Bericht der Bischöfin und Bischöfe aus den Sprengeln auf der Nordkirchensynode

Ortsgemeinden beheimaten Menschen

24. September 2015 von Susanne Gerbsch, Christian Meyer, Annette Klinkhardt, Marie-Elisabeth Most-Werbeck, Maren Warnecke

Lübeck-Travemünde. Bischöfin Kirsten Fehrs (Sprengel Hamburg und Lübeck), Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit und Bischof Dr. Andreas von Maltzahn (Mecklenburg und Pommern) sowie Bischof Gothart Magaard (Schleswig und Holstein) haben heute (24. September) auf der Tagung der Landessynode in Lübeck-Travemünde das morgige Schwerpunktthema „Zukunft der Ortsgemeinde“ mit einem gemeinsamen Bericht aus den Sprengeln eingeleitet.

Als spezifische Stärke stellte Bischof Dr. Andreas von Maltzahn für den Sprengel Mecklenburg und Pommern heraus, dass „in einer sich rasant wandelnden Welt die Ortsgemeinden die Kraft haben, Menschen im Nahbereich zu beheimaten“. Er fügte hinzu: „Zukunftsforscher halten ‚Nachbarschaft‘ für eines der Zukunftsthemen.“ Die Beheimatung gelte nicht nur für Gemeindeglieder, sondern in gewisser Hinsicht auch für Konfessionslose, wie das Beispiel der rund 200 Kirchbaufördervereine zeige, in deren Reihen sich zahlreiche Menschen engagieren, ohne Kirchenmitglied zu sein. Darüber hinaus gehörten Ortsgemeinden in ländlichen Räumen manchmal zu den letzten zivilgesellschaftlichen Akteuren.

Gemeinde neu zu denken, ist gut protestantisch

Aufgrund der demografischen Entwicklung stehen auch aktive Ortsgemeinden vor großen Herausforderungen. „Auf der einen Seite gibt es an vielen Orten lebendige Gemeinden mit vielfachen Aktivitäten, die weit in die Zivilgesellschaft hineinreichen“, berichtete Bischof Abromeit. Andererseits gingen die Gemeindegliederzahlen zurück, so dass „manche Ortsgemeinden sich nicht fragen, welche Zukunft sie haben, sondern, ob sie überhaupt eine Zukunft haben“, so Abromeit weiter. Bischof von Maltzahn plädierte angesichts der Veränderungen in ländlichen Räumen für einen Umbau kirchlicher Strukturen, um orts- beziehungsweise regionalspezifische Lösungen zu ermöglichen. „Mit ,Erprobungsregionen‘“, so der Vorschlag von Maltzahns, „könnten die vorhandenen Ressourcen so eingesetzt werden, dass Menschen in Kontakt mit dem Evangelium kommen und bleiben“.

Die beiden Bischöfe machten deutlich, dass es natürlich Zeit brauche solche Optionen umzusetzen. Doch „Gemeinde neu zu denken und von den Charismen der Gemeindeglieder her Gemeinde bauen zu wollen, sei wichtig und steht uns Protestanten allemal gut an“, so ihr Schlusswort.

Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein, sprach sich in seinem Bericht dafür aus, zukünftig stärker Synergien zu nutzen, sowohl zwischen einzelnen Kirchengemeinden als auch zwischen Kirchengemeinden und Kommunen: „In jedem Fall sind die engagierten Christenmenschen ja zugleich Mitglieder der Bürgergemeinde. Viele sind vielfältig engagiert in Sportvereinen, in der Kommunalpolitik und in kulturellen Einrichtungen. Diese Verwobenheit gilt es wertzuschätzen und zu stärken. Und es gilt, miteinander querzudenken, Neues zu wagen.“

Entscheidende Herausforderungen teilen Christen- und Bürgergemeinde

Magaard hob die enge Einbindung der Kirchengemeinden in das Gemeinwesen hervor. Er sagte: „Entscheidende Herausforderungen teilen Christen- und Bürgergemeinde in unserem Sprengel: von der Zukunft ländlicher Räume angefangen bis hin zur Herausforderung, Menschen in sozialen Notlagen die Unterstützung zukommen zu lassen, die Not tut.“

Bischöfin Kirsten Fehrs, die in ihrem Beitrag des gemeinsamen Sprengelberichts dieses Mal ausdrücklich den Fokus auf die Metropole legte, erinnerte an das große Engagement vieler Menschen in Hamburg. „Gerade in der aktuellen Flüchtlingssituation merke ich, wie über 3.000 Ehrenamtliche mit Hauptamtlichen und Pastoren aus den evangelischen Gemeinden es schaffen, in die Stadtteile hineinzuwirken und echte fürsorgende Gemeinschaft zu sein“. Kirche und Diakonie zählten in der Hansestadt zu den wichtigsten zivilgesellschaftlichen Kooperationspartnern auf Senats- und Bezirksebene, so Fehrs weiter: „Und das oft dort, wo evangelische Christen in der Minderheit sind.“

Die Bischöfin ist überzeugt: „Evangelische Kirche kann im Gespräch sein, weil sie mit ihrer Gemeinde als einzige Institution überall vor Ort ist. Es ist das Zusammengehen von Glaubenssprache und praktischer Tat, die uns überzeugend macht. Für unsere Mitglieder und für alle anderen. Die Arbeit wird sein, Toleranz und Feinsinn für das dichte Zusammenspiel großer Unterschiede zu fördern, den Frieden auch unter den Religionen zu halten.“

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