Theaterpredigt zu Beethovens „Fidelio“ im Theaterzelt Schwerin

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum‑Schmidt predigt über Freiheit, Menschenwürde und die Kraft der Hoffnung

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt.
Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt.© Theresa Lange

04. September 2026 von Dieter Schulz

Theaterpredigt zu Beethovens „Fidelio“: Landesbischöfin Kühnbaum‑Schmidt spricht über Freiheit, Menschenwürde und die Verantwortung, demokratische Werte zu schützen.

Die Landesbischöfin der Evangelisch‑Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), Kristina Kühnbaum‑Schmidt, predigt am Sonntag, 6. September 2026, um 11.30 Uhr im Theaterzelt Schwerin zu Beethovens Oper Fidelio.

Freiheit unter Druck – Bezüge zur Gegenwart

„Beethovens Fidelio führt uns vor Augen, wie gefährdet Freiheit ist, wenn Willkür und Gewalt sich ausbreiten. Was damals wie heute nicht geschehen darf, ist die schleichende Gewöhnung an eine scheinbare Normalität des Bösen. Stattdessen gilt es heute gemeinsam einzustehen für die Verteidigung der Demokratie und des Grundgesetzes. Für die Menschenrechte und die Würde jedes Einzelnen. Für die Freiheit der Kunst, des Theaters, der Religion, die Unabhängigkeit der Journalistinnen und Journalisten, die Freiheit der Gedanken und der Meinungen.“

Die Würde jedes Menschen ist unveräußerlich

„Für Christinnen und Christen ist die Würde jedes Menschen unveräußerlich, weil sie in der Gottesebenbildlichkeit des Menschen wurzelt“, erklärt Landesbischöfin Kristina Kühnbaum‑Schmidt. Die Oper zeige, so die Leitende Geistliche der Nordkirche, wie Willkürherrschaft Menschen einschüchtere, Wahrheit unterdrücke und öffentliche Räume verenge. Sie mache deutlich, „wie die Verhältnisse sind, wenn Tyrannen herrschen. Wenn ein offenes und freies Wort verfolgt wird, wenn die Wahrheit nicht ausgesprochen werden soll.“

Mut, Mitleid und die Kraft des Glaubens

Die Landesbischöfin deutet die Oper als Erzählung über Mut, Treue und die befreiende Kraft der Hoffnung. Besonders die Figur der Leonore/Fidelio stehe für eine Haltung, die sich aus Mitgefühl und Gottvertrauen speise. Sie zeige, dass Hoffnung selbst in dunklen Momenten neu aufbrechen könne.

Verantwortung für Demokratie und Menschenwürde

Die Landesbischöfin stellt die Oper in einen klaren Bezug zur Gegenwart. „Mich bewegt, wie in der Oper deutlich wird, dass Befreiung von Unrecht und Tyrannei immer zweierlei braucht: den persönlichen Mut – wie bei Leonore/Fidelio, die aus Liebe und Gottvertrauen handelt – und die klare Durchsetzung des Rechts durch die staatlichen Institutionen, für die in der Oper der Minister steht, der den Zustand der Rechtsbeugung beendet. In all dem stehen die verschiedenen Figuren der Oper aus meiner Sicht für verschiedene Möglichkeiten, sich zu Gewalt und Willkürherrschaft zu verhalten. Diesen Möglichkeiten und ihren Folgen möchte ich in der Theaterpredigt nachgehen. Die Bibel erinnert uns daran, dass Gottes Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach strömen soll und dass die Liebe ohne Furcht ist, weil die vollkommene Liebe die Furcht austreibt. Was für eine Kraftquelle, um einander zu stärken, wach zu bleiben, einander zu schützen und sich nicht einschüchtern zu lassen!“, betont Kristina Kühnbaum‑Schmidt.

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