Weihnachten

Im Kloster auf der Elbinsel Finkenwerder reifen 100 Christstollen

Lagert im katholischen Kloster in Finkenwerder, der Weihnachtsstollen von Bäckermeister Jan Henning Körner (links). Eine kleine Versuchung sei das schon, findet Schwester Maria (rechts) vom Karmeliter-Orden.
Lagert im katholischen Kloster in Finkenwerder, der Weihnachtsstollen von Bäckermeister Jan Henning Körner (links). Eine kleine Versuchung sei das schon, findet Schwester Maria (rechts) vom Karmeliter-Orden.© Marieke Lohse, epd

15. Dezember 2020 von Marieke Lohse

Er symbolisiert das Jesuskind in Windeln und darf in der Adventszeit auf dem bunten Teller nicht fehlen: Der Christstollen. Doch bevor er von der Backstube auf den Teller kommt, muss er ein paar Wochen ruhen. Auf der Hamburger Elbinsel Finkenwerder geht das am besten im Kloster, genauer: Im Kirchturm der Karmeliter-Schwestern.

Hier warten seit zwei Wochen 100 Stollen frisch verpackt und in blauen Kisten gestapelt auf die Adventszeit. Die Backstube von Jan Henning Körner in Finkenwerder ist zwar groß, bietet aber nicht genügend Platz, um den klassischen Rosinenstollen für mehrere Wochen unterzubringen. "Einige Bäcker lagern ihren Stollen in Höhlen, meine Cousine in Blankenese im Kirchturm", erzählt Körner. Da kam der Glockenturm an der kleinen Kirche gerade gelegen - und der "Finkwarder Klosterstollen" zu seinem Namen.

Einziges katholisches Kloster in Hamburg

Durch die Konzerte seines Gesangsvereins im Finkenwerder Kloster kam der Bäcker vor Jahren in Kontakt mit den drei Ordensschwester der Karmeliter. Ein Kloster mitten im Wohngebiet von Finkenwerder ist eher ungewöhnlich. Es existiert hier seit rund 20 Jahren und ist das einzige katholische Kloster in Hamburg. 1999 kamen drei Ordensschwestern aus Hessen in den Norden. In Finkenwerder gründeten sie erst eine sogenannte Karmelzelle, einen Ableger des Ordens. Seit 2014 ist das kleine Kloster selbstständig und unabhängig.

Die drei Ordensschwestern seien weltoffen und kontaktfreudig, berichtet Körner. Die Anfrage, seinen Stollen vor der Adventszeit zu beherbergen, fand sofort Zustimmung. Dass der Stollen dadurch auch einen neuen Namen bekommt, hält Schwester Maria für selbstverständlich. "Wenn der hier lagert, gehört sich das so", sagt sie schmunzelnd.

Eine kleine Versuchung sei der Stollen im Kirchturm schon, aber sie ergänzt: "Ich müsste dann schon einen ganzen essen und das wird zu viel." Außerdem verrät die Ordensschwester: "Ich mag am liebsten Zimtsterne. Beim Stollen muss ich immer ein bisschen aufpassen, sonst passen mir meine Sachen irgendwann nicht mehr."

"Finkwarder Klosterstollen" im Ort der Renner

Seit 60 Jahren ist der Familienbetrieb von Bäckermeister Jan Henning Körner in Finkenwerder eine Institution. Hier wird alles von Hand gebacken, mit viel Leidenschaft. "Ein handwerklicher Betrieb, der Spaß am Backen hat", so Körner. Insgesamt drei Filialen führt er mittlerweile in Finkenwerder. Die tägliche Laufkundschaft besteht nach wie vor. Die letzten Monate hatten dennoch negative Auswirkungen auf das Geschäft. Neben der Stammkundschaft im Laden beliefert die Bäckerei auch Restaurants und umliegende Betriebe, die gerade wegen des Lockdowns ihr Geschäft herunterfahren mussten.

Der "Finkwarder Klosterstollen" ist im Ort der Renner. Schon bevor der Advent beginnt, ist die Hälfte vorbestellt. Aber es muss niemand leer ausgehen. Denn in seiner Backstube ist für jeden Geschmack etwas dabei: Auch Orangen- oder Mohnstollen hat er im Sortiment. Für ihn selbst muss es dann aber doch der Klassiker sein: "Ich liebe Stollen und zwar Rosinenstollen", und fügt hinzu: "Da muss Butter drauf! Ohne mag ich das nicht, das war schon immer so."

Was hat der Christstollen mit Jesus zu tun? 

Der mit Rosinen und Sukkade gespickte Laib wird mit Hilfe des Zuckers haltbar gemacht, schließlich muss er nach dem Backen mehrere Wochen reifen. Nach christlichem Brauchtum symbolisiert der Puderzucker aber auch die Windel des Jesuskindes: Der Puderzucker umhüllt den Laib so fest wie die Windel das Baby. Das Kind in der Krippe musste gewickelt werden, um es auch vor äußeren Einflüssen zu schützen. 

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