19. - 20. März 2019 - Travemünde

Kirche – Kultur – Anziehungsorte

20. März 2019 von Gothart Magaard

Vortrag im Rahmen des 10. Fachkongresses Kirche und Tourismus: Die touristische Ausrichtung der Nordkirche

Sehr geehrter Herr Minister Buchholz,
sehr geehrte Damen und Herren,

am vergangenen Wochenende tagte die Bischofskonferenz in Straßburg und natürlich haben wir das Münster besucht. Dort kam mir ein Text von dem Schriftsteller Pascal Mercier in den Sinn, dem Pseudonym des Schweizer Philosophen Peter Bieri. Es ist eines der eindrücklichsten Bekenntnisse zur sakralen Architektur, das mir bisher begegnet ist. In seinem Roman „Nachtzug nach Lissabon“ lässt Mercier einen jungen Mann in seiner Abiturrede Folgendes sagen:

„Ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben. Ich brauche ihre Schönheit und Erhabenheit. Ich brauche sie gegen die Gewöhnlichkeit der Welt. […].

Ich will mich einhüllen lassen von der herben Kühle der Kirchen. Ich brauche ihr gebieterisches Schweigen. Ich brauche es gegen das geistlose Gebrüll des Kasernenhofs und das geistreiche Geschwätz der Mitläufer.

Ich will den rauschenden Klang der Orgel hören, diese Überschwemmung von überirdischen Tönen. Ich brauche ihn gegen die schrille Lächerlichkeit der Marschmusik.

Ich liebe betende Menschen. Ich brauche ihren Anblick. Ich brauche ihn gegen das tückische Gift des Oberflächlichen und Gedankenlosen.

Ich will die mächtigen Worte der Bibel lesen. Ich brauche sie gegen die Verwahrlosung der Sprache und die Diktatur der Parolen. Eine Welt ohne diese Dinge, wäre eine Welt, in der ich nicht leben möchte."

Diese Sätze beschreiben wie in einem Spiegel das Faszinierende dieser Orte, die mitten in den Stadtzentren genauso wie in der Dorfmitte den Alltag unterbrechen.

Kirchen sind Anziehungsorte.

Deshalb freue ich mich, in diesem Jahr auf dem Fachkongress Kirche und Tourismus die Kirchengebäude selbst wieder einmal in den Mittelpunkt zu rücken. Denn mit den Gebäuden haben wir als Nordkirche einen wahren Reichtum an Schätzen. Das gilt es erst einmal festzuhalten, wenn die Erhaltung dieser Schätze uns auch sehr viel Energie, Fantasie und Unsummen an Geld kostet. Und vielfach ohne Unterstützung von vielen engagierten Menschen, sowie von Stiftungen und öffentlicher Hand kaum leistbar ist.

Aus kulturhistorischer Sicht gehört das zu unserem Auftrag und aus touristischer Sicht weist die Pflege und Erhalt unter bestimmten Umständen in eine vielversprechende Richtung.

Und dann gibt es schließlich noch eine theologische Dimension im Umgang mit unseren Kirchen, als auf Dauer angelegte Darstellung des Evangeliums. Hier wird durch Architektur Evangelium präsentiert und ist dabei für die Betrachter*innen rezeptionsoffen. Die Besucher*innen haben die Möglichkeit, sich mit dem Raum und seinem immer auch theologischem Thema auseinanderzusetzen und sich selbst ein Bild zu machen.

Kirche – Kultur – Anziehungsort. Heute lege ich den Schwerpunkt darauf, die touristische Ausrichtung der Nordkirche an Hand der Kirchen aufzuzeigen und das Potential dieser Anziehungsorte für den Kulturtourismus möglichst groß zu machen, weil ich davon überzeugt bin, dass die Kirchen sowohl für den Tourismus als auch für die Gemeinden viel zu bieten haben. Viele kulturhistorisch interessante Kirchen liegen in einer Toplage, sind weithin sichtbar, museal bedeutsam und dann auch noch bis heute bespielt.

Es stimmt mich sehr zuversichtlich, dass die Kulturtourismusstudie 2018, die u. a. von Lara Buschmann erstellt wurde, zeigt, dass insbesondere die Kulturerbestätten ein wichtiges Ziel für Touristen sind, darunter auch eine Vielzahl von „aufgeschlossenen Entdeckern“.

Besonders wegweisend scheint mir auch zu sein, dass das Phänomen des Kulturtourismus nicht nur in den Großstädten wahrnehmbar ist, sondern mit wachsenden Zahlen auch im ländlichen Raum – und der ist in der Nordkirche groß und weit. Und ich kann Ihnen versichern, dass sowohl Mecklenburg-Vorpommern als auch Schleswig-Holstein voller unentdeckter Schätze ist. Unzählige Dorfkirche, wahre Kleinode, die zu dem ältesten Gebäudebestand überhaupt in unserem Land zählen. Im vergangenen Jahr habe ich das selbst „erfahren“ als ich eine öffentlich angekündigte Radpilgertour unternommen habe und in 5 Tagen von vom Glückstadt nach Fehmarn etwa 320 km unterwegs war und mit mir viele interessierte Menschen. Dort haben wir auch viele dieser Schätze auf dem Lande besucht, z.B. in Heiligenstedten, Bornhöved, Neukirchen, Altenkrempe oder Cismar. 

Im heutigen Vortrag möchte ich aber nicht nur schwärmen von dem, was wir als Kirche zu bieten haben, sondern auch darauf sehen, an welcher Stelle wir uns bei dem Prozess befinden, diese Stätten in ihrer vielfältigen Bedeutung zu öffnen. Voraussetzung dafür ist und bleibt, dass wir uns mehr denn je als Nordkirche, in den Kirchen und Gemeinden vor Ort als einladende, gastfreundliche Kirche zeigen. Und dass die Schilder, die an immer mehr Kirchen zu sehen sind – „Tritt ein, die Kirche ist offen!“ – auch halten, was sie versprechen.

Zuvor möchte ich einige Überlegungen voranstellen, die noch einmal das Thema „einladende Kirche“ aufgreifen, das sich für mich wie ein roter Faden durch die Themen, die Tourismus und Kirche verbinden, zieht. Es geht um die kulturelle Bedeutung unserer Kirchen – einmal ganz unabhängig von ihrer religiösen Funktion. Im Hintergrund steht hierbei das facettenreiche und höchst differenzierte Verhältnis von Kultur und Religion. In Anbetracht des kulturellen Erbes, für das unsere Kirchen stehen, lässt sich dieses Verhältnis nicht beschreiben, ohne Kultur und Religion aufeinander zu beziehen. Doch wichtig ist dabei: Religion und Kultur sind voneinander zu unterscheiden.

Und bei der Beantwortung der Frage „Kann Kirche Kultur?“ hängt es entscheidend davon ab, ob diese Unterscheidung beachtet wird.

So ist ein Ergebnis aus der Citykirchenarbeit der letzten Jahre:

„Die Botschaft sind die Kirchen selbst“[1]

Es geht den kulturinteressierten Menschen, die unsere Kirchen aufsuchen, nicht primär um die Botschaft, die in Gottesdiensten oder anderen Angeboten der Gemeinden vermittelt werden. Nein, die Kirche selbst, die unmittelbare Raumerfahrung ist der Mittelpunkt des Interesses oder auch die Kunstschätze, die in den Kirchen zu finden sind. Es ist also in erster Linie eine ästhetische Erfahrung, die durch den Besuch einer Kirche ermöglicht wird. Ich glaube, dass es die Bereitschaft von Kirche ist, egal an welchem Ort, sich für diese ästhetische Wirkung ihrer Kirchen zu öffnen, die dazu beiträgt, ob Kirche Kultur kann.

Unbestritten ist doch ganz gewiss, dass wir als Kirche Kultur zu bieten haben. Allein im Bereich der Musik können wir auf eine Vielfalt von Konzerten stolz sein. Doch ganz unabhängig davon, welche kulturellen Angebote in Kirchen sattfinden, sind die Kirchen selbst ein bedeutendes kulturelles Gut.

In der Nordkirche gibt es 1.880 Kirchen und Kapellen. Sie gehören zu den ältesten Gebäuden in Norddeutschland. Fast ein Drittel des Bestandes stammt aus den 12.-14. Jahrhundert. Die ersten Kirchen wurden schon im 9. Jahrhundert – in Meldorf oder Haithabu - gebaut, als die Christianisierung des Nordens begann. Landstriche wie Angeln und die Halbinsel Eiderstedt weisen eine wahre Fundgrube an Kirchen aus der frühesten Zeit aus.

Die Kirche gehört damit zu den wichtigsten Kulturträgern in der europäischen Vergangenheit und Gegenwart. In ihrem Auftrag entstanden und entstehen faszinierende Kunstwerke für den halböffentlichen Raum.

In der kirchlichen Kunst finden nicht nur Glaubensinhalte Ausdruck und Resonanzraum. Sie spiegelt auch die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse der jeweiligen Zeit. Doch wie werden diese Zeugen, kultureller, wirtschaftlicher und religiöser Blütezeiten vergangener Zeiten heute wahrgenommen?

Thomas Erne hat in einem Aufsatz, in dem er die urbane Theologie Wolfgang Grünbergs würdigt, Kirchen als „Kristallisationsorte eines pluralen, religiösen Interesses“ beschrieben und legt dazu einen Essay von Wolf Wondratschek mit dem bezeichnenden Titel „Was es bedeutet, in einer Kirche zu sein, wenn man nicht zu Gott betet“ zu Grunde.

Ein Zitat daraus zielt auf die Raumerfahrung: „Nichts hier hat, obwohl überdacht, eine Grenze.“ Die Kirche selbst schafft diese Erfahrung. Und Thomas Erne hält fest: „Der Dichter reagiert […] nicht auf den religiösen Anspruch, sondern auf den Kunstcharakter der Kirche.“ Und die beschriebene Erfahrung basiere eben auf den kulturellen Wert, weil es hier „um ein plurales ästhetisches Interesse an der räumlichen Artikulation von Selbsttranszendenz“[2] gehe.

Thomas Erne spricht sich für eine „theologische Großzügigkeit“ aus, die eben gerade darin besteht, dass es mehrere Formen der Aneignung des Transzendenzcharakters der Kirchen gibt: ob es religiöse, ästhetische, historische oder mystische Formen sind, lassen zumindest die Konzepte der Citykirchenarbeit gleichberechtigt nebeneinander stehen. Diese Großzügigkeit führt zumindest zu einem Resultat: Die Citykirchen sind volle Kirchen und zeigen sich in besonderer Weise geeignet, für den Kulturtourismus attraktiv zu sein.

In einem etwas anderen Kontext erzählt Navid Kermani von der Großzügigkeit der Kirchen. Die Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit kirchlichen Räumen und kirchlicher Kunst, die er in seinem Buch „Ungläubiges Staunen“ in einer religionsaffinen Haltung beschreibt, zeigt noch eine andere Facette der Raumerfahrung, die immer von der Distanz der Haltung des Beobachters geprägt ist.

„Ich habe mich in Kirchen immer wohlgefühlt, sogar mit Laptop: Niemals waren Blicke skeptisch, obwohl ich mich nicht bekreuzige, nicht die Knie beuge oder zum Abendmahl vor den Priester trete; auch der Auftrag zur Mission, an dem ich mich außerhalb der Kirche reibe, scheint in der Kirche nicht mehr mich zu meinen. […] Ich habe keine Ahnung, was es ist, dass selbst die Deutschen den Fremden freundliche betrachten, sobald sie in der Messe sitzen. Großvater wird das Gleiche gespürt haben, sonst hätte er auf seiner Europareise ´63 den Gebetsteppich nicht in Kirchen ausgebreitet.“[3]

Es ist unschwer zu überhören, dass Kermani hier wie überhaupt in der Begegnung mit dem Christentum den Katholizismus vor Augen hat. Dort ist die religiöse Nutzung des Gottesdienstraumes weit umfangreicher. Die Raumerfahrung des Besuchers trifft noch viel eher auf das religiöse Leben und beides vermag sich zu verschränken. Auch dies ist eine theologische Großzügigkeit. Und hier trifft die Faszination am Raum selbst auf die Beobachtung, wie dieser Raum in den religiösen Vollzug eingebettet ist und die Menschen dadurch großzügig und offen für Andere werden lässt.

Religiöse und Ästhetische Erfahrungen befinden sich also durchaus in einem Wechselspiel. Die Kirchen sind Denkmäler, in denen sich Kultur verdichtet und produktiv ist. Sie sind kulturelle Attraktionen, weil sie bis heute auch religiös bespielt werden und dadurch eine Lebendigkeit ausstrahlen.

Ich will nicht bestreiten, dass es zwischen dem kulturellen Interesse an den Kirchen und der religiösen Nutzung durch die Gemeinden auch zu Spannungen kommen kann. Doch die erfolgreiche Arbeit der Citykirchen zeigt, dass sich die Offenheit und „theologische Großzügigkeit“ für ganz unterschiedliche Aneignungsformen mit profilierten religiösen und spirituellen Angeboten äußerst attraktiv kombinieren lässt, wenn wir uns darauf einlassen, dass immer die Botschaft, die die Kirche selber ist, alles andere begleitet.

Und jetzt möchte ich Sie mitnehmen auf eine kleine Nordkirchentour.

Hier in der Nähe zu Lübeck können wir es gar nicht übersehen, welche besondere Bedeutung die Backsteingotik für die Entwicklung der norddeutschen Kulturlandschaft hat. Der Blick geht da aber auch entlang der Ostseeküste nach Norden und nach Osten: über Kiel und Flensburg zieht sich das Band bis nach Dänemark, gen Osten ist die Fülle nach größer und zieht sich bis ins Baltikum. Es gibt eine wunderbare Internetseite zur Erschließung der Vielzahl bedeutender Kathedralen: die Europäische Route der Backsteingotik, wo aber noch viele Kirchen gar nicht erfasst sind. Die Präsentation unserer Schätze steckt tatsächlich in den Kinderschuhen.

Umso mehr freue ich mich über eine die App „Nordkirchentour“ die schon jetzt zur Verfügung steht, aber noch in viel größeren Stil ausgebaut werden soll. Bisher können Sie an Hand von St. Nikolai in Wismar schon zu Hause auf Entdeckungsreise gehen. Diese App ist ein gelungenes Beispiel, wie der Kirchenraum, seine Kunstschätze und theologische Themanhintergründe präsentiert werden können. Mich persönlich fasziniert vor allem das integrierte Video mit dem Flug durch den Raum, durch das ganz neue Perspektiven ermöglicht werden und Größe und Höhe des Raumes wiedergeben.

Das Aufsuchen der Kirche wird dadurch natürlich nicht ersetzt. Denn das Betreten des Raumes und der Blick in die Höhe des Kirchenschiffs verschafft mir gerade in Wismar ein atemberaubendes Raumgefühl, dem sich wohl kaum jemand entziehen kann.

Wenn die Planungen voranschreiten und umgesetzt werden, wird die App „Nordkirchentour“ demnächst St. Nikolai in Wismar mit dem Reichtum der Kirchen auf Eiderstedt und anderen Orten verbinden.

Nirgendwo sonst in Norddeutschland finden sich auf vergleichbarer Fläche so viele Gotteshäuser wie auf Eiderstedt. Der größte Teil der 18 evangelischen Kirchen wurde bereits im 12. Jahrhundert errichtet. Äußerst sehenswert sind u.a. die wertvollen Altäre, die geschnitzten Kanzeln und die bemalten Holzdecken der historischen Bauten. Auf Eiderstedt haben wir es mit einem ganz besonderem Kulturerbe zu tun, das zur Zeit dringend auf Sanierungsmaßnahmen angewiesen ist. Hier liegt allerdings touristisches Potential. Eiderstedt weist nicht nur dieses Netz von 18 Kirchen auf, die auch Zeugen eines wirtschaftlichen Reichtums vergangener Zeiten sind, sondern auch ein zunehmend reicher werdendes Netz an Kulturschaffenden auf engem Raum auf der Halbinsel südlich von Husum. Eiderstedt bietet ein hervorragendes Umfeld für einen nachhaltigen Slow Tourism.
 

Professor Christian Antz hat diesen Begriff geprägt und ist Inhaber der einzigen Professur unter diesem Titel: an der Fachhochschule Westküste, wo auch sonst. Zu den schon genannten Faktoren auf Eiderstedt kommen noch die Vorzüge, die Sie entlang der Nordseeküste erleben können, hinzu: Die einzigartige Form der Naturerfahrung im Wattenmeer, wo der Zeitrhythmus durch das Kommen und Gehen des Wassers bei Ebbe und Flut wunderbar gegeben ist.

Die Kirchwarften sind deshalb als spirituelle Wegmarken von besonderer Bedeutung, weil die Aspekte der Sehnsucht nach Anderem, des Zur-Ruhe-Kommens, der Naturerfahrung und Bewegung genauso wie der Gestaltung von Zeitrhythmen und Begegnung mit kirchlichen und kulturellen Orten durch die bloße Anwesenheit der Kirchen als religiöse Themen identifiziert werden können.

Grundsätzlich gilt in allen Landstrichen, dass sich dort, wo sich Touristen aufhalten – an den Ostseestränden, auf den Inseln Nordfrieslands, auf Fehmarn oder in der Innenstädten von Kiel und Flensburg – auch die Kirchen als Sehenswürdigkeit wahrgenommen werden. Die Kirche vor Ort wird dann sozusagen en passant mitgenommen.

Dieses Phänomen gilt in gleicher Weise für die Innenstädte mit ihren Kathedralen und Marktkirchen wie fürs Land: Wer mit dem Schiff auf Hallig Hooge anlegt, kommt am Anfang und am Ende an der Kirchwarft vorbei und ein Besuch lohnt sich auch hier.

Es ist zwar nicht die Höhe des Raumes, sondern viel mehr das Gefühl der Bodenhaftung, wenn Sie auf dem nackten Muschelfußboden stehen. Die Kirchen sind Anziehungsorte sowohl im urbanen Umfeld als auch im ländlichen Raum. Und vieles von dem, was an Sensorium für das Feld des Kulturtourismus in den Citykirchen entwickelt werden konnte, lässt sich auch in den kulturhistorisch bedeutenden Dorfkirchen zur Geltung bringen. Auch hier gilt es, die Kirchen so in Szene zu setzen, dass sie selbst zu ihrer Botschaft werden.

In meinem Bischofssprengel ist es vor allem eine Kirche, die einen starken Akzent auf die Entwicklung der Citykirchenarbeit gesetzt hat: Die offenen Kirche St. Nikolai in Kiel verzeichnet im Jahr 190.000 Besucher und ist auch als Konzertkirche sehr bekannt und hat wie auch an anderen Orten eine ausgefeilte Kirchenpädagogik etabliert. Ähnlich steht es um die Kirche St. Nicolai in Flensburg. Die Kirchengemeinde schätzt die Besucherzahl auf ca. 100.000 jährlich. Der Kirchturm ist mit 90 m einer der höchsten in Schleswig-Holstein und der höchste der Stadt Flensburg. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist die Orgel, die hinter dem größten Renaissance-Prospekt Nordeuropas (von Bildschnitzer Heinrich Ringerink) eingebaut ist.

In Dorf- und Stadtkirchen der Nordkirche sind Kunstwerke vom Mittelalter bis in die Gegenwart hinein zugänglich und erlebbar. Doch die Kunstschätze in den Kirchen führen im überwiegenden Maße ein Schattendasein. Dass auch sie auf eine aufmerksame Inszenierung angewiesen sind, zeigt ein Epitaph aus der Eckernförder Nicolaikirche, hier einmal ausgeliehen ans Amsterdamer Rijksmuseum im Rahmen einer Ausstellung und an Ort und Stelle.

An dieser Stelle muss der Schleswiger Dom einmal genannt werden. Mit dem großartigen Altar von Hans Brüggeman, der vor 500 jahren geschnitzt wurde, und dem Renaissance-Grabmal Herzog Friedrichs I., eines dänischen Königs, gehört er zu den wenigen Kirchen, die aufgrund seiner Ausstattung auch überregional als kultur- und kunsthistorisch bedeutsam wahrgenommen wird. Eine Ausnahme bildet er auch in zweiter Hinsicht: Viele der Gäste im Dom kommen aus Dänemark!

Und die Anziehungskraft des Schleswiger Doms wird nach seiner Sanierung, die gerade im vollen Gange ist, nach Wunsch und Bestreben aller Beteiligter noch viel attraktiver als bisher inszeniert werden können.

So gilt es an vielen Orten im Land, dass die Kirchen in ihrer architektonischen Wirkung, aber auch von ihrer landesgeschichtlichen oder kulturgeschichtlichen Bedeutung her noch viel größere Aufmerksamkeit verdient hätten. Ob es die Bordesholmer Klosterkirche ist oder weitere Kirchen, die durch ihre Ausstattung oder Architektur überregional wahrgenommen werden, sind z.B. die Feldsteinkirchen in Bosau und Ratekau oder die romanische Backsteinbasilika in Oldenburg.

Wie reizvoll es ist, in den Sommermonaten eine Fahrradtour auf der Insel Fehmarn von Kirche zu Kirche zu unternehmen, konnte ich selbst schon – im wahrsten Sinne des Wortes – erfahren. Dieses Angebot kann man auch als geführte Tour buchen, aber mit Hilfe von Informationen aus dem Internet ist es auch einfach, die Tour auf eigene Faust zu unternehmen.

Waren Sie schon einmal in der Bosauer Kirche oder in Ratekau? Wer weiß um die St. Johannis-Kirche im Flensburger Fischer-Viertel mit ihren wunderbaren Deckenmalereien in dem gotischen Gewölbe? Haben Sie schon der Schiffer-Kirche ein Arnis einen Besuch abgestattet? Oder kennen Sie die Feldsteinkirche St. Cyriacus in Kellinghusen mit ihrer modernen Ausgestaltung durch den Bildhauer Hans Kock? Ich werbe dafür, dass wir als Kirche den Reichtum an kulturellen Schätzen noch viel stärker heben und präsentieren. Dabei wird auch die Bedeutung unserer Anziehungsorte für die Erschließung der ländlichen Räume als touristisch hoch interessante Orte unterstrichen.

Die Präsentation unserer Kirchen für kulturinteressierte Touristen und Gäste ist sicher noch ausbaufähig. Ein Blick ins Internet zeigt folgendes Bild: Üblicherweise finden sich die Vorstellungen der Kirchen als Unterrubrik auf der Internetseite der Kirchengemeinde. Hinweise auf die Ausstattung mit Kunstobjekten oder historischen Zeugnissen sind zumeist gar nicht oder nur sehr oberflächlich vorhanden oder aber so tief verborgen, dass sie für einen interessierten Touristen kaum auffindbar sind. Im Zweifelsfalle sind die Wikipedia-Einträge noch die ergiebigsten Quellen, um Informationen über unsere Kirchen zu erhalten.

Ich wünsche mir mehr kooperatives Marketing und eine enge Zusammenarbeit mit den Akteuren im Tourismus vor Ort. Viele gute Beispiele dafür sind auf diesem Kongress vorgestellt und angeregt worden. Deshalb mache ich mich stark für eine Mitgliedschaft der Nordkirche im Tourismusverband Schleswig-Holstein und wünsche genauso wie Minister Buchholz deutlich mehr Kooperationen.

Werben möchte ich dafür, die Kirchen mit ihrem besonderen, zweckfreien Charakter stärker für das touristische Marketing zu nutzen. Denn so wie Religion und Kultur aufeinander bezogen sind, ist es doch auch der Tourismus mit dem Ziel, den Alltag zu unterbrechen. Der Besuch einer Kirche leistet genau das: die Unterbrechung.

Die Kirche ist in diesem Sinne schon immer touristisch ausgerichtet. Und darüber hinaus haben wir viel zu bieten: an Kirchenarchitektur, an Kunstobjekten, an Anziehungsorten! Wir sollten uns daran machen, diese Schätze zu heben!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

[1] Thomas Erne: Gott in der Stadt – das urbane Erbe Wolfgang Grünbergs, in: Pastoraltheologie 107 (2018), S. 174-186; 175.

[2] Erne, S. 176.

[3] Navid Kerman, Ungläubiges Staunen, S. …

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