„Die Nordkirche wird weiter ihre unverwechselbare Stimme einbringen“

Letzter Bericht von Landesbischof Dr. h.c. Gerhard Ulrich vor der Landessynode

Landesbischof Ulrich bei seinem Abschlussbericht auf der Landessynode, Foto: Wendt/Nordkirche
Landesbischof Ulrich bei seinem Abschlussbericht auf der Landessynode, Foto: Wendt/Nordkirche

28. Februar 2019 von Maren Warnecke

Rostock-Warnemünde. „Zukunft braucht Erinnerung. Die Konfrontation mit der Schuld unserer Völker, unserer Väter- und Großvätergeneration ist Voraussetzung für Neuanfänge, für Versöhnung und für Abwehr von Hass und Gewalt“, sagte Landesbischof Dr. h.c. Gerhard Ulrich, Vorsitzender der Ersten Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), heute (28. Februar) in seinem letzten Bericht vor den 156 Mitgliedern der Landessynode. Zum 31. März tritt mit Ulrich der erste Landesbischof der 2012 gegründeten Nordkirche in den Ruhestand.

Wie politisch Kirche sein sollte, ist eine Frage, die den 1981 ordinierten Gerhard Ulrich seit dem Beginn seiner Berufsbiografie als Theologe begleitete, erinnerte er: „Wie gehen wir um mit der Vergangenheit, die uns prägt und die wir mitgestalten und mitverantworten?“ Eine Antwort darauf habe die Nordkirche 2016 mit der Wanderausstellung „Neue Anfänge nach 1945? – Wie die Landeskirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen“ gefunden.

Ein aktuelles Projekt der Ersten Kirchenleitung ist die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit der Nordkirche. Seit 2017 wird dazu ein Konzept erarbeitet, in das die theologischen Fakultäten auf dem Gebiet der Nordkirche wissenschaftlich einbezogen werden. Es gelte als gesichert, so Ulrich, dass sich der Einfluss der Stasi-Aktivitäten nicht auf die Christinnen und Christen in der DDR beschränkt habe, sondern die Partnerschaftsarbeit in erheblichem Umfang betroffen gewesen sei. „Daher braucht die ganze Nordkirche eine Aufarbeitung dieses Themas. Wir schulden es den Menschen, die widerständig gewesen sind und die gelitten haben, und wir schulden es uns selbst als einer Kirche, die bereit sein muss, das zu leben, was sie predigt: Existieren aus dem Vertrauen auf Vergebung.“

Unrecht aufzuarbeiten und sich somit der Schuld zu stellen, bedeute allerdings keinen Schlussstrich, denn für die von Unrecht Betroffenen werde die Traumatisierung nie ein Ende finden. „Auch wir als Kirche dürfen mit der Erinnerung und der Aufarbeitung nie an ein Ende geraten“, forderte der Landesbischof.

Ein weiteres zentrales Thema seines Berufsweges war für den scheidenden Landesbischof die Bildung. „Ich habe die Kirche immer als ein Bildungshaus verstanden. Sie bietet Lernräume, in denen Menschen aus unterschiedlichster Herkunft sich einüben können in der freien Entfaltung ihrer Gaben, in denen sie angstfrei sich selbst und andere erfahren und in denen sie ihr Leben verstehen lernen, gedeutet mit und unter dem Wort Gottes.“

Die Fähigkeit zum Dialog werde für die Zukunft der Nordkirche nach innen und außen entscheidend sein, so Ulrich weiter. „Unsere Landeskirche ist ein Ergebnis der Wende vor fast 30 Jahren, ein Ergebnis der friedlichen Revolution, die die trennende Mauer zum Einsturz brachte und Grenzzäune überwand.“ Noch sei der Weg des Zusammenwachsens der drei ehemaligen Landeskirchen mit ihren unterschiedlichen Kulturen und Geschichten nicht abgeschlossen: „Doch wir sind schon gut vorangekommen.“

Die Nordkirche werde sich auch in Zukunft mit Veränderungen beschäftigen und ihren Platz in der Gesellschaft bestimmen müssen. „Das alles darf nicht zum Rückzug führen in die Sakristeien“, mahnte Ulrich. „Diese Kirche wird und darf nicht aufhören, ihr Ohr bei denen zu haben, die gut ohne Gott auskommen; die ihren Halt woanders suchen – und dennoch fragen nach dem, was uns Christinnen und Christen trägt; die uns neugierig, suchend und fragend begegnen. Diese Kirche darf und wird nicht aufhören, sich einzumischen, teilzunehmen am gesellschaftlichen Dialog, ihre unverwechselbare Stimme einzubringen in all die Unsicherheit und Angst hinein. Weil die Chancen und Nöte der Menschen uns bewegen, uns nötigen, zu sagen, was uns im Mund liegt und auf der Zunge.“ Dabei bleibe es wichtig, bei sich selber Ambivalenzen und Spannungen wahrzunehmen, um nicht der Versuchung zu erliegen, mit ebenfalls populistischen Reden die Sehnsucht nach einfachen Antworten zu bedienen.

Zum Schluss seines Berichts dankte er den Vielen, „die Kirche zum Leib Christi machen, die sich in den Dienst nehmen lassen für Gottes Mission bei uns. Ich gehe als ein Beschenkter.“  Vor allem die Aufmerksamkeit für und die Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Glaubenserfahrungen im Bereich der Ökumene gehörte für Ulrich zu den lehrreichsten Erfahrungen seiner Amtszeit. „Eine ökumenische Kirche ist die andere Globalisierung: Die des Glaubens, der damit rechnet, dass Christus Grenzen überwindet und Zäune abbricht.“

Ulrich rief dazu auf, die Angst vor einem Bedeutungsverlust der Kirche abzulegen. „Es geht darum, dass wir der Bedeutung dessen, was uns in den Mund gelegt ist, selber vertrauen. Diese Bedeutung für die Welt und die Menschen ist nicht abhängig davon, dass möglichst viele zu uns gehören oder uns sagen, dass wir wichtig sind. Das Wort Gottes hat Bedeutung aus sich selbst heraus. Haltet fest daran. Und fürchtet euch nicht.“

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