Digitale Kirche

Pastorin Josephine Teske: „Alles was ich will, ist Kirche gestalten und verändern“

Sie will Kirche verändern – Pastorin und Influencerin Josephine Teske.
Sie will Kirche verändern – Pastorin und Influencerin Josephine Teske.© Simone Viere, Nordkirche

09. November 2021 von Simone Viere

Josephine Teske ist Pastorin in der schleswig-holsteinischen Kleinstadt Büdelsdorf – und gerade frisch in den Rat der EKD gewählt worden. Überregional bekannt wurde sie mit ihrem Instagram-Account @seligkeitsdinge_. Inzwischen hat sie mehr als 32.000 Follower. Mit uns hat sie über ihr Leben als Single-Mom im Pfarrhaus, digitale Seelsorge, und ihren Wunsch, die Kirche zu verändern, gesprochen.

Dass sie auf Instagram mittlerweile „eine echte Nummer“ ist, sei nie ihr Plan gewesen, sagt Josephine Teske. Aber offenbar interessiert es viele Menschen – auch weit über die Nordkirche hinaus – was sie zu sagen hat. Teske ist in zahlreichen Interviews und Podcasts zu Gast gewesen und auch der Spiegel hat schon über sie berichtet. 

Aufgewachsen ist die heute 35-Jährige in Templin in der Uckermark „wie Angela Merkel“ und konnte dort früh eine Beziehung zur Kirche aufbauen. „Das Pfarrhaus war mein zweites Zuhause, ich bin da ein und ausgegangen. Ich habe schon mit 14 Jahren beschlossen, Pastorin zu werden.“ Nach Abitur und Theologie-Studium in Rostock ging es 2015 nach Schleswig-Holstein ins Vikariat.

Als Seligkeitsdinge ist Pastorin Josephine Teske auf Instagram unterwegs.
Als Seligkeitsdinge ist Pastorin Josephine Teske auf Instagram unterwegs.© Simone Viere

Büdelsdorf, der Ort in dem sie seitdem mit ihren zwei Kindern lebt, hat rund 10.000 Einwohner. Etwa 6000 davon sind Mitglieder der evangelischen Gemeinde. Etliche davon folgen „ihrer“ Pastorin auch auf Instagram – die analoge Welt trifft dort auf die digitale Welt. Ein Beispiel: Die Eltern ihrer Konfirmandinnen und Konfirmanden folgen ihr auf Instagram und nehmen dort mit ihr Kontakt auf. „Sie wissen wer ihre Ansprechpartnerin vor Ort ist, die müssen nicht suchen. Da erreiche ich Menschen, die wir als Kirche sonst nicht erreichen würden. Das mag ich sehr.“

Mit ihrem Account auf Instagram hat sie im Vikariat angefangen, ohne Konzept, mit Fotos von Familie und Freunden. „Da war das noch was ganz Kleines. Ich hab nie gedacht, dass ich es mal für meine Arbeit nutze. Oder das es mal sowas Großes wird und ich dadurch so einen Einfluss habe“, so die Pastorin und „Sinnfluencerin“.

Gut vernetzt

Josphine Teske ist auch Mitglied bei yeet, einem evangelischen Netzwerk von Theologinnen und Theologen in den Sozialen Medien. Und dem ökumenischen Netzwerk Ruach.jetzt.
Auf ihrer Website sind Andachten und Podcasts zu finden: www.seligkeitsdinge.de

Mit ihren täglichen Beiträgen nimmt Teske die Menschen mit durch ihren Alltag. „Ich zeige, wie Gott mich in meinem Leben begleitet, wie mich mein Glaube trägt. Andere können sich wiederfinden oder abgrenzen, auf ihrer Suche nach Gott und nach existenziellen Fragen. Die habe ich als Pastorin ja genauso wie alle anderen auch.“

„Ich zeige auch die Brüche und die Kämpfe“

Ihre Community ist auf der ganzen Welt zuhause, mehr als 80 Prozent davon sind Frauen zwischen 20 und 45 Jahren. Das ist kein Wunder, denn Phine, wie sie von ihren Followern genannt wird, zeigt auch ihr Leben als Frau, Single und Mutter im Pfarrhaus. Sie teilt auch ihre Tränen und Verzweilung, ihre verletzliche Seite und spricht offen über Themen wie Feminismus, Sexismus, Homosexualität oder die Stille Geburt ihres ersten Sohnes. „Die Menschen wissen viel von mir, ich zeige auch die Brüche und die Kämpfe“, so die 35-jährige. „Aber das ganz Private zeige ich nicht. Ich trenne zwischen privat und persönlich.“ 

Andere Christinnen und Christen, Menschen auf Sinnsuche und Angehörige anderer Religionen folgen ihr.  „Menschen folgen Menschen, das muss man verstehen wenn man auf Instagram ist. Ich bin da immer radikal ehrlich. Ich zeige nicht nur die schönen Seiten. Ich bin nicht perfekt, meine Kinder sind perfekt unperfekt“, so Teske. 

Im Laufe der Zeit hat sie sich selbst Regeln auferlegt, um nicht rund um die Uhr zu arbeiten und erreichbar zu sein. „Abends lege ich mein Handy weg“, so die Theologin. Für Online-Seelsorgegespräche macht sie feste Termine, wie sie es auch mit Mitgliedern ihrer Ortsgemeinde tun würde. Entweder im Chat oder per Telefon bietet die Pastorin Gespräche an.

Kirche in Büdelsdorf
Kirche in Büdelsdorf© Simone Viere

„Die Seelsorge über Instagram bietet für die Menschen einen großen Vorteil. Sie müssen nicht suchen, zu welcher Gemeinde sie gehören. Sie wissen, wie ich ticke, dass ich sie nicht verurteilen werde und vertrauen mir. Sie können mir schreiben, wann sie wollen und wann sie bereit sind. Und sie wissen, sie werden mir vermutlich nie begegnen, sie bleiben anonym. Es ist dadurch ein ganz niedrigschwelliges Angebot.“

Ortsgemeinde an erster Stelle

Trotz ihres Erfolgs in dem sozialen Netzwerk steht ihre Gemeinde für sie an erster Stelle. „Ich liebe ja meinen Beruf als Pastorin.“ Wenn man online sehr erfolgreich ist, könne man leicht abheben. Ihre Gemeindearbeit holt sie auf den Boden zurück, sagt die Büdelsdorferin. „Wenn ich zum Beispiel eine Beerdigung habe, und mir der Verantwortung bewusst werde, da einen guten Abschied hinzubekommen, was ist dagegen Instagram? Als Gemeindepastorin erfahre ich immer wieder auch eine Demut.“ 

Für ihre Arbeit auf Instagram hat sie den Rückhalt aus ihrem Kirchenkreis, 25 Prozent ihrer Stelle hat sie dafür bekommen. Ihr Propst Matthias Krüger, als Propstix selbst online unterwegs, unterstützt sie. „Ohne ihn hätte ich das nicht machen können. Ich glaube, er fängt auch vieles für mich ab. Gerade am Anfang gab es auch viel Kritik, was ich zeige und wie ich es zeige. Mittlerweile ist das akzeptiert.“ 

Was sie sich für die Digitale Kirche wünscht? „Das auch andere Pastorinnen und Pastoren Stellenanteile bekommen für ihre Social Media Arbeit. Es macht wirklich viel Arbeit. Und man muss es ernst nehmen. Es ist so viel mehr als Selbstdarstellung. Und wir haben so viele Tolle hier in der Nordkirche, die so grandiose Arbeit machen.“  

„Ich stehe für was Neues“

„Alles was ich will, ist Kirche gestalten und verändern“, sagt Teske. „Ich habe mich kurz vor dem Ende meiner Probezeit hier in Büdelsdorf gefragt, wo kann denn mein Ort in dieser Kirche sein, wo ich wirklich was verändern kann, so dass dieses große Schiff anders fahren kann.“ 

Das ist ein Grund, warum sie sich für eine Kandidatur zur Wahl in den Rat der EKD entschieden hat. „Ich stehe für was Neues. Auf Instagram kann ich schon ganz viel gestalten und zeigen, wie Kirche sein kann. Ich habe da eine Gabe. Ich kann gut mit Menschen außerhalb der Kirche über Glauben kommunizieren. Aber auch innerhalb der Kirche möchte ich neue Wege gehen.“ 

Neu im Rat der EKD

Am 9. November 2021 wurde sie im fünften Wahlgang mit 102 Stimmen in den Rat der EKD gewählt. Ihre Wahl kommentierte sie mit den Worten: "Von Herzen gerne, vielen, vielen Dank!". Sie ist zusammen mit Bischöfin Kirsten Fehrs die zweite Theologin aus der Nordkirche, die im neu gewählten EKD-Rat sitzt. Am morgigen 10. November entscheidet die EKD-Synode, wer der oder die Ratsvorsitzende wird und damit Heinrich Bedford-Strohm ablöst. 

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