21. Mai 2020 | Kirche Gültz

Predigt zu Christi Himmelfahrt

21. Mai 2020 von Tilman Jeremias

Christi Himmelfahrt, Predigt zu Joh 17,20-26

Liebe Gemeinde,

ich freue mich sehr, heute bei Ihnen sein zu können. In sehr speziellen Zeiten feiern wir Himmelfahrt. Die Beschränkungen sind beschwerlich. Mir fehlt vor allem das Singen im heutigen Gottesdienst. Auch von unserer engen christlichen Gemeinschaft zu reden und dann immer peinlich auf Abstand zu achten, fällt mir nicht eben leicht.

Himmelfahrt ist der Tag, an dem der Auferstandene seine Freunde verlässt. 40 Tage lang hat er sich als der Lebendige gezeigt. Diese Zeit ist nun vorbei. Aber Jesus Christus ist weiter bei seiner Gemeinde, nur eben nicht mehr sichtbar. Es ist der Geist Gottes, der uns an Jesus erinnert und untereinander verbindet.

Ich habe heute das Glück, über einen meiner Leib- und Magentexte aus der Bibel predigen zu dürfen. Manche von Ihnen werden wissen, dass ich vor meiner Bischofszeit als Pastor für Ökumene in Mecklenburg gearbeitet habe. Und in der Ökumene wird ganz oft Joh 17 zitiert. Es ist das sogenannte hohepriesterliche Gebet Jesu. Vor seinem Leidensweg betet Jesus zu seinem Vater. Er legt seinem himmlischen Vater diejenigen ans Herz, die ihm gefolgt sind und die er bald verlassen wird. Er bittet für seine Leute wie ein Hohepriester. Sein wichtigstes Anliegen: Dass seine Nachfolgerinnen und Nachfolger eins sein mögen.

Ich lese unseren Predigttext aus Joh 17:

Jesus betet zu seinem Vater. Seine Jüngerinnen und Jünger sollen nahe bei ihm bleiben. Und sie sollen eins sein. Wie er, Jesus, und der Vater eins sind, so sollen auch die Christenleut eins sein.

Das ist wie ein Vermächtnis Jesu. Die Einheit der Christenheit ist nicht irgendein Aspekt der Kirche, es ist der letzte Wunsch Jesu vor seinem Sterben. Als Glaubende leben wir davon, dass wir geliebt sind von Gott. Diese Liebe soll unter uns herrschen. „Auf dass die Welt glaube“. Jesus ist überzeugt: Wo das so ist, wo Christinnen und Christen eins sind in der Liebe Gottes, da fühlen sich neue Leute angesprochen und kommen dazu. Da ist es allerdings auch nicht weit zum Umkehrschluss: Uneinigkeit auf allen Ebenen der Kirche wirkt nicht gerade als Einladung zum Glauben.

Was heißt das nun aber, Einssein? Sollen wir nun alle gleich aussehen? Die gleichen Hobbies haben? Oder immer einer Meinung sein? Einssein also als Einheitlichkeit?

Das wäre ein totales Missverständnis. Seit Anfang an ist die Kirche und ist die Gemeinde ein bunter Mix. Alt und Jung, Reich und Arm, überzeugt und zweifelnd, progressiv und konservativ. Unsere Kirche ist kein Verein und keine Partei, hier haben alle Platz. Jesus betet nie und nimmer darum, dass wir etwa alle gleich sein sollen. Im Gegenteil. Die Kirchengeschichte, die ja im Neuen Testament losgeht, ist voll von Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten. Unter der Weite des göttlichen Himmels sind alle willkommen. Das macht die Sache aber durchaus noch komplizierter. Denn es geht also um das Einssein von ganz verschiedenen Menschen. Wir sind verbunden durch den Glauben und die Taufe, das aber eben in all unserer Unterschiedlichkeit. Wie können wir da eins werden?

Schauen wir dazu auf die besondere gegenwärtige Situation. Vermutlich ist es hier wie überall. Als wir Mitte März die großen Gefahren der Corona- Pandemie begriffen haben, haben wir uns bereitwillig auf alle Einschränkungen des Lebens eingelassen. Nur keine Situation wie in Norditalien! Ein großer Konsens prägte unsere Gesellschaft und auch unsere Kirche. Jetzt, zwei Monate später, ist das durchaus anders geworden. Manche gehen auf die Straße und protestieren gegen alle staatlichen Eingriffe. Andere mahnen zu größerer Vorsicht, vor allem, um die Schwächsten zu schützen.

So anders geht es bei uns in der Kirche nicht zu. Manche schütteln den Kopf darüber, dass die Kirche sich vom Staat verbieten ließ, Gottesdienst in Kirchen zu feiern und das noch um Ostern. Andere halten es für leichtsinnig, jetzt schon wieder zusammen zu kommen, wie wir es gerade tun.

Es ist gut, christlich und demokratisch, darüber zu diskutieren, einander offen die Meinung zu sagen und im Diskurs eine Marschrichtung zu finden, mit der möglichst viele leben können. Aber diese Debatte soll und darf uns nicht auseinander reißen. Wir verraten das Gebet Jesu, wenn wir Leute mit anderen Meinungen ausgrenzen oder gar diffamieren. Außer diese Standpunkte verlassen ihrerseits die Basis der christlichen Botschaft und der Liebe. Das sind dann die Punkte, wo es wirklich heikel wird.

Die große Herausforderung ist es also, eins zu sein in der Kirche, in der Gemeinde, ohne dass wir alle das gleiche denken oder uns gegenseitig super sympathisch finden. Solches Einswerden erfordert eine gewisse himmlische Weite des Herzens.

Ich möchte mit Ihnen dazu eine Erfahrung teilen, die ich schon oft gemacht habe. Ich verhehle Ihnen nicht, dass es durchaus so manche Menschen in unserer Kirche gibt, die auch mir Mühe machen, mit denen es mir nicht leicht fällt, auf eine Ebene zu kommen. Und nicht so selten hinterlassen heftige Diskussionen auch schon mal gehörige Bauchschmerzen bei mir. Aber es ist erstaunlich: Wenn ich dann mit genau diesen Leuten im Kreis sitze, wir singen und beten zusammen, lesen die Bibel und tauschen uns aus, da wird so mancher Streitpunkt kleiner und unwichtiger.

Und hier sind wir beim Kernpunkt des Gebetes Jesu. Wir sollen nicht gleich werden. Wir sollen eins werden, einer den anderen annehmen, wie Christus uns angenommen hat. In der Liebe Gottes verbunden bleiben gerade auch mit denen, die uns das Leben manchmal schwer machen. Und das gilt hier vor Ort in Gültz und Altenhagen, aber auch in der weltweiten Christenheit. Die Spaltung in verschiedene Konfessionen ist ein Schlag ins Gesicht des hohepriesterlichen Gebetes Jesu. Eins sein! Verbunden bleiben durch Gottes Geist in der Liebe des Vaters, diesen Auftrag haben wir als Jesu Vermächtnis. Darum sind Fortschritte in der Ökumene so zentral.

Und dieses Einssein ist tägliche Herausforderung in der Ehe, in der Familie, in der Schule, im Betrieb, und das noch in Krisenzeiten.

Deswegen ist gut, dass Jesus uns in seinem Gebet daran erinnert, dass wir nicht die Macher des Einsseins sind. Vater und Sohn sind eins im Heiligen Geist. Der Geist Gottes führt uns zusammen als die ganz Verschiedenen. In diesem Geist gehören wir zusammen als der eine Leib Christi. Das Band dieses Leibes ist die Liebe. Wir bekommen es also geschenkt, eins sein zu können durch Gottes Geist.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie als Gemeinde hier vor Ort wachsen in der Einheit, aber auch wir als Kirche hier im Kirchenkreis, im Sprengel Mecklenburg und Pommern, in der Nordkirche und weltweit. Dazu sende Gott uns seinen lebensstiftenden Geist.
Amen.   

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