„Dialog Kirche und Bühne“ Nr. 7 am Mecklenburgischen Staatstheater

Landesbischof Ulrich hielt Theaterpredigt zu Hebbels „Nibelungen“

Konzertfoyer im Mecklenburgischen Staatstheater: Landesbischof Gerhard Ulrich bei seiner Theaterpredigt zu Hebbels „Nibelungen“ am 6. April 2018
Konzertfoyer im Mecklenburgischen Staatstheater: Landesbischof Gerhard Ulrich bei seiner Theaterpredigt zu Hebbels „Nibelungen“ am 6. April 2018© Nordkirche/Stefan Döbler

06. April 2018 von Stefan Döbler

Schwerin. Gerhard Ulrich, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), hat heute (6. April) in Schwerin dazu aufgerufen, auf Unrecht und Gewalt in der Welt „österlich“ zu antworten, indem Hass nicht mit neuem Hass begegnet werde.

Anlass war seine jüngste Theaterpredigt in der Reihe „Dialog Kirche und Bühne“. Darin setzte sich der Landesbischof mit der aktuellen Schweriner Inszenierung von Friedrich Hebbels Trauerspiel „Die Nibelungen“ auseinander: „Was macht es mit Menschen, wenn sie nicht herauskommen aus dem Kreislauf der Gewalt, wenn sie keine Barmherzigkeit kennen? Sie strafen, sie töten weiter.“ Hebbels Stück handle von Verrat, Rache und Tod, so Ulrich. „Liebe, Barmherzigkeit, Zärtlichkeit werden dagegen ausgetrieben durch das Spiel von Macht und gnadenloser Eifersucht. Da ist kein Gott. Da sind nur Täter und Opfer.“

Appell von Emma González nach dem Amoklauf von Parkland zeigt Ausweg

Einen Ausweg zeigten Menschen wie Emma González, sagte Landesbischof Ulrich: „Die junge Frau aus Parkland, Florida, die den Amoklauf an ihrer Schule miterleben musste, steckt voller Wut auf die wiederholten Morde durch Waffen, die in ihrem Land jedermann tragen und benutzen darf. Sie fordert nicht Rache, sondern ein Ende des Wahnsinns der Aufrüstung und gründet eine Bewegung, die Hunderttausende nach Washington bringt, um für schärfere Waffengesetze zu demonstrieren.“ Mit ihrem Appell, das Leben mehr zu schützen als die Waffen, habe Emma González mehr ausgerichtet, „als die selbsternannten Helden der Politik“, sagte Ulrich: „Firmen ziehen sich zurück von der mächtigen Waffenlobby. Das ‚Stopp der Gewalt!‘ wird lauter, weil eine junge Frau nicht in die Automatik von Schmerz und Rache verfällt, sondern ruft: Hört auf!“

In seiner Theaterpredigt, in deren Verlauf Schauspielerinnen und Schauspieler Szenen aus der „Nibelungen“-Inszenierung von Jan Gehler aufführten, zitierte Ulrich auch biblische Texte, unter anderem aus dem 96. Psalm: „Der Psalmbeter setzt sein ganzes Vertrauen auf Gott, der am Ende aller Tage für einen gerechten Ausgleich unter den Völkern sorgen und die Waffen zum Schweigen bringen wird. Er widerspricht damit allen religiös-apokalyptischen Endzeitvorstellungen, die auch heute zur Rechtfertigung für terroristische oder kriegerische Gewaltexzesse herhalten sollen. Nicht das Bild einer sich selbst zerfleischenden Weltbevölkerung entwirft er, die naturgesetzlich dazu verdonnert ist, sich wie die Burgunder zu vernichten. Er eröffnet eine Zukunft, die frei ist von allen Schrecken und Ängsten, macht uns Mut, Schritte in diese Richtung zu gehen.“

„Gott lässt sich nicht vereinnahmen von denen, die in seinem Namen töten“

Ulrich erinnerte daran, dass Christen zu Ostern mit der Auferstehung des Gekreuzigten den „Umschwung vom Tod zum Leben“ feierten. Zwar gebe es immer noch Leid, Gewalt und Hass: „Aber jene, die den Herrn erkannt haben, denen die Augen aufgegangen sind: Sie sind andere geworden, sehen anders auf die Welt. Sie stellen sich auf ihre Füße und sagen weiter, was verheißen ist. Sie glauben Gott nicht bei den Toten, sondern im Leben, auch inmitten von Trauer und Angst.“

Die Lebensenergie des Auferstandenen strahle weit über den Kreis der Christen hinaus aus, so Ulrich: „Wer von der Auferstehung berührt ist, gibt sich nicht zufrieden mit Ungerechtigkeit, sozialen Gräben, Gewalt und Hunger, Vergeltung und Verfolgung, Verachtung und Beleidigung.“ Der Osterglaube sei das Vertrauen, dass Gott die Werte der Welt umkehre, dem Elend ein Ende zeige und einen Anfang mache mit Freiheit und Gerechtigkeit: „Gott lässt sich nicht vereinnahmen von denen, die in seinem Namen töten, terrorisieren, unterdrücken.“

Die Reihe „Dialog Kirche und Bühne“, ein Gemeinschaftsprojekt des Mecklenburgischen Staatstheaters mit der evangelischen und der katholischen Kirche, startete im Frühjahr 2015. Auch Erzbischof em. Dr. Werner Thissen und Schwester Cornelia Bührle RSCJ, frühere Leiterin des Erzbischöflichen Amtes Schwerin, haben in der Reihe schon gepredigt. Die Theaterpredigten sind theologische Kommentare zu aktuellen Inszenierungen des Mecklenburgischen Staatstheaters. Sie bringen Theater und Kunst in einen Dialog mit biblischen Aussagen und dem Glauben.

Der in Hamburg geborene Landesbischof Gerhard Ulrich studierte zunächst Germanistik, Theaterwissenschaften und Schauspiel, bevor er 1974 zum Studium der Evangelischen Theologie wechselte. 2013 wurde er von der Landessynode der Nordkirche zum Landesbischof gewählt. Seine Predigtstätten sind der Dom zu Schwerin und der Dom zu Lübeck. Ulrich ist zugleich Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

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