Religionsunterricht in der Schule

Religionslehrer im Gespräch: "Welche Werte, welchen ethischen Hintergrund habe ich?"

Lars Petersen ist Religionslehrer an einer Gemeinschaftsschule in Flensburg
Lars Petersen ist Religionslehrer an einer Gemeinschaftsschule in Flensburg© Antje Wendt, Nordkirche

14. November 2022 von Antje Wendt

Lars Petersen ist Religionslehrer in Flensburg. An der Fridtjof-Nansen-Schule begleitete er momentan eine Klasse von 16 Schülerinnen und Schüler ins Abitur. Im Gespräch mit nordkirche.de berichtet er über seine Erfahrungen im Religionsunterricht und ist sich sicher: "Wenn wir gemeinsam Grundlagen schaffen, müssen wir nicht mehr über Religionen streiten". 

Weitere Informationen zum Religionsunterricht: www.mein-reli.de

Einige Gemeinschaftsschulen im Bundesland Schleswig-Holstein umfassen auch die Oberstufen von Klasse 11 bis 13 mit dem Abitur als Abschluss, so dass Petersen nicht nur die Klassen 5 und 6 sowie 9 und 10, sondern auch die Sekundarstufe II unterrichtet. Dieser Unterricht sei ihm der liebste, weil er mit diesen jungen Erwachsenen ganz anders reden könne, erzählt er.

In Petersens Abschlussklasse sind sechs seiner Schülerinnen und Schüler getauft und konfirmiert, mehrere sind muslimischen oder jesidischen Glaubens. Besonders freue er sich auf die Präsentationsprüfung einer jungen Muslima, die als Themen den Islam sowie „Jesus“ gewählt hat.

Zur Person

Lars Petersen ist seit 24 Jahren Lehrer für Deutsch und Religion, anfangs in Hamburg, später in Rostock und im niedersächsischen Varel. Seit August 2009 ist er an der Gemeinschaftsschule Fridtjof-Nansen-Schule in Flensburg.

Die großen Weltreligionen verstehen

Die Inhalte des Religionsunterrichtes werden bestimmt von den Fachanforderungen des jeweiligen Bundeslandes, berichtet Lars Petersen im Gespräch. Die Schwerpunkte setze jede Lehrkraft letztendlich selbst in Absprache mit den Kolleginnen und Kollegen der Schule, festgelegt im schulischen Fachcurriculum. Christentum werde in der Grundschule gelehrt, in der Unterstufe gehe es zunächst um die großen Weltreligionen Islam und Judentum.

„Für uns sind die großen Religionen einfacher zu verstehen: Christentum entsteht aus dem Judentum, und ganz eng damit zusammenhängend der Islam. Wir sind so dicht zusammen, dass die Schülerinnen und Schüler der Unterstufe ganz oft gar nicht glauben, dass Geschichten aus anderen Religionen erzählt werden. Christentum und Judentum haben ja von vornherein die gleichen Erzählungen im Alten Testament. Und im Koran tauchen sie nur anders erzählt wieder auf. Weil Hinduismus und Buddhismus viel komplexer und uns wesentlich fremder sind, werden sie erst in der 9. und 10. Klasse behandelt.“

Er stelle immer wieder fest, so Petersen, dass das Christentum eigentlich auch grundlegend behandelt werden müsse, da die Schülerinnen und Schüler nur wenig vertraut seien mit den christlichen Geschichten und Traditionen.

„Es geht um die Frage: Was macht das mit uns?“

„Ich denke", so Petersen, „dass die Schülerinnen und Schüler erst allmählich begreifen, warum wir diesen Religionsunterricht machen. Es geht um Fragen wie: Welche Werte, welchen ethischen Hintergrund habe ich? Wie gehe ich mit anderen um? Wir machen uns also Gedanken um uns selbst, über Dinge, über die wir sonst vielleicht nicht nachdenken würden. Und die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit ihrer eigenen Religiosität auseinander. Religionsunterricht muss gegenwärtig mehr die Grundlagen schaffen, ganz unabhängig von der Konfession: Was ist Religion? Was macht das eigentlich mit uns? Wir alle glauben an irgendetwas im Leben. Wenn die Schülerinnen und Schüler das erkennen würden, wäre das schon sehr cool.“

„Echter Glaube hält auch Zweifel aus“

„Evangelische Religion ist in meinem Fall ein Angebot,“ meint Lars Petersen. „Da kann ich als authentischer Vertreter stehen und sagen: So bin ich aufgewachsen, das habe ich gelernt und das ist meine Überzeugung. Darüber ins Gespräch zu kommen, unabhängig davon, welchen Glauben der einzelne hat, ist mir im Unterricht wichtig. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Schülerinnen und Schüler das als Orientierungshilfe annehmen können.

Dabei möchte ich nicht als 'Missionar' auftreten oder verstanden werden. Wenn es in der Oberstufe um Gottesbilder, Gottesbeweise oder Gotteskritik geht, nehme ich selbst gerne die Rolle des Kritikers ein, um die Schülerinnen und Schüler zum Mitdenken und Hinterfragen zu animieren. Dabei geht es nicht darum, die jungen Schülerinnen und Schüler vom Glauben abzubringen, aber mir ist die Erfahrung wichtig, dass ein echter Glaube auch Zweifel und Erschütterungen aushält. Dann bewegt sich auch etwas.“

„Vielleicht lege ich das berühmte Saatkorn, dass dann aufgeht“

„Verschiedenen Konfessionen sind im Unterricht möglich und haben alle ihren Raum. Es kommt darauf an, wie ich als Lehrkraft diesen gestalte. Bei den Themen 'Weltreligionen' lege ich den Schwerpunkt nicht darauf, was uns trennt, sondern was uns verbindet, auf den Dialog. Authentisch gelingt das durch die Anwesenheit verschiedener Religionen im Unterricht. Fachlich beziehe ich mich in der Oberstufe dabei auf Hans Küng und das 'Projekt Weltethos'. 1993 haben sich alle großen Weltreligionen getroffen und sich in der Erklärung zum Weltethos auf die wesentlichen Grundlagen verständigt. Eigentlich sind das nur wenige Glaubenssätze:'Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Gleichberechtigung und Partnerschaft und, etwas neuer, ökologische Verantwortung'.

Wenn wir erkennen, dass das die Grundlagen sind für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen, dann müssen wir auch nicht mehr miteinander über Religionen streiten.

Wir können dann Weihnachten feiern und Ramadan, wie wir wollen. Ich weiß nicht, ob alle Schülerinnen und Schüler das so im Unterricht erfassen, aber bei einigen lege ich dann vielleicht das berühmte Saatkorn, das dann irgendwann aufgeht. Am Beispiel der Fridtjof-Nansen-Schule wird jedoch auch deutlich: Das Interesse am Religionsunterricht nimmt generell ab: Dreiviertel der Oberstufenschülerinnen und -schüler haben sich statt für den Religionsunterricht für Philosophie entschieden.“

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