Wolfgang Huber: „Gesellschaft und Kirche müssen zu Aufbrüchen bereit sein“

Rund 170 Teilnehmende beim Theologischen Tag 2018 der Nordkirche in Ratzeburg

Prof. Dr. Wolfgang Huber
Prof. Dr. Wolfgang Huber© Thomas Hirsch-Hüffell / Nordkirche

31. Januar 2018 von Stefan Döbler, Anne Gidion

Ratzeburg. Die Bereitschaft zur Veränderung und den Willen zur Erneuerung hat Prof. Dr. Wolfgang Huber heute (31. Januar) in Ratzeburg als gemeinsame Grundmotive zwischen Protestantismus und den Reformbestrebungen von 1968 bezeichnet. „Die leitende Grundüberzeugung heißt: Gesellschaft und Kirche müssen immer wieder zu neuen Aufbrüchen bereit sein“, erklärte der frühere Berliner Bischof, der von 2003 bis 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) war.

Im Ratzeburger Dom hielt Huber den Hauptvortrag zum Auftakt des Theologischen Tages 2018 der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche). Bei dem Fachtag zum Thema „Protest und Protestantismus: 1968 und 2018 – Wie kann Theologie öffentlich wirken?“ diskutierten anschließend rund 170 Teilnehmende die öffentliche Wirkung von Theologie sowie ihre Bedeutung in gesellschaftlichen Debatten und Auseinandersetzungen in der Vergangenheit und heute.

Huber betonte, öffentliches theologisches Nachdenken könne den Diskurs über die großen Fragen unserer Zeit nicht nur beleben, sondern auch neuen Klärungen zuführen. Dabei gelte es, klärende Einsichten zu bewahren und weiterzuentwickeln, „die uns Protestanten im letzten halben Jahrhundert zugewachsen sind“, so Huber: „Dazu zählen die Zusammengehörigkeit von Demokratie und Frieden, die Bindung des Protests an die Gewaltlosigkeit seiner Formen, die Anerkennung des zivilen Ungehorsams als Merkmal einer reifen Demokratie, die Unterwerfung der Gewalt als ultima ratio unter das Recht und schließlich die Bereitschaft, sich nie mit einem erreichten Zustand zufrieden zu geben, sondern immer wieder neu nach Gleichnissen für die Gottesherrschaft in unserer noch nicht erlösten Welt Ausschau zu halten.“

Auch aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen im Blick

Ausgerichtet wurde der Theologische Tag 2018 vom Pastoralkolleg der Nordkirche und dem Dezernat für Theologie, Archiv und Publizistik des Landeskirchenamtes. In Impulsvorträgen und Arbeitsgruppen wurde der gesellschaftliche Aufbruch vor 50 Jahren ebenso thematisiert wie die friedliche Revolution in der DDR 1989. Auch Fragen nach der Verantwortung des gegenwärtigen Protestantismus angesichts aktueller Herausforderungen standen auf der Tagesordnung, so Anne Gidion, Rektorin des Pastoralkollegs: „Wie kann Kirche auf Unsicherheit und Angst reagieren? Wie kann sie öffentlich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen und zugleich Raum für gedankliche Freiheit, inhaltliche Debatten und friedlichen Protest eröffnen?“

Bei den Diskussionen über die Wirkung des Aufbruchs von 1968 waren sowohl Kunst und Popmusik als auch gesellschaftliche und kirchliche Reformbewegungen wie Feminismus und II. Vatikanisches Konzil, aber auch evangelische Kirchentage im Blick. Workshops zur friedlichen Revolution 1989 in der DDR und zum Erbe der Achtundsechziger aus der Perspektive der „Enkel“ wurden von Vikarinnen des Predigerseminars Ratzeburg geleitet.

„Mit dem Thema ‚Öffentliche Theologie‘ und einer offenen Debatte, die auch einen ebenso offenen Ausgang verträgt, wollen wir beim Theologischen Tag auch den Standort Ratzeburg als theologisches Zentrum der Nordkirche und als Think-Tank-Ort stärken“, sagte Rektorin Gidion am Rande der Tagung.

Buch mit biographischen Skizzen vom Mittelalter bis zur Gegenwart vorgestellt

Im Rahmen eines Workshops „Protestwurzeln in der Nordkirche“ gingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Spuren protestantischen Protests nach, die im Rahmen einer Geschichtswerkstatt von 2015 bis 2017 im Pastoralkolleg der Nordkirche zusammengetragen wurden. Diese sind aktuell als Buch in der Schriftenreihe des Vereins für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte erschienen: „Auf den zweiten Blick. Frauen und Männer der Nordkirche vom Mittelalter bis zur Gegenwart“, herausgegeben von Dr. Claudia Tietz, Pastorin in Hamburg und bis 2017 Studienleiterin am Pastoralkolleg, Prof. Dr. Dr. Rainer Hering, Professor für Neuere Geschichte und Archivwissenschaft in Hamburg, und Prof. Dr. Ruth Albrecht, Professorin für Kirchen- und Dogmengeschichte in Hamburg. Darin werden in 33 biografischen Skizzen aus der Region zwischen Nord- und Ostsee, Elbe und Oder Frauen und Männer dargestellt, die auf unterschiedliche Weise das kirchliche Leben ihrer Zeit geprägt haben. Drei von ihnen wurden in dem Workshop vorgestellt. Künftig werden die Gästezimmer im Domkloster die Namen der 33 im Buch vorgestellten Persönlichkeiten tragen.

Hintergrund:

Das Pastoralkolleg in Ratzeburg ist die Fort- und Weiterbildungsstätte für Pastorinnen und Pastoren der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche). Es bietet Kurse, Workshops und Studientage zu den verschiedenen Handlungsfeldern des Pfarrberufs an, wie beispielsweise Leiten und Führen, Gottesdienst, Predigt, Amtshandlungen und Tauf- oder Traugespräche, Religionspädagogik, Diakonie, Seelsorge und Ökumene. Einzelne Angebote richten sich auch an Ehrenamtliche und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirche.

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