Bericht der Arbeitsstelle Geschlechtergerechtigkeit vor der Landessynode

Gleichstellung und Familienfreundlichkeit im Fokus

© Maren Warnecke / Nordkirche

30. September 2016 von Maren Warnecke

Lübeck-Travemünde. Wie sieht es mit der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Nordkirche aus? Welche Strategien sollten in der Kirche entwickelt werden, um dem sogenannten Antigenderismus zu begegnen? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich die Arbeitsstelle Geschlechtergerechtigkeit in der Nordkirche. Stephanie Meins und Thomas Schollas, Beauftragte für Geschlechtergerechtigkeit, stellten den 156 Synodalen auf ihrer Tagung in Travemünde den aktuellen Bericht der Arbeitsstelle vor.

724 Pastorinnen (42,5 Prozent) waren mit Stand 1. April 2016 auf dem Gebiet der Nordkirche beschäftigt. Bis 2030 werde ihr Anteil voraussichtlich auf 60 Prozent steigen, so Stephanie Meins. Während die Anzahl an Pastorinnen stetig zunehme, seien in der höchsten und der mittleren Leitungsebene der Nordkirche Frauen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Stephanie Meins: „Der Anteil von Frauen im pröpstlichen Amt liegt in den letzten acht Jahren konstant bei etwa 26 Prozent.“

Noch geringer sei die Quote bei leitenden Frauen sowohl in den Bereichen der Dezernate und Hauptbereiche wie auch auf der Ebene der Verwaltungen in den Kirchenkreisen der Nordkirche. Das Fazit der Arbeitsstelle Geschlechtergerechtigkeit: Das im September 2013 von der Synode verabschiedete Kirchengesetz zur Verwirklichung von Geschlechtergerechtigkeit hat in den Bewerbungsverfahren für Leitungsstellen bislang eine nicht ausreichende Wirkung entfaltet. Ein Ziel des Kirchengesetzes ist die Erhöhung des jeweils unterrepräsentierten Geschlechts in einer Qualifikationsebene.

Anteil an Frauen in Leitungspositionen stärken

Die Gründe für die Unterrepräsentanz von Frauen in Leitungspositionen sind vielfältig. Kirchliche Leitungsstellen seien von ihrer Struktur und Arbeitskultur traditionell männlich besetzt, so Meins. Eine Leitung in Teilzeit sei noch die Ausnahme. „Viele Frauen und manche Männer wollen sich heute dem Diktat der weitgehenden Verfügbarkeit nicht länger unterwerfen. Insbesondere unsere Leitungsstrukturen mit ihren vielen Gremien und Sitzungsterminen werden auf Dauer nicht unverändert bleiben können“, mahnte Thomas Schollas.

Als Beispiel für die gelungene Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung von Geschlechtergerechtigkeit nannte sie das Zentrum für Mission und Ökumene – Nordkirche weltweit. Im Oktober 2015 hatte dessen Vorstand unter anderem entschieden, Leitungspositionen geschlechtsparitätisch zu besetzen und in Vorstandsausschüsse mindestens 40 Prozent Personen eines Geschlechts zu berufen. Ist das nicht möglich, bleibt die Position so lange unbesetzt, bis eine Person des unterrepräsentierten Geschlechts gefunden wurde. „Es braucht möglichst verbindliche Beschlüsse und deren Umsetzung durch Leitungsverantwortliche, um eine Wirkung zu erzielen“, so die Gleichstellungsbeauftragte weiter. Freiwillige Maßnahmen blieben häufig unbeachtet und wirkungslos.

Kulturwandel mit gendersensibler Sprache

Zum Kulturwandel auch innerhalb der Kirche gehört für Stephanie Meins die Förderung gendersensibler Sprache. Wenn Sprache Realität schaffe, müsse Kirche an dieser Stelle besonders sensibel und klar sein. „Als Kirche, die aus der Vision einer inklusiven Gemeinschaft, in der Vielfalt und Gleichwertigkeit zentral sind, lebt, haben wir eine besondere Verantwortung.“ Diesem Leitbild stünden Bemühungen mancher Gruppen entgegen, die traditionelle Rollen- und Geschlechterbilder mit Berufung auf christliche Traditionen reaktivieren wollen. „‘Gender‘ ist zum Reizwort und Kampfplatz geworden. Umso mehr müssen wir als geschlechtergerechte Kirche zur Versachlichung beitragen.“

Mit diesem Thema wird sich am 5. Dezember 2016 die Fachtagung „‘Gendergaga?!‘ der Anti-Gender-Bewegung und Gegenstrategien für die Kirche“ im Ökumenischen Forum Hafencity in Hamburg befassen. Ziel ist es, das Phänomen des „Genderismus“ näher zu beleuchten und Ideen zu entwickeln, wie einer Etablierung rechten Gedankenguts in der Mitte der Gesellschaft begegnet werden kann, kündigte Thomas Schollas an.

Strategien für Kirche im Umgang mit Gender-Gegnern

Die Arbeitsstelle Geschlechtergerechtigkeit präsentierte den Synodalen heute auch die Handreichung „Zusammen-Wachsen - Wege zur Frauenordination auf dem Gebiet der heutigen Nordkirche“, ein Gemeinschaftsprojekt der Beauftragten für Geschlechtergerechtigkeit, Stephanie Meins, und Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong (Theologische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel). Stephanie Meins: „Im Fokus steht zum einen die Spannung zwischen der Selbstverständlichkeit von Frauenordination für unseren Kontext heute und die relativ kurze Zeit, in der das erst möglich ist, sowie der Blick auf die Argumentationsmuster und Schwierigkeiten von damals, die auch heute manches erklären. Wir hoffen, damit eine wichtige Lücke für das Selbstverständnis der Nordkirche zu schließen.“

Am Vormittag hatten sich die 156 Synodalen aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern bereits mit dem Schwerpunktthema „Kirche des gerechten Friedens werden“ beschäftigt. Nach dem Vortrag des Friedenstheologen Professor Fernando Enns, der den Stand der Debatte um die Friedensethik in der Ökumene vorgestellt hatte, diskutierten die Synodalen in 15 Arbeitsgruppen über die verschiedenen Aspekte von Gerechtigkeit und Frieden. Dazu zählen unter anderem die ethische Problematik von Waffenexporten, Pazifismus als Grundhaltung und Frieden durch gerechte Wirtschaft.

Propst Matthias Bohl (Hamburg), Vorsitzender des Ausschusses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung: „Als Kirche folgen wir dem Auftrag aus dem Evangelium von Jesus Christus, Frieden und Versöhnung zu leben. Das wird noch viel mehr als bisher unseren Umgang miteinander bestimmen. Achtsamkeit untereinander macht achtsam gegenüber unseren weltweiten Verbindungen. Dabei helfen uns die Impulse aus der weltweiten Kirche, der Ökumene.“

Positionspapier zum Thema Frieden für die November-Synode

Aus den Ergebnissen aus dem Diskussionsprozess des Vormittags wird der Ausschuss für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ein Positionspapier für die 15. Tagung der Landessynode im November vorbereiten, kündigte Matthias Bohl an. „Dieses Positionspapier soll die Beschäftigung mit dem Friedensthema auf den verschiedenen Ebenen der Nordkirche befördern. Unsere Nordkirche kann und wird zu einer noch deutlicher wahrnehmbaren Stimme für eine friedensstiftende, gewaltfreie und gerechte Politik in unserer deutschen und europäischen Gesellschaft werden.“ 

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