30. August 2018 | Hauptkirche St. Michaelis Hamburg

Mit Gottes Segen in den Beruf

30. August 2018 von Kirsten Fehrs

Predigt zu Josua 1, 1-9, Azubi-Gottesdienst in Zusammenarbeit mit Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA), Handelskammer Hamburg und Handwerkskammer Hamburg

Sehr geehrter Herr Senator Rabe,
liebe Auszubildende, liebe Ausbilder*innen, liebe Eltern,liebe Schwestern und Brüder!

Eine Ausbildung anfangen, das bedeutet eine große Veränderung. Man spürt, das war ja eben sehr beeindruckend in den Statements zu hören: Ich muss jetzt die Verantwortung für mich selbst übernehmen. Entscheidungen treffen, die sonst andere für mich mit getroffen haben. Auf Leute aktiv zugehen und Kontakte schließen, ganz selbstständig. Tja, da muss schon ganz schön früh aufstehen….

Buchstäblich. Ganz von selbst morgens pünktlich im Betrieb erscheinen. Ich denke, die Ausbilder/innen (und die Eltern) hier wissen genau, dass das ein Thema ist. Und also, was für ein Morgentyp seid Ihr? Gehört Ihr zu denen, die schnell aus den Federn unter die Dusche springen, dabei ein Liedchen trällern und immer die ersten am Frühstückstisch sind? Oder verlasst ihr das Bett eher in Zeitlupe und findet nur mit halbgeschlossenen Augen den Weg in die Küche…? Ich verstehe das beides sehr gut. Zum Hallo-Wach-Typ bin ich auch erst im Laufe meines Berufs geworden… Ich kann mich sehr gut erinnern an früher, dass ich morgens definitiv keine Sprechstunde hatte.

Was ich aber immer brauchte: Dass man einander einen guten Morgen wünscht. Sich einmal in die Augen schauen und ein nettes Wort sagen, das ist so wichtig, bevor man dann losgeht in den Tag. Vielleicht auch begleitet von einem mütterlich mahnenden „Bind dir doch ordentlich die Schuhe zu“ oder „Pass auf dich auf!“– alles kleine alltägliche Worte, die große Zuneigung ausdrücken können und Nähe. Auch beim Bäcker übrigens oder im Bus schadet so etwas wie „Guten Morgen“ nicht, das ist ja mehr als nur eine akustische Wachheitsanzeige. Es ist ein freundlicher Wunsch auch an die Gesellschaft. Und wenn man es genau nimmt, Ihr merkt, es ist eine Predigt:  ist es sogar ein Segenswort. „Ich wünsche dir etwas Gutes, einen guten Morgen“. Wir hier sagen dazu: „Moin!“, wobei das ja nicht etwa die Abkürzung von „Morjen“ ist, sondern aus dem Plattdeutschen kommt, da heißt „moi“ soviel wie „gut“ oder „schön“.

Einen Segen gibt es also nicht nur in der Kirche, sondern seit jeher auch im Alltag. Übrigens auch beim Abschied, Tschüss (oder adschüss) kommt ja vom französischen Adieu, „geh mit Gott“.

Klar ist: Wir brauchen solche Segensworte. Sie geben einem Schwung und das Gefühln anerkannt und erwünscht zu sein. Deshalb ist es so wichtig, dass die Ausbilder/innen in einem Betrieb zu Beginn eurer Ausbildungszeit sagen: „Herzlich willkommen!“ Das hört ihr hoffentlich am ersten Tag schon in eurem Betrieb oder Büro. Und sicherlich auch zwischendurch ein ermutigendes: „Hau rein, du schaffst das schon!“

Es gibt viele solcher Worte – die sagen einem was. Weil sie etwas in uns „erwischen“. Zum Beispiel, wenn man gerade nicht so gut drauf ist, warum auch immer. Richtige Worte zur rechten Zeit, die darum wissen, dass man jetzt nicht belehrt werden will, sondern verstanden. Worte, die aber, um sie zu hören, gesagt werden müssen.

So wie Gott es gegenüber Josua tut: „Habe ich dir nicht gesagt: „Sei getröstet und unverzagt?“ – Gottes Wort trifft Josua genau zu richtigen Zeit. – „Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht, hab keine Angst. Denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“

Segenswort ist Lebenswort. Allzumal, wenn wir eine Tür öffnen, um in einen anderen Lebensraum zu gehen. Wenn‘s wechselvoll wird und aufregend, ungewiss. Wenn‘s in einen Beruf geht, von dem man manchmal gar nicht weiß: Ist das eigentlich das Richtige für mich? Packe ich das überhaupt? Wie finden mich wohl die Kollegen? Haut mich womöglich deren Kritik um?

Alles Fragen, die einen auf der Schwelle von einem Lebensraum in den anderen ziemlich beschäftigen können. Die einem auch Angst machen. Das haben wir eben gehört. Sehr eindrücklich von Ramazan: Was ist, wenn man mich wegen meiner Herkunft komisch anguckt? Um dann zu merken, in mir ist selbst ist das Vorurteil, gar nicht in den anderen. Was für eine kluge Erkenntnis, ich danke euch allen dafür, dass Ihr uns teilhaben lasst an euren Gedanken und ja - Gefühlen. Das ist so hilfreich für andere, denen es haargenau so geht wie euch!

Josua zum Beispiel. Okay, die ganze Geschichte ist fast 3000 Jahre alt, aber stimmt doch ziemlich gut mit den Gefühlen überein, die Ihr geschildert habt. Und wie wichtig ist da Gottes Segen! Sei unverzagt, also: lass dich nicht bestimmen von der Angst. Lass sie nicht über dich siegen. Schau vielmehr wie Josua da oben auf dem Berg, was für ein schönes Land vor dir liegt. Du hast ein Ziel, eine Aussicht. Das ist ja überhaupt nicht selbstverständlich! Also los, nicht zwei Schritte zurückgehen, sondern mutig nach vorn. Step by step.

Du bist nicht allein, das ist die Botschaft. Mit Gott an der Seite – da lässt sich viel trauen. Denn er als der Schöpfer der Welt, der weiß: Du hast soviel in dir, da will so viel entdeckt werden! Ihr alle seid mit so vielen Talenten gesegnet: Der eine ist Tüftler und Bastler, die andere kann gut Kopfrechnen, der eine hat ein unglaubliches Lächeln, die andere kennt sich gut mit Computern aus. Mehr als ein Talent hast auch du - und deshalb wirst du das Leben und die Verantwortung schaffen. Du hast so viel Kraft in dir, du kannst auch für andere ein Segen sein. Denn du wirst gebraucht in unserer Gesellschaft, der es zunehmend an guten, anerkennenden Worten fehlt. Da ist so viel Abwertung und Ausgrenzung, wir brauchen euch, um dagegen zu halten!

Und so wünsche ich euch stets Menschen, die für euch gute und klare Worte finden. Worte der Ermutigung und Freundschaft. Morgens, wenn ihr aufsteht. Mittags, wenn ihr eine Pause braucht. Abends, wenn der lange Tag hinter euch liegt. Geht gesegnet, voller Kraft und voller Frieden.
Amen.

Datum
30.08.2018
Quelle
Stabsstelle Presse und Kommunikation
Von
Kirsten Fehrs
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