Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt: „Vielfalt ist Gegenwart – und ein Geschenk Gottes“
04. Juli 2026
Beim Internationalen Kirchenkonvent in Hamburg hat Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt den Stand der interkulturellen Kirchenentwicklung vorgestellt und zentrale Schritte für eine vielfältige, rassismuskritische und gemeinsam verantwortete Nordkirche benannt.
Nordkirche vertieft interkulturelle Entwicklung
Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt: „Vielfalt ist Gegenwart – und ein Geschenk Gottes“
Beim Internationalen Kirchenkonvent in Hamburg hat Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt den Stand der interkulturellen Kirchenentwicklung vorgestellt und zentrale Schritte für eine vielfältige, rassismuskritische und gemeinsam verantwortete Nordkirche benannt.
Schwerin/Hamburg (dds). Die Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), Kristina Kühnbaum-Schmidt, hat heute (4. Juli 2026) auf dem Internationalen Kirchenkonvent im Ökumenischen Forum HafenCity in Hamburg die Bedeutung des Treffens hervorgehoben. „Wenn ich in diesen Raum schaue, erfüllt mich pure Freude. Denn ich sehe Menschen unterschiedlicher Herkunft, verschiedener Sprachen und Frömmigkeitstraditionen“, betonte die Leitende Geistliche der Nordkirche. Diese Vielfalt sei nicht Zukunftsvision, sondern gelebte Wirklichkeit: „Eine Gemeinschaft, in der Vielfalt nicht als Problem erscheint, das bewältigt werden muss, sondern als Geschenk Gottes.“
Interkulturelle Kirchenentwicklung als Wesenskern kirchlichen Handelns
Die Landesbischöfin erinnerte daran, dass die Nordkirche seit 2022 einen strukturierten Prozess der interkulturellen Kirchenentwicklung verfolgt. Dieser sei kein Zusatzprogramm, sondern Ausdruck des kirchlichen Selbstverständnisses. „Interkulturelle Kirchenentwicklung ist kein Projekt unter vielen“, sagte sie. Sie gehöre vielmehr zum Wesen von Kirche. Pfingsten zeige, wie vielfältig Kirche von Beginn an sei: „Einheit in Christus bedeutet nicht Gleichförmigkeit, sondern Gemeinschaft in Verschiedenheit“, so Kristina Kühnbaum-Schmidt.
„Nicht Integration – sondern gemeinsame Verantwortung“
Die Landesbischöfin betonte, dass internationale Gemeinden längst Teil der weltweiten Kirche seien. Die entscheidende Frage laute daher: „Entspricht auch unsere Nordkirche der Wirklichkeit, die wir sehen und erleben?“ Interkulturelle Kirchenentwicklung bedeute einen grundlegenden Perspektivwechsel: „Nicht Integration in bestehende Strukturen. Sondern gemeinsame Verantwortung und die Entstehung von Neuem“, erklärte sie.
Schmerzhafte Erfahrungen ernst nehmen
Kristina Kühnbaum-Schmidt sprach offen über Berichte internationaler Christinnen und Christen: „Zugleich berichten sie von Erfahrungen, die schmerzen. Von Erfahrungen der Unsichtbarkeit, fehlender Teilhabe an Leitung oder subtiler Ausgrenzung.“ Solche Erfahrungen beträfen nicht nur Einzelne, sondern „die Frage nach Zugehörigkeit im Kern. Und damit das Evangelium selbst.“
Rassismuskritik als geistliche Aufgabe
Die Landesbischöfin unterstrich die Bedeutung rassismuskritischer Bildungsarbeit: „Rassismuskritik ist kein Nebenschauplatz kirchlicher Arbeit. Sie gehört in die Mitte unseres kirchlichen Selbstverständnisses.“ Sie würdigte die Arbeit der Referentinnen und Referenten sowie die Bereitschaft der Kirchenleitung, selbst an Workshops teilzunehmen: „Veränderung gewinnt dort Glaubwürdigkeit, wo diejenigen, die Verantwortung tragen, sich selbst in Lernprozesse hineinbegeben.“
Lernen in Seelsorge, Liturgie und theologischer Bildung
Besonders hob Kristina Kühnbaum-Schmidt die Bedeutung interkultureller Kompetenz in der Seelsorge hervor: „Wer Menschen seelsorglich begleitet, begegnet ihnen nie nur als Mitglied einer Religion oder einer Kultur.“ Auch liturgische Vielfalt sei ein Reichtum: „Ich wünsche mir, dass wir diesen Reichtum nicht als Besonderheit betrachten, sondern als Geschenk für unsere gemeinsame Kirche.“
Zwei konkrete Herausforderungen
Zum Abschluss benannte die Landesbischöfin zwei zentrale Aufgaben:
1. Kirchliche Räume teilen: „Wenn wir Räume teilen, teilen wir mehr als Schlüssel. Wir teilen Vertrauen.“
2. Begegnungsräume für Pastorinnen und Pastoren stärken: „Gemeinsames Lernen beginnt nicht erst im Seminarraum.“
Hoffnung und Ausblick
Kristina Kühnbaum-Schmidt schloss mit einem hoffnungsvollen Blick: „Vor allem aber sehe ich, dass Gottes Geist unter uns wirkt. Er wirkt überall dort, wo Menschen beginnen, einander wirklich zuzuhören.“ Ihr Wunsch für die Nordkirche: „Ich wünsche mir eine Nordkirche, in der noch mehr Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, Herkunft, Sprache und kultureller Prägung selbstverständlich gemeinsam beten, entscheiden, leiten und Verantwortung tragen.“
Dank für das gemeinsame Engagement
Die Landesbischöfin dankte den Mitgliedern des Internationalen Kirchenkonvents und den internationalen Gemeinden der Nordkirche, insbesondere Prince Ossai Okeke und Stephen Apedo. Ebenso dankte sie Nicolas Moumouni, Julia Karimi, Daniela Konrädi, Simone Schreiner sowie allen Mitarbeitenden des Referats für Interkulturelle Kirchenentwicklung und allen, die sich in Gemeinden, Kirchenkreisen, Diensten und Werken mit großem Engagement auf diesen Weg gemacht haben. „Gott segne Ihren Dienst. Gott segne unsere gemeinsame Kirche. Und Gott schenke uns den Mut, miteinander weiterzugehen – im Glauben als Gottes Kinder in Jesus Christus“, so die Landesbischöfin.
