Bugenhagen-Wettbewerb ehrt Preisträger aus Anklam, Demmin und Groß Bisdorf

Stimme des Friedens und der Versöhnung

Auf 14 Großleinwänden setzt sich die Anklamer Kirchengemeinde mit den Folgen des Zweiten Weltkriegs auseinander
Auf 14 Großleinwänden setzt sich die Anklamer Kirchengemeinde mit den Folgen des Zweiten Weltkriegs auseinander© kirche-mv.de / Daniel Vogel

24. Juni 2015 von Annette Klinkhardt

Greifswald. Die Preisträger des Bugenhagen-Wettbewerbs stehen fest: Überzeugt haben das Kuratorium der Johannes-Bugenhagen-Stiftung zwei Projekte aus Groß Bisdorf und Anklam, die sich mit dem Gedenken an die Opfer und die Zerstörungen des 2. Weltkriegs beschäftigen, und das Projekt „Ein Garten Eden 2015“ der Kirchengemeinde Demmin.

Nach 2014 hatte die kirchliche Johannes-Bugenhagen-Stiftung in diesem Jahr zum zweiten Mal einen Wettbewerb ausgeschrieben: „Das Wort läuft - Verkündigung in unserer Region“ hieß das an die populäre DDR-Kinderbibel angelehnte Motto. Am Dienstag (23. Juni) wurden die Preisträger in einer Feierstunde in der Greifswalder Christuskirche, ausgezeichnet.

Dr. Hans-Jürgen Abromeit, Greifswalder Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), freut sich über die rege Beteiligung am Wettbewerb: „Elf Kirchengemeinden aus dem gesamten Gebiet des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises haben sich mit ganz unterschiedlichen Ideen und Projekten beteiligt. Die Resonanz auf unseren Wettbewerb zeigt uns, wie viele Gedanken sich die Kirchengemeinden dazu machen, die gute Nachricht zu verkündigen, und mit wieviel Herzblut sich die Ehrenamtlichen in unseren Kirchengemeinden engagieren. Wir sind froh, dass wir mit den Mitteln der Johannes-Bugenhagen-Stiftung den Kirchengemeinden diese Projekte ermöglichen können.“ Mit dem Preisgeld von jeweils 500 Euro verbunden ist eine Förderung der einzelnen Projekte von bis zu 3.000 Euro.

Dr. Joachim Bärenklau: "Wahrhaftigkeit im Umgang mit der Geschichte"

Die Kirchengemeinde Groß-Bisdorf (mit Kandelin, Neuendorf, Griebenow und Kreutzmannshagen) hat das Kuratorium überzeugt mit ihrem Projekt „Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs“. Die Idee dazu gab es in der Gemeinde schon länger, wie Pastorin Nicole Chibici-Revneanu erzählt: „In vielen Kirchen, auch in unserer, hängen Gedenktafeln für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Doch Möglichkeiten, der zahlreichen Kriegstoten des Zweiten Weltkriegs zu gedenken, gibt es nicht. Das ist für die Nachkommen oft bitter.“

Der Kandeliner Ahnenforscher und Arzt im Ruhestand, Dr. Joachim Bärenklau, machte sich auf Spurensuche und recherchierte in mühevoller Kleinarbeit in Sterberegistern, beim Volksbund deutscher Kriegsgräber, in Standesämtern und in den Familien vor Ort: Mehr als 140 Tote aus dem Gebiet der Kirchengemeinde Groß Bisdorf hat er aufgespürt und Namen, Sterbedatum und Sterbeort notiert. „Die Kriegstoten, das sind den vielen Wehrmachtssoldaten auch die Toten eines Massensuizids beim Einmarsch der Roten Armee, Flüchtlinge und Menschen, die im sowjetischen Speziallager Fünfeichen bei Neubrandenburg gestorben sind. Ich finde es sehr wichtig, dass endlich - nach 70 Jahren - der Kriegstoten des letzten Kriegs gedacht wird. Für mich bedeutet das eine Art Wahrhaftigkeit im Umgang mit der Geschichte. “

Für die Groß-Bisdorfer Pastorin stellen diese Recherche und das geplante Denkmal eine ganz eigene Form christlicher Verkündigung dar: „Es macht einen Unterschied aus, ob jemand irgendwo anonym unter der Erde liegt, oder ob sein Name genannt wird. In der Bibel heißt es: ‚Ich habe dich bei deinem Namen gerufen‘. Für uns heutige geht es auch darum, die Wunden des 2. Weltkriegs zu heilen, die in vielen Familien noch offen sind.“

Broschüre zu Geschichte und Gegenwart Anklams geplant

Auch die Anklamer Kirchengemeinde setzt sich in ihrem Projekt mit dem Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen bis heute auseinander: Gemeinsam mit der Stadt Anklam zeigten sie zum 70. Jahrestag des Kriegsendes ab Ende April auf dem Marktplatz auf vierzehn großen Bildwänden die Wunden, die besonders die Luftangriffe in der Stadt Anklam geschlagen haben. „Wir haben diese Fotos jeweils mit einem Bibelwort als Stimme des Friedens und der Versöhnung kombiniert“, erläutert die Anklamer Pastorin Petra Huse.

Nun möchte die Kirchengemeinde darauf aufbauend eine Broschüre erarbeiten, in der Bibelverse, Fotos und Texte zur Geschichte und Gegenwart der Stadt Anklam und der Marienkirche miteinander in Beziehung gesetzt werden. Pastorin Huse: „Die erste Frage der Touristen hier lautet meistens: ‚Wo ist denn die historische Altstadt?‘ Dann muss ich sagen, dass es die nicht gibt, weil sie im Krieg zerstört worden ist. Besuchern und Touristen können wir mit dieser Broschüre das Schicksal der Stadt Anklam vermitteln und ihnen gleichzeitig einen ungewöhnlichen Zugang zu Bibelworten vermitteln.“

Ein „Garten Eden 2015“ grünte und blühte von Ende Mai bis Mitte Juni in der Kirche St. Bartholomaei in Demmin: Ein Brunnen, der Baum des Lebens und sieben weitere große Bäume, ein Labyrinth und eine Vielfalt an Kräutern ähnlich einem Klostergarten. Schüler aus Demmin und Greifswald hatten mehr als 1.000 Kraniche gefaltet, die als Symbol des Friedens über der Pflanzeninstallation fliegen. Dazu gab es ein dichtgestricktes Programm aus thematisch passenden Vorträgen, Konzerten und Möglichkeiten zur Kontemplation.

Erholung für die Seele im Demminer "Garten Eden"

Marie-Luise von Bonin, Vorsitzende des Orgelfördervereins und Mitglied der Demminer Kantorei hat die Idee aus München nach Demmin getragen. „Staunend haben wir hier erlebt, was ‚offene Kirche‘ bedeuten kann. Wir sind mit ganz unterschiedlichen Menschen aus allen Ecken Deutschlands ins Gespräch gekommen, auch über Themen des Glaubens, das war eine tolle Erfahrung“, erzählt sie. Auch Gundula Meyer gehörte zum Vorbereitungsteam und hat mit anderen Ehrenamtlichen von morgens um 9 Uhr bis abends um 22 Uhr Besuchern einen Besuch im ‚Paradies‘ ermöglicht: „Viele kamen in die Kirche und waren gestresst oder etwas skeptisch, doch alle gingen mit einem Lächeln und gelöst wieder heraus. Ein Besucher hat ins Gästebuch geschrieben: ‚Ich bin sicher, der liebe Gott freut sich über diese Aktion. Er ist hier durch seinen heiligen Geist.“

Die Johannes-Bugenhagen-Stiftung wurde 2008 zum 450. Todestag ihres Namensgebers ins Leben gerufen. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, das kirchliche Leben im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis zu fördern.

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