Nordkirche lud nach Schleswig ein

Gottesbezug und Flüchtlingspolitik im Mittelpunkt des Sommerempfangs

Beim Sommerempfang in Schleswig: Ministerpräsident Torsten Albig gemeinsam mit Landesbischof Gerhard Ulrich (rechts), Bischof Gothart Magaard (links) sowie dem Präses der Landessynode, Dr. Andreas Tietze
Beim Sommerempfang in Schleswig: Ministerpräsident Torsten Albig gemeinsam mit Landesbischof Gerhard Ulrich (rechts), Bischof Gothart Magaard (links) sowie dem Präses der Landessynode, Dr. Andreas Tietze© Marie-Elisabeth Most-Werbeck

06. Juli 2015 von Marie-Elisabeth Most-Werbeck

Schleswig. „Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe.“

Unter diese biblische Tageslosung (Jesaja 57,19) stellte Bischof Gothart Magaard (Sprengel Schleswig und Holstein) seine Ansprache heute (6. Juli) beim Sommerempfang der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche). Mehr als 200 Gäste aus Politik, Gesellschaft, Kultur und Medien waren der Einladung in den St. Petri-Dom in Schleswig gefolgt.

Der Präses der Nordkirchensynode, Dr. Andreas Tietze, und Landesbischof Gerhard Ulrich hießen die Gäste willkommen, unter ihnen Ministerpräsident Torsten Albig, Innenminister Stefan Studt, die Präsidentin des Oberlandesgerichts, Uta Fölster, der Präsident der Christian-Albrechts-Universität Kiel, Prof. Dr. Lutz Kipp, Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke, der Vorsitzende des Landesbauernverbandes, Werner Schwarz, sowie Bundes- und Landtagsabgeordnete, Landräte, Stadt- und Kreispräsidenten

Da sein für die Flüchtlinge

Nach der Begrüßung durch Präses Tietze und einer sommerlichen Kurzandacht von Landesbischof Gerhard Ulrich über das Paul Gerhardt-Lied "Geh aus, mein Herz, und suche Freud", stellte Ministerpräsident Torsten Albig die Flüchtlingspolitik in den Mittelpunkt seines Grußwortes. Er tue sich schwer damit, die europäische Flüchtlingspolitik noch als christlich oder menschenwürdig zu bezeichnen. Schleswig-Holstein habe nur wenig Einfluss darauf, dass Europa die Außengrenzen abriegele und im Mittelmeer mit Polizei statt mit Seenotrettung patroulliere. Aber Schleswig-Holstein könne für eines sorgen: "Dass wir da sind für die wenigen, die die Festung Europa erreichen. Das ist nach meinem Verständnis das Mindestmaß christlichen und anständigen Handelns", so der Ministerpräsident.

Schnittmengen beachten und fördern

Hatice Kara, Mit-Initiatorin der Volksinitiative für einen Gottesbezug in der Landesverfassung und Bürgermeisterin von Timmendorfer Strand, machte in ihrem Grußwort deutlich, dass Islam und Demokratie, Freiheit, Menschen- und Frauenrechte zusammenpassen. Timmendorfer Strand könne als Richtschnur dienen: "Wir leben ein vorbildliches Miteinander mit ausgeprägter Wertschätzung und Akzenten, die für eine 'neue Normalität' stehen". Sie warf die Frage auf, warum dem radikalisierten, fundamentalistischen Islam eine öffentliche Deutungs-Hoheit für den Islam unterstellt werde. "Natürlich sind solche Auswüchse gefährlich, doch sie sind absolute Minderheits-Positionen und beleidigen die Mehrheit", so Hatice Kara. Es gebe eine beachtliche, neue Schnittmenge zwischen evangelischer Kirche im Norden und Reform-Islam. Wo diese Schnittmenge beachtet und gefördert werde, "da gewinnen beide Seiten: an Bedeutung, an öffentlichen Gestaltungsmöglichkeiten und natürlich an Gemeinsamkeit."

Bischof Gothart Magaard ließ in seiner Ansprache vor den Anwesenden verschiedene Themen anklingen. Unter anderem machte er deutlich, dass die Volksinitiative zum Gottesbezug generell ein Gewinn sei, denn "die religionsverbindende und im besten Sinne bunte Volksinitiative", habe eine breite, teils kontroverse öffentliche Debatte und viele bemerkenswerte Gespräche und Begegnungen ermöglicht. "Und so grüße ich an dieser Stelle nicht nur unsere katholischen Geschwister, sondern auch die Vertreterinnen und Vertreter der jüdischen Gemeinden und der Muslime in Schleswig-Holstein", sagte Magaard. Gastfreundschaft bedeutet, Fremde willkommen zu heißenAuch die Flüchtlingsarbeit sprach der Bischof an.

"Die Aufgabe, gastfreundliche Gemeinde zu sein, ist kein Sonderfall des kirchlichen Lebens und aus meiner Sicht auch kein Sonderfall des Lebens in unserer Bürgergemeinde, sondern der Normalfall." Gastfreundschaft bedeute, dass Fremde willkommen seien und nicht nur längst Bekannte und Glaubensgeschwister. Er dankte der Landesregierung, dass sie gemeinsam mit anderen einen Flüchtlingspakt unter der Überschrift "Integration vom ersten Tag an" geschlossen habe. Dankbar sei er aber auch, dass in mehr als 150 Kirchengemeinden breite Bündnisse gewachsen seien, um vor Ort Flüchtlingen zu helfen. Die Nordkirche unterstütze diese Arbeit mit der Finanzierung einer hauptamtlichen Stelle in jedem Kirchenkreis für fünf Jahre. Magaard: "Dabei dürfen wir allerdings nicht aus den Augen verlieren, dass es weitere, große Teile der Bevölkerung gibt, deren Nöte vielfältig sind", und nannte die oft prekären Startbedingungen für Kinder und Jugendliche, die Nöte von Alleinerziehenden, die um sich greifende Altersarmut, die Lage der Wohnungslosen.

Unter dem Stichwort "Pflicht zur Verantwortung" rief Gothart Magaard dazu auf, "unser Wirtschaften und Verbrauchen auf Kosten anderer, die weltweiten Konsequenzen unseres Handelns hier im kleinen Schleswig-Holstein, zu überdenken". Zu einseitig werde mit Blick auf die aktuellen Konflikte insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent die religiöse Grundierung der Konflikte herausgestellt. Wirtschaftliche Interessen, Rüstungsexporte, Folgen des Klimawandels sowie Machtmissbrauch und Korruption führten ebenso zu Verwerfungen und gefährdeten den fragilen sozialen Zusammenhalt. Er hoffe, so der Bischof, dass die Partnerschaftskonsultation der Nordkirche mit ihren Partnerkirchen im September in Breklum auch hier neue Anregungen bringen werde, "die wir als Nordkirche dann in die weitere Zusammenarbeit mit Ihnen allen hineintragen können".

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