8. Dezember 2019, zweiter Advent | Stadtkirche zu Penkun, Pommerscher Evangelischer Kirchenkreis

Gott braucht uns für Frieden, Versöhnung und neues Miteinander

08. Dezember 2019 von Kristina Kühnbaum-Schmidt

Predigt am 2. Advent zu Lukas 1, 76-79

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt.

Amen.

I

Liebe Gemeinde,

„Worauf freuen Sie sich in der Adventszeit am meisten?“, so hieß es in einer Radioumfrage. Bei den Antworten schnitt das Singen von Advents- und Weihnachtsliedern nicht schlecht ab. Aber an erster Stelle stand es nicht. Weiter vorn lagen das Bummeln über Weihnachtsmärkte, das gemeinsame Einkaufen von Geschenken, das Naschen weihnachtlicher Süßigkeiten und – Glühwein- und Punschtrinken. All das konnte man in den letzten Tagen hier beim Penkuner Adventsmarkt sicher ausgiebig tun. Bestimmt haben das viele Menschen auch gern getan. Und ganz sicher ist das Singen von Adventsliedern dabei nicht zu kurz kommen.

„Worauf freuen Sie sich in der Adventszeit am meisten?“ Welche Antwort aber stand hier wohl an erster Stelle? Worauf freuten sich die meisten Menschen ganz besonders? „Auf das Kerzenlicht“ – diese Antwort wurde am häufigsten gegeben. Das Kerzenlicht – Grund zur Freude im Advent. Ja, das Kerzenlicht – im Licht einer Kerze wird der dunkle Abend anheimelnd, die Gesichter der Menschen sehen weicher aus und die Stimmung im Raum ändert sich. Festlicher wird es, liebevoller, und gleich viel wärmer ums Herz.

II

Aber warum ist das Kerzenlicht im Advent ein besonderer Grund zur Freude? Schließlich kann man ja das ganze Jahr über Kerzen entzünden. An dunklen Winterabenden ebenso wie in lauen Sommernächten. Was macht das Kerzenlicht im Advent so besonders? Vielleicht ist das Kerzenlicht im Advent mit anderen, besonderen Erinnerungen verbunden. An die Kinderzeit, als mit dem Licht der Adventskerzen endlich auch die Zeit des Plätzchenbackens und der weihnachtlichen Geheimnisse begann. Vielleicht ist das Kerzenlicht im Advent aber auch mit einer anderen Bedeutung gefüllt als das Licht der Kerzen im übrigen Jahr. Denn das Kerzenlicht im Advent, das scheint nicht nur so vor sich hin, es scheint von woanders her. Es scheint schon vom Heiligen Abend her. Das Licht der Adventskerzen zeigt an, wie lange es noch bis zum Heiligen Abend dauert. Erst ein, dann zwei… Das Licht der Adventskerzen ist so besonders, weil es von Weihnachten her schon zu uns voraus leuchtet. Und so auf das hinweist, was im 50. Psalm so gesagt wird:

„Siehe, aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. Unser Gott kommt und schweigt nicht.“

Der schöne Glanz Gottes bricht an – dafür stehen die Kerzen im Advent. Sie stehen für Hoffnungen und Sehnsüchte. Machen uns bereit, bereiten uns vor auf das, was kommen wird. Sie bereiten uns vor auf den Heiligen Abend. Darauf, dass Gott zu uns kommt. In einem Kind, dem Christuskind. Der Advent ist deshalb so etwas wie Geburtsvorbereitungszeit. Denn so, wie die Geburt eines Kindes unser Leben verändert, in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt, so ist das auch mit der Geburt des Christuskindes. Auch dessen Geburt lässt unser Leben in einem gänzlich anderen Licht erscheinen. In dem Licht der Barmherzigkeit, der Liebe, des Friedens. Aber noch ist es nicht so weit. Noch ist Vorbereitungszeit. Sie hat gerade erst begonnen. Und ist doch schon voll mit Wünschen. Mit Sehnsucht. Mit Hoffnung.

III

Welche Hoffnungen bewegen uns heute Nachmittag, hier in Penkun? Wonach sehnen wir uns? Als Einzelne, als Gemeinde? Dass etwas in unserem ganz persönlichen Leben gut werden möge? Eine gestörte Beziehung wieder heil? Dass Trauer und Traurigkeit um einen geliebten Menschen weichen und neues Glück wachsen kann? Dass das Leben in diesem Ort und in dieser Kirchengemeinde gute Perspektiven hat? Mit Menschen, die nicht nur auf sich, sondern auch auf andere sehen? Die füreinander da sind, aufeinander achten und füreinander Sorge tragen? Und welche Hoffnungen bewegen uns, wenn wir an das Leben in unserem Land, auf dieser Erde denken? Dass Frieden Einzug hält, wo Menschen um ihr Leben bangen? Dass Einsicht und Verantwortung einkehren damit das Leben auf unserem Planeten weiter besteht?

Advent ist Vorbereitungszeit. Hoffnungszeit. Hoffnung darauf, dass Gott kommen möge. Mitten in den Alltag unseres Lebens. Mitten in all die verdrängten Probleme und zerplatzten Hoffnungen. Mitten in den Alltag auf dieser Welt. Mitten in Krieg und Verfolgung. Mitten in die Elendsviertel dieser Erde und die Flüchtlingsdramen auf hoher See. Der Herr der Herrlichkeit, von dem wir in so manchem Adventslied singen, er möge kommen. Und mit ihm seine Liebe, sein Frieden, seine Gerechtigkeit. Er möge kommen zu denen, die längst vergessen haben, dass sie ihn vergessen haben. Zu denen, für die er bestenfalls eine Erinnerung aus Kindertagen ist. Zu denen, die seinem Frieden und seiner Gerechtigkeit nichts zutrauen. Zu allen, die sich selbst genug sind.

IV

Inmitten dieser Sehnsucht, inmitten aller vorweihnachtlichen Geschäftigkeit, inmitten aller Vorbereitungen zu Hause, aller noch zu erledigenden Arbeit im Beruf erinnern uns die biblischen Texte: Gott kommt ganz unscheinbar zur Welt. Ohne großes Gefolge. Ganz unscheinbar. So, wie wir alle zur Welt gekommen sind. Als Kind, geboren von einer Frau. Ein Gott, der ein Mensch wird. Ein Gott, der ein Kind wird. Ein Kind, das Liebe braucht und Liebe schenkt. Wie jedes Kind, das von seinen Eltern erwartet wird.

In der Bibel wird davon berichtet, wie ein Vater, der die Geburt seines Kindes erwartet, dabei von Gott spricht. Dieser Vater, Zacharias, singt ein Lied. Und dessen Text geht so:

Denn unser Gott hat mit uns Erbarmen. Wenn er zu uns kommt, wird es sein, wie wenn die Sonne aufgeht. Er wird leuchten für uns, die wir in des Todes tiefem Schatten sitzen, und er lenkt uns auf den Weg des Friedens.

Ja, so kann man von Gott sprechen. Von den großen Erwartungen, die sich mit ihm verbinden. Wenn Gott kommt, wenn Gott zur Welt kommt, dann wird es sein, wie wenn die Sonne aufgeht. Gottes Licht wird so leuchten, dass alle Finsternis vergeht. Wenn Gott zur Welt kommt, wird der Tod vom Leben überwältigt. Wenn Gott zur Welt kommt, wird Friede auf Erden. So singt in der Bibel ein werdender Vater sein Lied der Erwartung. Und wenn wir singen, unsere Adventslieder singen, dann singen auch wir von Erwartung, von Hoffnung.

Wir singen davon, wie es ist, wenn Friede auf Erden wird. Wenn Schuld vergeben wird. Wenn der Tod nicht mehr das letzte Wort hat. Wir singen davon, wie es ist, wenn Fremde bei uns ein Zuhause finden, und von Herzen willkommen sind, weil wir wissen, dass auch wir bei Gott von Herzen willkommene Gäste sind. Wir singen davon, wie es wird, wenn Gott zur Welt kommt in einem neugeborenen Kind. Wir singen davon, wie es ist, wenn die Kinder dieser Welt nicht mehr vor Krieg und Gewalt flüchten müssen.

V

Als Gemeinde hier in Penkun haben Sie in der Geschichte, hier so nahe der Grenze zu Polen, erlebt, wie es ist, wenn Neues kommt und entsteht. Obwohl so vieles zerstört war und darniederlag. Als Gemeinde hier in Penkun haben sie erlebt, dass das Neue, das kommt, nicht einfach so vom Himmel fällt. Sondern dass es unsere Mitarbeit braucht. Für Frieden, Versöhnung, Begegnung und neues Miteinander. Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Täglich neu.

Dass Neue, das im Advent auf uns zukommt, es kommt von Gott. Aber Gott braucht auch uns, damit es Wirklichkeit wird. Unsere Herzen, die sich nach seiner Liebe und Barmherzigkeit, nach seinem Frieden und seiner Versöhnung sehnen. Unsere Hände, die sich öffnen und diese Liebe und Barmherzigkeit, diesen Frieden und diese Versöhnung an andere weiter geben. Und sie selbst von anderen empfangen.

Im Advent sagen, singen, handeln wir im Namen der Liebe Gottes gegen Hass und Hetze. Im Namen der Hoffnung Gottes gegen Leid und Tod. Im Namen der Gerechtigkeit Gottes gegen Unterdrückung und Verzweiflung. Im Namen des Friedens Gottes gegen Krieg und Gewalt. Wir bereiten uns vor, Gott selbst zu empfangen. Mit offenen Händen und Herzen. Im Hoffnungslicht der Adventskerzen.

Siehe, aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. Unser Gott kommt und schweigt nicht.

Amen.

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