufmerksamkeit und Sensibilität füreinander gilt es, dieses Miteinander in unserer Gesellschaft, in Schleswig-Holstein zu pflegen und so gilt mein Dank heute auch allen, Ihnen allen, die Sie dazu beitragen: Der Stadt und Inselgemeinde, der Kirchengemeinde, den Verbänden und Vereinen. Und die Grußworte von Dr. Habeck, Herrn Schwarz und Frau Roehr bringen zum Ausdruck, dass wir diesen Tag aus gutem Grund als Gesellschaft gemeinsam begehen.

Jesaja mahnt zur Aufmerksamkeit füreinander, und er spricht nicht nur vom Hunger: „Wenn du in deiner Mitte niemanden unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen.“

Oft setzt es mehr innere Weite voraus, Menschen gegenüber das Herz zu öffnen, als sie leiblich zu sättigen. Das ist eine Aufgabe, mit der keine Gemeinde, keine Gesellschaft mit ihren noch so guten diakonischen und sozialen Projekten je fertig wird. Nächstenliebe ist im Ernstfall immer Liebe gegenüber denen, die anders sind. Die uns fremd sind, politisch oder menschlich, manchmal auch beides.

Wo wir aufbrechen, in Verbundenheit und Liebe zu den Menschen, den Einheimischen und Fremden und in Dankbarkeit für das, was uns in unserem Leben geschenkt ist, da wird Segen darauf liegen. Solches gebe uns Gott.

Amen

 

 

 

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