Predigt im Gottesdienst zum 7. Küstertag der Nordkirche
28. September 2026
Lk 12, 35-38
Liebe Küsterinnen und Küster,
Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt.
Wie schön, dass ich gern mit Ihnen diesen Tag beginnen darf – danke!
Und dazu dieser Text aus dem Lukas-Evangelium, in anderer Übersetzung der Basisbibel:
„Haltet euch bereit und sorgt dafür, dass eure Öllampen brennen – wie Leute, die warten, dass ihr Herr vom Hochzeitsfest zurückkommt.“
Zwei Gedanken von mir zu diesem Text.
Erster Gedanke: Ohne die, die dafür sorgen, dass die Lampen brennen, geht das Licht aus.
Und das sind Sie!
Sie machen als Erste in der Kirche das Licht an, öffnen die Türen, ordnen Bücher. Sie bereiten alles vor für das Abendmahl, für die Taufe, die Hochzeit, die Trauerfeier.
Sie machen alles bereit.
Vieles von dem, was Sie tun, passiert im Verborgenen. Die eingeübten Handgriffe, die niemand sieht – aber die jedem auffallen, wenn sie fehlen!
Egal, in welcher Kirche ich zu Gast bin – mein erster Blick gilt der Küsterin, dem Küster: Was muss ich wissen? Wie funktioniert das Mikro? Wie geht das Licht an der Kanzel an? Auf welche Stolperfallen muss ich achten?
All das ist ganz und gar nicht egal. Und genau darauf weist der Predigttext hin.
„Eure Lichter sollen brennen“ meint hier ganz praktisch: Es braucht Menschen, die bereithalten, was gebraucht wird, schon bevor es gebraucht wird. Menschen, die auf ihren Herrn warten und wissen: Wenn er kommt, wird alles bereit sein.
Die Geschichte aus dem Lukasevangelium nimmt sehr ernst, was Sie tun.
Ohne Sie geht es nicht.
Ohne Sie bleiben die Lichter in unseren Kirchen – ganz praktisch – aus.
Mein zweiter Gedanke richtet sich auf den Schluss des Textes.
Der erzählt, was passiert, wenn der Herr denn dann da ist.
Er lässt sich nicht bedienen, sondern dort heißt es: „Der Herr wird sich eine Schürze umbinden und sie zu Tisch bitten“.
Das heißt: Eine Umkehrung der Verhältnisse!
Gott dreht die Rollen um – nicht als Ausnahme, sondern als sein eigentliches Wesen.
Unser Gott ist ein Gott, der dient, bevor er bedient wird.
Gott ist ein Gott, der dient!
Und das heißt für uns heute Morgen konkret: Gott sieht, was sonst niemand sieht.
Euer Tun, damit alles vorbereitet ist.
Die Kirche, die Ihr aufschließt. Die Kerzen, die Ihr in der noch leeren Kirche anzündet. Und so vieles mehr …
Und Gott antwortet darauf nicht mit einem „Dankeschön“, sondern er lädt uns alle ein an seinen Tisch.
Deshalb: Wunderbar, dass wir gleich zusammen das Heilige Mahl feiern.
Denn genau dort, am Tisch des Herrn, zeigt sich Wesen und Ziel all unseres Tuns – egal, ob Kirchenmusiker, Diakonin, Küsterinnen, Pastoren oder Bischöfin.
Wir alle sind eins – in Christus.
Amen