27. August 2026 | Hauptkirche St. Michaelis

Gottesdienst für die neuen Auszubildenden 2026

28. August 2026 von Kirsten Fehrs

Predigt zu Jesaja 43,1–2

1Und nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, [Jakob, und dich gemacht hat, Israel]: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! 2Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen.

 

Liebe Auszubildende, liebe Staatsrätin, liebe Katharina,

liebe Azubi-Gemeinde,

„Alles leuchtet, der Himmel ist weit. Die Sicht ist klar, der Weg ist da. Und die Straßen sind frei!“ Genau das richtige Lied für euren Start in die Ausbildung! Ab nach vorn! Und nicht nur das Licht strahlt, auch ihr, das war schön zu sehen, als ihr eben in den Michel hineinkamt. Da ist so viel Energie, Neugier, Mut – das konnte man ja auch bei euren tollen Statements spüren. Dieser euch allen gemeinsame Wunsch, dass das, wofür ihr euch entschieden habt, Sinn gibt. Anderen hilft. Euch entspricht mit Euren Gaben. Und deshalb ist das Ganze heute ja auch aufregend. Weil ihr wirklich einen neuen Weg im Leben einschlagt. Erwachsen und frei. Ihr habt euch entschieden und erfolgreich beworben – und nun geht´s los bzw. ist schon losgegangen.

Von Herzen wünsche ich euch, dass ihr euch euer Vertrauen, euer Selbstvertrauen erhaltet. Auch mithilfe eurer Ausbilder und Eltern und Freunde, und nicht zuletzt: mit Gottes Hilfe. Gott – den wir hier mit unterschiedlichen Namen nennen. Großartig, wie viele Religionen heute vereint sind unter dem großen Dach vom Michel. Seid willkommen! Es ist wichtig in diesen Zeiten, dass wir den guten interreligiösen Dialog in Hamburg aufrecht erhalten für den Frieden in dieser Stadt.

Und das eben: mit Gottes Hilfe. Wie jetzt zu Beginn der Ausbildung. Denn – auch davon singt ja das Lied – es gibt im Leben immer diese Momente, in denen man verunsichert ist. Da sind auf einmal Angst und Zweifel, Schall und Rauch und ein uferloses Meer an Fragen. Kann ich das? Schaffe ich das? Will ich das überhaupt? Diese Mischung aus Sorgen, Freude und Aufregung gehört ja zu jedem Neustart. Feuer und Flamme eben, so heißt ja auch dieser Gottesdienst. Und ihr habt eben erzählt, wofür euer Herz brennt. Anna Maria, du magst es, jeden Tag vor kleine neue Aufgaben gestellt zu werden. Diyar, du sagst: Es sind die kleinen Gesten, die den Unterschied machen – zuhören, ein Lächeln. Waris, du willst Menschen helfen, die Hilfe brauchen. Sarina, du lernst von den Kindern, die Dinge mit Kinderaugen zu sehen. Und Leonie, du bist 17 – und sorgst dafür, dass Menschen Abschied nehmen können, so wie es zu ihnen passt. Ich war beim Zuhören sehr beeindruckt, wie klar ihr sagen könnt, wofür ihr brennt und was euch wichtig ist.

Ihr habt aber auch das Andere erzählt. Von Fehlern, die weh tun. Von Patienten, die ihr verloren habt. Von Tagen, an denen der Druck groß ist. Feuer und Flamme sein, das klingt schön. Aber Feuer wärmt nicht nur. Feuer kann auch zerstören, Wälder, Felder, Häuser. Das haben wir in diesem Sommer viel zu oft in den Nachrichten gesehen. Und wenn man innerlich für etwas brennt, kann auch das zu viel werden, so dass man ausbrennt und kraftlos wird. Burnout nennt man das, wenn dann gar nichts mehr geht. Da sei bitte Gott vor!

Ist er auch. Immer schon. Über Jahrtausende hat er Menschen an den entscheidenden Wegkreuzungen im Leben begleitet. Und sagt: Wenn du durchs Wasser gehst, bin ich bei dir. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht verbrennen. Da steht übrigens nicht: Du kommst nie ins Wasser. Da steht nicht: Feuer gibt es bei dir nicht. Das wäre ja auch gelogen. Da steht: Ich bin dabei. Ich lasse dich nicht allein. Gerade nicht, wenn es mal kritisch wird. Wenn du an eine Grenze kommst. Wenn du so richtig genervt bist oder sogar verzweifelt. Deshalb steht da als allererstes der schönste Satz überhaupt: Fürchte dich nicht! Weil Gott bei dir ist und dich bei deinem Namen gerufen hat und du zu ihm gehörst, wenn du das willst.

Bei deinem Namen. Der ist so wichtig, dein Name. Der gehört dir allein. Anna Maria. Waris. Sarina. Leonie. Diyar. Katharina, wenn ich schon dabei bin. Ihr seid, wie alle hier, keine Personalnummer. Kein Ausbildungsplatz, der glücklich besetzt ist. Sondern ihr seid einmalige, von Gott geliebte und behütete Menschen, mit einem Namen, jeder und jede von euch ein Geschenk Gottes für unsere Welt.

Fürchte dich nicht, ein wichtiges Wort. Denn Gründe zum Fürchten gibt es gerade genug in dieser Welt und auch bei der Arbeit. Allein schon die Frage, wie sich die Arbeitswelt mit KI verändern wird! Macht KI mich überflüssig? Gibt es meinen Beruf in ein paar Jahren überhaupt noch? Bleibt überhaupt noch Zeit für Menschlichkeit, wenn alles immer noch schneller, effizienter werden soll? Wird bald jeder Handgriff gemessen, gezählt, kontrolliert?

Ich will das nicht wegreden. Es wird sich vieles rasant verändern und es wird nicht immer leicht sein, da Schritt zu halten. Aber Menschen mit ihren Gefühlen, ihrer Liebe, ihrer Zuwendung, ihrer Wärme – sie werden nicht überflüssig. Unsere Gesellschaft braucht euch und euer Herz, euren Einsatz, eure Energie, euer Feuer! Keine Maschine hält eine Hand. Keine Maschine merkt, dass ein Kollege heute anders drauf ist als gestern. Keine Maschine findet das richtige Wort für eine Mutter, deren Kind gestorben ist. Keine Maschine tröstet ein Kind, das im Sandkasten weint. Das alles könnt ihr. Und je mehr Maschinen es gibt, desto kostbarer wird das.

Desto kostbarer wird auch, als Menschen beieinander zu bleiben. Wenn jeder in der Pause hinter seinem Handy verschwindet, wird das schwierig. Und nichts ist doofer als schlechte Stimmung. Und also seid ihr alle gefragt. Als Menschen, die im Gespräch bleiben. Auch mit denen, die anders ticken. Nicht weggehen, nicht schweigen, nicht draufhauen – dranbleiben, zuhören, verstehen wollen. Das ist die beste Basis für ein gutes Miteinander. Das brauchen Betriebe. An der Werkbank, am Schreibtisch, in der Teeküche, auf dem Flur. Das braucht aber auch unsere Demokratie, dieses im Gespräch bleiben und sich miteinander auseinandersetzen. Dazu möchte ich euch sehr ermutigen. Wir setzen auf euch, mit euren vielen unterschiedlichen Erfahrungen, damit Verständigung weiter gelingt in unserer Gesellschaft!

In all dem verspricht Gott, bei euch zu bleiben. Und gerade wenn´s hart wird, wird Gott euch einen Engel schicken – Vorgesetze, Kollegen, Freundinnen, andere Azubis, die euch helfen und es gut mit euch meinen. Diyar hat es gesagt: Kollegen, Familie, Freunde, der Glaube – die geben Kraft, wenn man sie braucht. Und: um Hilfe bitten, das ist keine Schwäche, kein Versagen. Im Gegenteil: Das ist richtig richtig stark.

Und stößt ja auf offene Ohren und Herzen, bei Ihnen, liebe Ausbilderinnen und Ausbilder, liebe Eltern, die den Weg ins Berufsleben so freundlich begleiten. Sie zeigen und erklären. Sie halten aus, wenn etwas schiefgeht, trösten und ermutigen und fordern auch, damit die nächste Generation ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten auch wirklich nutzt. Danke dafür. Von Herzen.

Übrigens: Überall in Deutschland fangen die Azubis gerade an. Deshalb macht die evangelische Kirche bundesweit eine witzige Aktion: Jede und jeder kann einen Wunsch aufschreiben für die Ausbildung – allein oder mit der ganzen Klasse, für sich, für andere. Im September werden diese Wünsche in Frankfurt vorgelesen und mit Schaumherzen in den Himmel geschickt. Scannt mal den QR-Code auf dem Liedblatt und teilt den Link, damit auch die einen Segen mitbekommen, die heute nicht hier sind.

Ihr nun, ihr bekommt einen persönlichen Segen mit auf den Weg. Live und in echt. Segen heißt nicht: Jetzt läuft alles glatt. Segen heißt: Da breitet einer seinen Schutz über dich aus. Wenn ihr morgens früh raus müsst und es draußen noch dunkel ist. Wenn ihr einen Fehler gemacht habt und euch ärgert. Wenn ihr abends nach Hause kommt und der Tag schwer war. Dann gilt dieser Satz weiter, und er gilt für dich, ganz persönlich: Fürchte dich nicht. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein. Dich liebe ich.

Und dann leuchtet es. Vielleicht erst nur ein Funke. Aber dann leuchtet alles, der Himmel ist weit, die Sicht ist klar, der Weg ist da und die Straßen sind frei.

Amen.

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