Bischof Gothart Magaard: „Die Hoffnung auf Veränderung nicht aufgeben“

Rabbiner Prof. Dr. Walter Homolka zu Gast beim zweiten Kieler Reformationsabend

Ansgarkirche in Kiel, Foto: Wendt/Nordkirche
Ansgarkirche in Kiel, Foto: Wendt/Nordkirche
Bischof Magaard, Oberbürgermeister Dr. Kämpfer, Ministerin Prien, Prof. Dr. Homolka, Foto: Wendt/Nordkirche
Bischof Magaard, Oberbürgermeister Dr. Kämpfer, Ministerin Prien, Prof. Dr. Homolka, Foto: Wendt/Nordkirche

30. Oktober 2019 von Antje Wendt

Schleswig/Kiel. Zum zweiten „Kieler Reformationsabend“ hat Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde Kiel heute (30. Oktober) in die Citykirche St. Ansgar in Kiel eingeladen. Anlass war der morgige Reformationstag, der in diesem Jahr zum zweiten Mal als gesetzlicher Feiertag in Schleswig-Holstein begangen wird. Das Motto des Abends lautete „Reformation 2019 ist Versöhnung?!“. Rabbiner Prof. Dr. Walter Homolka, Vorsitzender der Union progressiver Juden in Deutschland KdöR, Schleswig Holsteins Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Karin Prien, sowie der Kieler Oberbürgermeister, Dr. Ulf Kämpfer, ergriffen im Laufe der Veranstaltung das Wort.

Bischof Magaard sagte in seiner Begrüßung: „Als evangelisch-lutherische Kirche verstehen wir den neuen Feiertag als Chance und Auftrag, ihn für einen gesellschaftlichen Diskurs über die Bedeutung von Glauben und Religion für unser Miteinander zu nutzen. Unsere heutige Veranstaltung gilt dem Thema Versöhnung, dem wir uns gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde Kiel und in ökumenischer Verbundenheit widmen wollen.“ Bischof Magaard erklärte: „Der Zustand unserer Gesellschaft bereitet mir Sorge. Der Beitrag, den wir für unsere Gesellschaft leisten können, ist das öffentliche Eintreten für freie Religionsausübung und die Achtung der menschlichen Würde, das Einstehen für gewaltlose Formen des Umgangs mit unterschiedlichen Traditionen. Dazu zählt in gleichem Maße der Wille, keinen Menschen aufzugeben, Versöhnung mit den Menschen zu suchen und die Hoffnung auf Veränderung nicht aufzugeben.“

Im Zentrum der Veranstaltung stand ein Impulsvortrag von Rabbiner Prof. Dr. Walter Homolka, Vorsitzender der Union progressiver Juden in Deutschland KdöR. Sein Vortrag war dem Thema „Versöhnung für diese Gesellschaft“ gewidmet. „Wir müssen heute Gesellschaft völlig neu denken. Unsere pluralisierte Gesellschaft birgt kein Versprechen einer gemeinsamen Gesellschaft mehr“, stellte er fest und fuhr fort: „Gesellschaft bedeutet die Verbindung der Unterschiede. Pluralismus ist keine Ansammlung von unterschiedlichen Kulturen und Religionen. Es ist nicht einfach eine Addition, wo etwas Neues zu einem Bestehenden hinzukommt. Pluralisierung verändert alle – alte Einheimische und neue. Um gedeihlich zusammenzuwirken, bedarf es der Einbindung auch all der interreligiösen Initiativen, spirituellen Gemeinschaften und zivilgesellschaftlichen Gruppen, die das Aufbrechen der Religionsgemeinschaften mit sich gebracht hat. Sie alle sollen ihr konstruktives Potential einbringen können.“ Rabbiner Homolka ermutigte die Anwesenden: „Auf dem Feld des gesellschaftlichen Miteianders und der Verteidigung der Werte unserer offenen Gesellschaft gibt es ein gemeinsames Ziel. Das müssen wir miteinander verfolgen.“

„Eine der großen Leistungen der Reformation ist, dass sie den Weg für ein republikanisch-bürgerliches Staatsverständnis mitgeebnet hat“, äußerte Ministerin Karin Prien in ihrem Grußwort. „Heute leben in Schleswig-Holstein Katholiken, Protestanten, Juden und Muslime friedlich zusammen und arbeiten gemeinsam am Wohlergeben unserer Gemeinschaft“, fuhr sie fort. „Wir sollten ein Pflichtgefühl spüren und es sollte uns ein innerer Wille sein, dieses Zusammenleben zu stärken. Antisemitismus entgegen zu treten und diese Werte unserer Gemeinschaft zu verteidigen, ist dabei eine Aufgabe für jeden von uns.“

„Ich freue mich, dass der diesjährige ‚Kieler Reformationsabend‘ der Nordkirche dem Thema Versöhnung gewidmet wurde – und das lange, bevor dieser Begriff durch den brutalen Anschlag in Halle eine neue schmerzliche Aktualität bekommen hat“, sagte Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer in seinem Grußwort. „Versöhnung steht immer am Anfang eines Prozesses, der auf Heilung und Frieden abzielt“, so der Oberbürgermeister. „Echte Versöhnung geht nur auf Augenhöhe, wenn sich beide Parteien mit der Sichtweise und den Realitäten des jeweils anderen vertraut gemacht haben und sie anerkennen.“

Der Abend wurde musikalisch von der mittelholsteinschen WELT kapelle“ mit Musikerinnen und Musikern aus Syrien, dem Irak und Deutschland, die seit 2016 in Schleswig-Holstein gemeinsam musizieren, eingerahmt.

Bei einem Imbiss im Gemeindehaus und mit einem interreligiösen Friedensgebet endete der Abend. Das Friedensgebet wurde gemeinsam gestaltet von Fatih Mutlu (Vorsitzender der Islamischen Religionsgemeinschaft Schleswig-Holstein e.V./SCHURA), Propst Dr. Thomas Benner (Erzbistum Hamburg), Pröpstin Almut Witt (Kirchenkreis Altholstein/Nordkirche), Pastor Helge Frey (Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Schleswig-Holstein) und Walter Joshua Pannbacker (Vorstand Jüdische Gemeinde Kiel e.V.).  

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