18. September 2016 | Kirche Conow

Erstaunlich, was Gottes Geist bewirkt!

16. September 2016 von Christian Meyer

17. Sonntag nach Trinitatis, Regionalgottesdienst zur Besuchswoche, Predigt zu Röm 10,9-17 und Mt 15, 21-28

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.


Liebe Gemeinde!

Besuchswoche! Wir von der Besuchsgruppe freuen uns, eine Woche lang in Ihren Gemeinden zu Gast zu sein. Wir sind gespannt darauf, wie Sie als Gemeinden leben, was Sie bewegt und beschäftigt. Wir möchten erfahren, was Ihnen Sorgen macht und was Ihnen Hoffnung gibt.

Möglicherweise sind auch Sie gespannt auf die Besucherinnen und Besucher – ‚was die wohl im Schilde führen‘, was die wohl sagen werden? Besuch kann schön und anregend sein. Aber ein bisschen Spannung bleibt – zumal wenn man sich noch nicht so gut kennt. Immerhin gucken die ja bei einem rein. Das kann etwas mit einem machen.

Dabei sind wir ja alle miteinander ‚Besuche‘ gewohnt. In jedem Gottesdienst kommen Texte der Heiligen Schrift zu uns und ‚schauen bei uns ein‘, sind eine Weile da und machen etwas mit uns, bevor sie wieder gehen. Die heutigen biblischen Besucher sind besonders spannende Gäste. Ein ungleiches Paar: Der eine redet vom Unglauben der ‚Gläubigen‘. Der andere erzählt vom Glauben der ‚Ungläubigen‘! Verkehrte Welt?

Bieten wir unseren Gästen einen Platz an und lassen Sie der Reihe nach zu Wort kommen!

Da ist der Ausschnitt aus dem Brief an die Christengemeinde in Rom. Paulus  ringt darin mit der Frage, wie das Verhältnis von Judentum und Christentum aus der Sicht Gottes zu verstehen sei:

Warum hat Israel, das den verheißenen Retter seit Jahrhunderten sehnsüchtig erwartete, den Messias nicht erkannt?

Warum wurde dagegen Jesus als der Christus erkannt von Menschen, die nicht zu Gottes Volk gehört hatten und nicht Träger seiner Verheißungen waren?

Hatte sich Gott von seinem Volk abgewandt und seine Versprechen gebrochen?

Wie kann es sein, dass Gottes Volk im Blick auf Christus mehrheitlich ‚ungläubig‘ reagiert?

Paulus versucht später im Römerbrief selbst eine Antwort: Gottes Liebe blieb nicht beschränkt auf das Volk Israel, sondern gilt allen Menschen. Alle sollen gerettet werden. Damit das geschehen kann, wird ein Teil Israels den Messias nicht erkennen –  doch nur so lange, bis sich alle Völker Christus zugewandt haben. Dann wird ganz Israel den Messias erkennen und gerettet werden. Jüdinnen und Juden bleiben Geliebte Gottes, denn Gott hat sie zuerst erwählt.

Aber geben wir uns nicht zu früh mit Antworten ab. Wir könnten nämlich darauf stoßen, dass der ‚Unglaube der Gläubigen‘ auch unser Problem ist:

Da sind Menschen aus dem eigenen Umfeld, die eigentlich zum Glauben berufen sind – Kinder, Enkel, Nichten oder Neffen. Sie sind vielleicht noch getauft, vielleicht sogar konfirmiert. Aber dann ist die Verbindung irgendwie abgerissen. Was uns so wichtig ist, spielt für sie kaum noch eine Rolle. Glaube, Kirche, Gott – das ist ihnen offenbar fremd geworden. Man kann es ihnen ans Herz legen. Man kann versuchen, es ihnen vorzuleben. Aber die Verbindung zu Gott müssen sie schon selbst finden. Sie müssen sich entscheiden. Es schmerzt, dass man Glauben nicht einfach weitergeben kann an die nächsten Generationen.

Der ‚Unglauben der Gläubigen‘ – manchmal findet er sich auch in uns selbst:

wenn uns die Hoffnung abhandenkommt angesichts all der Schwierigkeiten;

wenn wir bei den Hoffnungen anderer nur müde abwinken – „Haben wir doch alles schon probiert!“;

wenn wir eigentlich nur noch unsere Ruhe und das vertraute Programm haben wollen und uns nicht mehr auf etwas Neues einlassen können –

dann spüren wir, dass unser Gottvertrauen Kraft verloren hat. Ich jedenfalls kenne solche Momente. Ich glaube zwar an Gott, aber mein Vertrauen auf ihn ist in dieser Zeit gering.

Was stärkt unseren Glauben? Was verleiht unserem Gottvertrauen neue Kraft?

Wir haben nun aber ja nicht nur vom ‚Unglauben der Gläubigen‘, sondern auch vom ‚Glauben der Ungläubigen‘ gehört. Eine erstaunliche Geschichte, die Matthäus da erzählt: Die kanaanäische Frau lässt einfach nicht locker! Als ‚Ungläubige‘, als Nicht-Jüdin erwartet sie ausgerechnet vom Juden Jesus Hilfe. Als Mutter kämpft sie um die Heilung ihrer Tochter, bis Jesus sich überreden lässt: „Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.“ (V. 28)

Interessanterweise ist das kein Einzelfall. Immer wieder gibt es Menschen, die als vermeintliche ‚Ungläubige‘ eigentlich nicht dazugehören, aber durch ihren Glauben und ihr Verhalten überzeugen:

Da ist der Hauptmann aus Kapernaum, der für seinen Knecht bittet. Und Jesus sagt zu diesem römischen Besatzer:  „Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden. Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast.“

Ebenfalls ein römischer Offizier ist es – keiner der umherstehenden Gläubigen –, der unter dem Kreuz von Jesus sagte:  „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen.“ (Mt 27, 54)

Da ist der Samariter, von dem Jesus erzählt. Er gehört nicht zu Gottes Volk. Aber ausgerechnet er erfüllt Gottes Gebot und kümmert sich um den Überfallenen.

Da liest eine Psychiaterin in der Zeitung von unserem Kurs ‚Glaube zum Kennenlernen‘ und fragt, ob sie eine Patientin überweisen könne: „Was sie hat, ist nicht krank. Ich glaube, das ist religiös.“ Und sie hat recht: Die Frau hatte eine Nahtoderfahrung mit religiöser Qualität und brauchte nur ein wenig Deutungshilfe, um dieses Erlebnis einzuordnen. Obwohl sie nie etwas mit Kirche zu tun hatte, kommt sie zum Glauben und lässt sich taufen.

Da nutzt eine Kirchgemeinde drei ihrer 14 Dorfkirchen nicht mehr, weil niemand mehr kommt – und nach einiger Zeit der Brache rufen in der Adventszeit Vertreter zweier Dörfer die Pastorin an, ob sie nicht in die Kirche könnten zum Weihnachtsliedersingen.

Da sind Menschen, die sich nicht als Christen verstehen. Aber dass sie sich in der Telefonseelsorge engagieren, ist für sie eine Herzensangelegenheit.

Da sind Menschen im Iran, als Muslime aufgewachsen. Träume treiben sie um – Träume davon, dass sie Christen werden. Es verschlägt sie nach Deutschland. Sie lassen sich unterweisen und erleben ihre Taufe als Befreiung.

Da sind Menschen, die früher vom Sozialismus überzeugt waren und in der DDR ihren Weg machten. Aber nun hat sich für sie etwas verändert: Sie engagieren sich im Förderverein für die Kirche. Manche wollen auch zur Kirchgemeinde dazugehören.

Ich hörte von einer Muslima in Kasachstan, deren Großvater ein wichtiger muslimischer Geistlicher, ein Imam war. Ihm erzählte sie, dass sie trotz aller Bemühungen die innere Verbindung zu Gott verliere. Da schenkte der alte Imam seiner Enkelin ein Neues Testament. Damit sollte sie es versuchen. Sie las es und wurde Christin.

Kurz nach der friedlichen Revolution kam ein Mädchen in unser Pfarrhaus, vielleicht 9 oder 10 Jahre alt, und erklärte entschlossen: „Ich will getauft werden!“ Ihre Eltern, bis vor kurzem Genossen, verstanden die Welt nicht mehr. Das Kind hatte einfach eine Kinderbibel gelesen, und nun glaubte es und setzte seinen Taufwunsch bei den Eltern durch.

Erstaunlich, was Gottes Geist bewirkt! Mitten unter Leuten, bei denen man es sich auf den ersten Blick gar nicht vorstellen kann! Nicht alle kommen sogleich zum Glauben an Jesus, den Christus. Aber Gott hat sie berührt. Und er geht einen Weg mit ihnen!

Das gibt mir Hoffnung, wenn ich an die Kinder und Enkel denke, an die Nichten und Neffen, die zumindest zeitweise ihre Verbindung zu Gott verloren haben. Gott gibt sie nicht auf! Er ist mit ihnen auf dem Weg! Wir können hoffen und beten, dass sie neu zu ihm finden.

Dass Gottes Geistkraft wirkt, gibt mir Hoffnung für uns selbst, wenn wir müde und mutlos geworden sind. Gott sei Dank hängt nicht alles an uns und unserer Kraft! Gott sei Dank schenkt er uns nach Zeiten der Dürre neue Hoffnung! Er steht uns bei, wenn wir Veränderungen zu bewältigen haben. Er führt seine Sache durch die Zeiten! Er ist der Herr und schenkt neues Leben – wie wir es heute gehört haben:

„Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.“ (V. 9)

Darauf kommt es an. Darauf wollen wir getrost unser Leben und unsere Gemeinden bauen.
Amen.

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