„Das Schönste am christlichen Glauben sind Weggemeinschaften“

Nordkirche verabschiedet Dr. Hans-Jürgen Abromeit als Bischof

Landesbischof Ralf Meister entpflichtet Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit und nimmt das Amtskreuz entgegen. Foto: kirche-mv.de/Vogel
Landesbischof Ralf Meister entpflichtet Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit und nimmt das Amtskreuz entgegen. Foto: kirche-mv.de/Vogel

14. September 2019 von Annette Klinkhardt

Greifswald. Über eine gemeinsame, von Gott gefügte Wegstrecke sprach Dr. Hans-Jürgen Abromeit heute (14. September) in Greifswald in seiner Abschiedspredigt als Bischof. In einem festlichen Gottesdienst im Greifswalder Dom St. Nikolai wurde der Greifswalder Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) entpflichtet und gab sein Amtskreuz zurück.

Landesbischof Ralf Meister (Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers) nahm als Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) die Entpflichtung vor. In seiner Ansprache sagte Ralf Meister resümierend: „Der letzte Bischof der Pommerschen Evangelischen Kirche geht in den Ruhestand. Er kann dankbar darauf schauen, dass diese Region auch durch sein Wirken eine starke Region geblieben ist.“ Damit bezog er sich auf 18 Jahre Amtszeit von Abromeit: Seit 2001 war dieser Bischof in Greifswald – zunächst als Bischof der Pommerschen Evangelischen Kirche, seit der Fusion der evangelischen Kirchen Mecklenburgs, Pommerns und Nordelbiens zur Nordkirche zu Pfingsten 2012 als Greifswalder Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern. Für seinen langjährigen Dienst dankte ihm Landesbischof Meister.

Vor seiner Entpflichtung hielt Bischof Abromeit seine Abschiedspredigt zur Emmausgeschichte (Lukas 24, 13-35): Zwei Jünger gehen gemeinsam noch ganz unter dem Eindruck des Todes Jesu von Jerusalem zum Ort Emmaus. Unterwegs schließt sich ihnen ein vermeintlich fremder Mann an. Bischof Abromeit sagte die Szene deutend: „Da wissen wir es schon – die Jünger noch nicht: Es ist nicht alles umsonst gewesen. Auch unsere Weggemeinschaft wird geadelt durch die Anwesenheit, dass da ein anderer ist, den wir oft nicht wahrnehmen, aber der dennoch da ist. Ohne ihn wäre seine Kirche nichts. Mit ihm ist sie etwas Einzigartiges, unvergleichlich mit Institutionen, Organisationen oder Bewegungen. Aber wir, seine Kirche merken es oft nicht, so wie die Jünger es nicht gemerkt haben, dass Jesus da war.“

Abromeit ging in seiner Predigt auf zahlreiche Weggefährtinnen und Weggefährten ein, die ihn während seiner 18 Amtsjahre begleitet haben. „Zu den besonders bereichernden Weggemeinschaften gehört die Räume und Kulturen überschreitende Gemeinschaft mit unseren Geschwistern in der Ökumene. Am meisten habe ich gelernt durch unsere Geschwister aus den Partnerkirchen, aus Polen, Tansania, Südafrika, Schweden, aus den USA und aus Palästina. Es gibt andere Logiken, andere Erfahrungen und einen Frieden – trotz aller Verletzungen, die wir uns in der Vergangenheit zugefügt haben. Die Kirche Jesu Christi lebt die Versöhnung, die diese Welt so sehr braucht“, sagte der scheidende Bischof.

Als in der Nordkirche zuständiger Bischof für die Aus- und Fortbildung der Pastorinnen und Pastoren in Ratzeburg sagte er: „Besonders bereichernd empfinde ich die Gemeinschaft mit den jüngeren Pastorinnen und Pastoren. Da kamen neue Ideen in mein Leben und in meinen Kopf. Gerade weil viele auch vieles anders denken und glauben, bereichert sich unser gemeinsamer Weg.“ Er fasste zusammen: „Das Schönste am christlichen Glauben sind diese Weggemeinschaften, die Gott uns schenkt.“ Am Ende seiner Predigt betonte Abromeit noch einmal den unendlich großen Wert der gemeinsamen Feier des Gottesdienstes: „Jedes Mal, wenn wir Gottesdienst feiern, tritt Jesus neu in unser Leben – durch sein Wort, durch die Erinnerung an die Taufe, durch die Feier des Heiligen Mahles. Darum brauchen wir die Auferstehung, nicht nur Ostern und einmal im Jahr, sondern das ganze Jahr lang. Jeder Gottesdienst befreit uns neu zum Leben.“

Ibrahim Azar, Jerusalemer Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL) sprach nach der Entpflichtung von Bischof Abromeit die Gemeinde an: „Euch aber, liebe Gemeinde, bitte ich als Vertreter der einen Kirche Jesu Christi, als Bischof von Jerusalem: Achtet den Dienst, den dieser Bischof unter euch getan hat. Betet auch weiterhin für ihn. Bedenkt, dass wir alle zum Zeugnis und Dienst in der Welt berufen sind.“

Zur Person – Hintergrundinformationen:

Hans-Jürgen Abromeit wurde am 13. Oktober 1954 in Gevelsberg geboren und wuchs in Westfalen auf. Nach einem Theologiestudium in Wuppertal und Heidelberg absolvierte er sein Vikariat u. a. ein Jahr lang in Jerusalem. Anschließend war er Pfarrer in seiner Heimatstadt Gevelsberg und wirkte als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Praktische Theologie und Religionspädagogik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 1991 promovierte er zu Dietrich Bonhoeffers Christologie. Von 1994 bis 2001 war er Dozent am Pastoralkolleg der Evangelischen Kirche von Westfalen, das später eine Abteilung des Instituts für Aus-, Fort- und Weiterbildung im Haus Villigst in Schwerte wurde. 2001 wählte ihn die Landessynode der Pommerschen Evangelischen Kirche zum Bischof, im selben Jahr trat er die Nachfolge von Eduard Berger in Greifswald an. Dr. Abromeit wird noch ein knappes Jahr für das Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung (IEEG) forschen und lehren.

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