Nordkirche stellt sich den Herausforderungen

Folgen der Corona-Pandemie führen zu geringeren Kirchensteuereinnahmen

26. Juni 2020 von Stefan Döbler

Schwerin. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) rechnet aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie für 2020 mit erheblichen Ausfällen bei den Kirchensteuereinnahmen. Laut aktueller Schätzung geht die Nordkirche für 2020 von Kirchensteuerreinnahmen in Höhe von 470 Millionen Euro aus. Das wären 12,3 Prozent weniger als erwartet.

Im Haushalt 2020, den die Nodkirche noch vor dem Lockdown beschlossenen hatte, war noch mit Einnahmen von 536 Millionen Euro gerechnet worden. Im September wird eine erneute Steuerschätzung erwartet. Da die Höhe der Kirchensteuer anhand der Lohn- und Einkommenssteuer berechnet wird, sind die staatlichen Steuerschätzungen Grundlage auch für die Schätzung zur Kirchensteuer.

Die Landeskirche hat bereits auf die erwarteten Mindereinnahmen reagiert. Eine „Task Force Finanzen“ überprüft die finanzielle Lage der Landeskirche und entwickelt Handlungsempfehlungen. Für die landeskirchliche Leitung und Verwaltung gelten Sperren für die Besetzung frei werdender Personalstellen und für Beförderungen. Bei der Haushaltsplanung 2021 wird es Restriktionen für die Besetzung landeskirchlicher Stellen und für landeskirchliche Investitionsvorhaben geben.

Auch die 13 Kirchenkreise mit den rund 1.000 Kirchengemeinden der Nordkirche stellen sich auf die erwarteten Einnahmeausfälle ein. Mit der eigenständigen Etatverantwortung und -verwaltung auf den jeweiligen Ebenen der Nordkirche ist zugleich auch die Verpflichtung verbunden, Vorsorge zu treffen, etwa für einen möglichen Rückgang der Finanzen.

Finanzausschussvorsitzender: Weitsichtiges Haushalten in den letzten Jahren

Michael Rapp, Vorsitzender des Finanzausschusses der Landessynode, hebt angesichts der aktuellen Entwicklung hervor: „Während wir auch in der Nordkirche die Bemühungen um eine Eindämmung der Corona-Pandemie unterstützen, haben wir zugleich ihre wirtschaftlichen Folgen im Blick. Diese werden sich voraussichtlich auch noch in den nächsten Jahren auf die Kirchensteuereinnahmen auswirken. Durch weitsichtiges Haushalten in den vergangenen Jahren konnten in der Nordkirche Ausgleichsrücklagen gebildet werden. Mit ihrer Hilfe gilt es nun, die aktuellen Einbrüche aufzufangen, bis die notwendigen Anpassungen an die veränderte Einnahmesituation greifen. Gemeinsam werden wir uns der Herausforderung stellen, um sie erfolgreich zu bewältigen.“

Als Folge der durch die Pandemie bedingten Rezession erwartet die Nordkirche für 2021 ebenfalls geringere Kirchensteuerreinnahmen. Ein Ausschuss der Kirchenleitung entwickelt derzeit einen Handlungsrahmen mit dem Ziel, vor diesem Hintergrund einen ausgeglichenen Haushalt für 2021 aufzustellen. Zudem hat die Kirchenleitung eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung des Finanzausschusses der Landessynode und des Landeskirchenamtes eingerichtet, um Strukturen und Abläufe in der Landeskirche an die verringerten Finanzressourcen anzupassen.

Hintergrund: Kirchensteuereinnahmen

Kirchensteuern sind die monatlichen Mitgliedsbeiträge der Kirchenmitglieder. Ihre Berechnung orientiert sich an der Höhe der Lohn- und Einkommenssteuer. Gegen eine Gebühr, die die Kirche an die Bundesländer entrichtet, nehmen deren Finanzämter von steuerpflichtigen Kirchenmitgliedern neben der Lohn- und Einkommenssteuer auch die Kirchensteuer ein.

Die gesamten finanziellen Einnahmen der Nordkirche, darunter größtenteils Kirchensteuereinnahmen, werden – nach Vorwegabzügen, etwa für gesamtkirchliche Aufgaben und Versorgungsleistungen – vollständig aufgeteilt:

  • Der weitaus größte Teil der Einnahmen kommt mit 81,28 Prozent den 13 Kirchenkreisen und damit auch den Kirchengemeinden zu sowie den Einrichtungen, Diensten und Werken der Kirchenkreise. Die Kirchenkreise sind für die angemessene finanzielle Ausstattung der Kirchengemeinden verantwortlich.
  • Der kleinere Teil der Einnahmen von 18,72 Prozent ist für die landeskirchliche Ebene bestimmt. Dazu gehören zum Beispiel die landeskirchlichen Dienste und Werke (Hauptbereiche), unter anderem für die Arbeit mit Jugendlichen, Familien, Frauen, Männern und älteren Menschen, aber auch für landeskirchliche Aufgaben im Rahmen von Seelsorge und Beratung, Evangelischer Akademie, Kirchenmusik, sozialer Arbeit, Aufgaben in weltweiter ökumenischer Gemeinschaft, für Gerechtigkeit und Frieden, Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Ebenfalls aus diesem landeskirchlichen Anteil an den Einnahmen werden die Aufgaben der landeskirchlichen Leitung und Verwaltung finanziert.

Die Nordkirche gehört zu den sechs größten Landeskirchen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie ist flächenmäßig die zweitgrößte Landeskirche, ihr Gebiet reicht von der dänischen bis zur polnischen Grenze. Zu ihr gehören rund 1.000 Kirchengemeinden mit fast 1.900 Kirchen und Kapellen.

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