Zweite digitale Landessynode der Nordkirche beendet

Präses Hillmann: „Zukunftsweisende Beschlüsse für unsere Kirche gefasst“

Auch zu ihrer Februartagung mussten die Landessyndodalen auf den großen Tagungssaal in Travemünde mit unmittelbarer Möglichkeit zum Austausch verzichten. Doch auch auf digitalem Weg konnten entscheidende Themen beraten und auf den Weg gebracht werden
Auch zu ihrer Februartagung mussten die Landessyndodalen auf den großen Tagungssaal in Travemünde mit unmittelbarer Möglichkeit zum Austausch verzichten. Doch auch auf digitalem Weg konnten entscheidende Themen beraten und auf den Weg gebracht werden© Archiv: Susanne Hübner, Nordkirche

26. Februar 2021 von Maren Warnecke, Anne Christiansen

Kiel. Mit dem Haushalt 2021, dem Bericht aus dem Sprengel Schleswig und Holstein von Bischof Gothart Magaard, einer Solidaritätsbekundung der Nordkirche für die Situation der Menschen in Belarus und der Forderung des Ausschusses „Junge Menschen im Blick“ nach einer grundsätzlich stärkeren Beteiligung ist heute (26. Februar) die 9. Tagung der II. Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) fortgesetzt worden. Sie tagte zum zweiten Mal im digitalen Raum.

Präses Ulrike Hillmann sagte in ihrem Resümee: „Wir haben eine erfolgreiche Synodentagung durchführen können. Auch, wenn wir Corona-bedingt zum zweiten Mal das digitale Format wählen mussten, konnten die Synodalen auf diesem Wege erneut wichtige zukunftsweisende Beschlüsse für unsere Landeskirche fassen. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen haben die Synodalen einen Haushalt verabschiedet, der die kirchliche Arbeit auf allen Ebenen sicherstellt. Zu den sehr wichtigen Ergebnissen dieser Tagung gehört für mich außerdem, dass die Synode die mutig um Demokratie kämpfenden Menschen in Belarus mit unserer Erklärung aus der Ferne unterstützt!“

Die Landessynode vom 25. und 26. Februar 2021 zum Nachlesen

Schwerpunkt des heutigen zweiten Synodentages waren die Beratungen zum Haushalt für das laufende Jahr, der mit großer Mehrheit verabschiedet wurde. Für 2021 rechnet die Nordkirche mit 483 Millionen Euro an Kirchensteuereinnahmen. Das ist ein Minus von etwa 53 Millionen Euro gegenüber 2020, wie Malte Schlünz, Mitglied der Kirchenleitung, erläuterte. Die Einnahmen aus Kirchensteuern stellen 91 Prozent der Gesamteinnahmen der Landeskirche in Höhe von 533 Millionen Euro.

Es gibt vielfältige Gründe für den Rückgang der Kirchensteuereinnahmen, besonders in Corona-Zeiten: Gewinneinbußen, Umsatzrückgänge, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Corona-Steuerhilfegesetze, Schutzschilde für Unternehmen. Auch die rückläufige Entwicklung der Anzahl der Mitglieder als relevante Größe zählt dazu, gleichermaßen durch Kirchenaustritte und durch den demografischen Wandel. Ziel müsse es nun sein, so Finanzausschussvorsitzender Michael Rapp, „Entwürfe für die Zukunft zu schaffen, die wir mit Begeisterung umsetzen. Denn es gilt: Ecclesia semper reformanda! Wie stets in der Vergangenheit, so auch jetzt. Wir haben alle Chancen und die müssen wir jetzt wirklich nutzen!“

Nicht nur beim Thema Finanzen waren sich die Landessynodalen einig. Mit einer Solidaritätserklärung für die Situation der Menschen in Belarus stellt sich die Nordkirche an die Seite der belarussischen Menschen, die seit der Präsidentschaftswahl im August 2020 unter den Repressalien der Staatsmacht leiden. Welche dramatischen Folgen diese für die Bevölkerung hatten und haben, darüber berichtete die Theologin und Juristin Natallia Vasilevich von der Arbeitsgruppe „Christliche Vision“ in einem Interview mit Präses Ulrike Hillmann. Auch Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja dankte den Landessynodalen für ihre Gebete und Solidarität „mit den mutigen Demokratinnen und Demokraten in meinem Land“.

Mehr Partizipation - eine Forderung, die bei den Landessynodalen auf große Offenheit stieß. Malin Seeland vertritt als Vorsitzende des Ausschusses „Junge Menschen im Blick“ die Interessen von Kindern und Jugendlichen in der Landeskirche. Bei allen Kirchengesetzen und Rechtsverordnungen der Nordkirche müsse auch geklärt werden, wie sich diese auf das Leben von Kindern und Jugendlichen auswirken. Seeland stellte das Verfahren "Folgenabschätzung junge Nordkirche" (FjN) vor, mit dem bereits vor der ersten Gremiensitzung die Frage nach den möglichen Folgen für junge Menschen im Fokus ist. Im September 2021 soll das FjN von der Landessynode beschlossen werden.

Beteiligung, Austausch und kulturelle Vielfalt sind für Bischof Gothart Magaard wichtige Bestandteile, um Werte wie Demokratie, Frieden und Versöhnung leben zu können - gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie. In seinem Sprengelbericht für Schleswig und Holstein blickte er außerdem zuversichtlich auf den Zukunftsprozess der Nordkirche. Veränderung bedeute oftmals auch schmerzliche Abschiede von altvertrauten Gewohnheiten. Doch gerade darin liege die Chance, neue Projekte zu erproben und dabei ein starkes Netz untereinander zu knüpfen. Bischof Magaard: „Ich wünsche mir eine Kirche, die mit und bei den Menschen ist.“

Die Landessynode hat während ihrer digitalen Tagung außerdem unter anderem mehrere Kirchengesetze beraten und beschlossen. Für die unmittelbare Arbeit der Landessynode zukunftsweisend war dabei das Kirchengesetz zur Tagung kirchlicher Gremien, das die Entscheidungsmöglichkeiten für unterschiedliche Arten (Präsenz, digital, hybrid) vergrößert. Weitere Kirchengesetze waren beispielsweise das Geschlechtergerechtigkeitsgesetz und das Pfarrstellenbesetzungsgesetz.

Bereits am Donnerstag wurde die Gründung des Kommunikationswerks der Nordkirche beschlossen. Bei ihrer Einbringung sagte Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt: „Kommunikation ist dialogischer geworden. Hierarchien und Machtfaktoren verschieben sich rasant. Vor allem geht es nicht nur darum, gute Inhalte zu senden, sondern genau hinzuhören, wie Inhalte aufgenommen werden und was andere zu sagen haben.“ Ab Sommer 2021 will die Nordkirche ihre Kommunikation professionalisieren und sich den medialen Herausforderungen im 21. Jahrhundert stellen. Die bisherigen Einheiten der Stabsstelle Presse und Kommunikation und des Amtes für Öffentlichkeitsdienst (AFP) werden in dem neuen Werk unter einem Dach zusammengefasst.

Mit einem Gottesdienst aus dem Greifswalder Dom hatte die Tagung der Landessynode begonnen. Bischof Tilmann Jeremias lenkte den Blick dabei auf das Gedenkjahr 1.700 Jahre jüdischen Lebens, das 2021 begangen wird. „Wir Menschen leben aus der Erinnerung. Zu gedenken hilft uns, in der Gegenwart zu leben und für die Zukunft zu lernen.“
 

Die nächste Tagung der II. Landessynode ist für Freitag, 23. und Sonnabend, 24. April geplant.

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