amtsKULTUR mit Theaterpredigt zu „Luther“

Landesbischof Ulrich: „Nur ehrliches Erinnern befreit dazu, die Größe Luthers klar zu sehen“

Landesbischof Gerhard Ulrich hielt eine Theaterpredigt zu "Luther" im Kieler Schauspielhaus
Landesbischof Gerhard Ulrich hielt eine Theaterpredigt zu "Luther" im Kieler Schauspielhaus© Olaf Struck

10. Oktober 2017 von Silke Stöterau

Kiel. Vor einer „geistigen Verbrennung durch menschenverachtende Aussagen, Hass, Bloßstellung, Rassismus und andere Tabubrüche“ hat Gerhard Ulrich, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), in seiner Theaterpredigt heute (10. Oktober) im Schauspiel Kiel gewarnt. „Die gute alte Ordnung der Humanität, der Toleranz und des Respekts, droht, aufgekündigt zu werden an der Außengrenze der Europäischen Union und im eigenen Land“, sagte der Landesbischof während einer Vorstellung des Theaterstücks „Luther“ von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel. Zugleich mahnte er, Luther nicht als Helden auf einen Denkmalsockel zu stellen. Vielmehr sei der Reformator „ein Kind seiner Zeit, die geprägt war von der Angst vor dem Bösen.“ Das Stück, das als Kooperation des Schauspiels Kiel und amtsKULTUR, der Kulturreihe des Landeskirchenamtes der Nordkirche, zum 500-jährigen Reformationsjubiläum entstanden war, hatte am 7. und 8. Oktober erfolgreich Premiere.

Zu Luthers Zeit habe der Teufel für die Menschen in der Pest und anderen unbesiegbaren Krankheiten, in Hunger und Armut konkret Gestalt gehabt, so Ulrich. Dem sei aus Sicht des Reformators keine weltliche Macht gewachsen gewesen, sondern nur Gott allein: „Deshalb ist der Aufstand gegen das Böse bei Luther ein geistiger Aufstand durch das Gebet und Gottes Wort ohne Waffengewalt.“ Dennoch habe Luther zu Waffengewalt gegen Papst, Türken und Teufel aufgerufen: „Uns schwer verständlich, ist diese Trias für ihn Inbegriff des Diabolischen.“ Angesichts der totalen Vernichtung, mit der gegenwärtig erneut Mächtige einander drohen, bezeichnete der Landesbischof es als ein wichtiges Zeichen der Gewaltunterbrechung, dass der diesjährige Friedensnobelpreis der Initiative zur Abschaffung der Atomwaffen verliehen wurde.

Thematische Anknüpfung an Zaimoglus Roman "Evangelio"

Mit „Luther“ hat der Essayist und Dramatiker Feridun Zaimoglu gemeinsam mit seinem Co-Autor Günter Senkel – nach Teil 1 des Stücks „Die Zehn Gebote“ (2016) – erneut ein großes historisch-religiöses Thema für die Bühne erarbeitet. Dabei knüpfen die Autoren thematisch an den aktuell erschienenen Luther-Roman „Evangelio“ von Zaimoglu an und schreiben diesen sozusagen für die Bühne fort. Während im Roman Luthers Arbeit an der Bibelübersetzung auf der Wartburg 1522 im Zentrum steht, spielt das Stück 18 Jahre später in Wittenberg. Luther ist ein verheirateter Familienvater, die Zeiten sind unruhig und aufgeheizt. Als ein sehr heißer Sommer zu Ernteverlust und Wasserknappheit führt, braucht man einen Schuldigen – es kommt zu einem Hexenprozess gegen Prista Frühbottin. Die Schilderung des Prozesses beruht auf historischen Tatsachen. Die Anwesenheit der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon während des Malefizprozesses in Wittenberg ist fiktiv. Tatsächlich weilte Luther  zu der Zeit bei dem erkrankten Melanchthon in Eisenach.

Auch für Luther sei jedoch der Kampf gegen die der Hexerei Beschuldigten zugleich Kampf gegen den Teufel gewesen, stellte Landesbischof Ulrich in seiner Theaterpredigt fest. In dieser Phase habe Luther sein „solus christus“ sowie das Kreuz, das jener auf sich nahm, vergessen, so Ulrich: „Luther hat in seiner Gleichgültigkeit gegenüber den Hexenprozessen seiner Zeit die eigene Botschaft von Gottes radikaler Vergebungsbereitschaft und seinem Versöhnungsgebot verstellt. Als Christenmenschen, die an Luther erinnern in ehrendem Gedenken, tragen wir mit daran. Wir haben das unendliche Leid, das den Frauen und Männern damals zugefügt wurde, anzuerkennen. Das Unrecht können wir weder tilgen noch ungeschehen machen, aber wir können dazu stehen.“ Ulrich weiter: „Wenn heute Flüchtlingsunterkünfte brennen – dann ist das wie das Feuer in Wittenberg 1540 und um die Zeit herum auch hier in Kiel und Schleswig.“

Historischer Hexenprozess von 1540

In seiner Theaterpredigt nahm Landesbischof Ulrich während der 5. Szene direkt Bezug auf das Bühnengeschehen. Die Szene zeigt Luther im Jahr 1540 als einen Mann, der 23 Jahre nach dem Thesenanschlag und 19 Jahre nach den Bauernkriegen depressiv und voller Selbstzweifel ist. „Menschen werden verbrannt, verjagt und niedergemacht, verteufelt und exorziert. Die Ordnung des Mittelalters ist hier endgültig, wie am Ende des Bauernkrieges 1525 in Frankenhausen, zerschellt, eine Ordnung, die bis dahin jedem Menschen Platz und Stand in Gottes Hierarchie gegeben hatte“, so Ulrich. „In dieser Zeit wird Luther vom Rebellen zum Teil des politischen Systems.“ Der Reformator habe erkannt, dass seiner Reformation ohne die Obrigkeit, ohne die Politik kein Erfolg beschieden sei.

Ulrich weiter: „Was sagt mir Martin Luther, so wie er hier auf der Bühne erzählt wird, heute, 500 Jahre später? – Ich sehe und höre ganz viel von einem Grübler und Zweifler, sehe zusammenbrechende Strukturen, eine Zeitenwende wird augenfällig, ohne zu wissen, wohin die Zeit sich wendet.“ Das habe erschreckende Aktualität zur Gegenwart. Angesichts dessen befreie nur ehrliches Erinnern die Protestanten dazu, die Größe Martin Luthers wieder klar zu sehen und zu bekennen: „Wir gehen mit ihm weiter, weil er uns zum Evangelium zurückgeführt hat. Martin Luther hat die Tür zur Freiheit aufgestoßen und zur Wiederentdeckung der Würde jedes und jeder Einzelnen.“

Weitere Informationen zu Luther:
http://www.theater-kiel.de/monatsplan/produktion/titel/luther-urauffuehrung/   

Die Veranstaltungsreihe amtsKULTUR wird unterstützt von der Evangelischen Bank eG, vom Offenen Kanal Schleswig-Holstein und der Evangelischen Zeitung.

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